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Coronavirus: Wegweiser für Anleger


23.03.20 16:00
DWS

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus, die Märkte sind von großer Verunsicherung geprägt, so die Experten der DWS.

Wie sollten sich Anleger jetzt verhalten?

1. Wie lange geht es noch so turbulent weiter in der Wirtschaft und an den Märkten?

Das hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Krise ab. Wichtig aber ist: Diese Krise ist temporär. Es gibt eine Zeit nach dem Coronavirus-Schock. Ob die im zweiten Halbjahr 2020 beginnt oder erst später, lässt sich nicht seriös beantworten. Johannes Müller, Leiter Macro-Research bei der DWS, sieht drei Voraussetzungen dafür, dass sich die Situation beruhigt:

- Die Ausbreitung des Virus muss gestoppt werden.
- Die weltweiten fiskalpolitischen Maßnahmen zur Stablisierung der Wirtschaft müssen greifen.
- Es muss eine medizinische Lösung zur Bekämpfung des Coronavirus gefunden werden.

2. Aktienfonds haben teilweise stark an Wert verloren. Sind diese Verluste dauerhaft?

Die kurzfristigen, heftigen Kursverluste sind schmerzlich. Anleger sollten sich aber klar machen: Für Verluste wie für Gewinne gilt: So lange sie ihre Anlagen nicht verkaufen, stehen sie erst einmal nur auf dem Papier. Das ist nicht die erste Krise am Aktienmarkt. Epidemien sind an den Märkten nichts Neues. Die Folgen waren in der Historie immer zeitlich begrenzt. Und bisher haben zum Beispiel Indizes wie der S&P 500 noch alle Kursrückgänge im Laufe der Zeit aufgeholt. Was Anleger jetzt brauchen, ist Geduld und Durchhaltevermögen. Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der DWS, fasst das so zusammen: "Marktpanik ist kein guter Ratgeber."

3. Ich spare monatlich in einen Aktienfonds. Soll ich meinen Sparplan jetzt stoppen beziehungsweise alles verkaufen und das Geld aufs Girokonto legen?

Wer regelmäßig Geld in einen Fondssparplan anlegt, hat langfristige Anlageziele. Die Coronakrise mit ihren Folgen hat zwar kurzfristig negative Auswirkungen. Langfristig dürfte sie aber nichts an den positiven Aussichten für Aktien ändern. Es gilt nach wie vor: Aktien sind nicht risikolos, aber in Zeiten von Nullzinsen alternativlos. Dazu kommt: Wer jetzt aussteigt, realisiert nicht nur Verluste, er verpasst auch die Chance auf eine spätere Markterholung. Und: Wer seinen Sparvertrag weiter laufen lässt, bekommt bei niedrigen Kursen mehr Anteile für das gleiche Geld.

4. Ich sorge mit einem Fondssparplan, der unterem anderem auf Aktien setzt, fürs Alter vor. Muss ich jetzt was ändern?

Da die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben werden und Sparbücher, Festgeld und Termingeld keine oder nur noch sehr geringe Renditen bringen, sind Aktien für die Altersvorsorge unentbehrlich. Wer seine Altersvorsorge nicht nur breit, sondern langfristig - auf mindestens zehn bis 15 Jahre angelegt hat - den sollten tagesaktuelle Entwicklungen und heftigere Kurseinbrüche an den Börsen nicht aus der Ruhe bringen. Zumal es in der Historie immer wieder heftige Kurseinbrüche gab und selbst heftige Rücksetzer wieder ausgeglichen werden konnten. Beispiel: Wer Ende 2006, also im Jahr vor der Finanzkrise, sein Geld in den deutschen Leitindex DAX angelegt hatte - also zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt - erzielte bis 2019 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 5,5 Prozent.

5. Die Kurse sind extrem gefallen. Ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt für einen Einstieg?

Grundsätzlich kann niemand vorhersagen, wie lange die Kurse noch fallen können. "Den Wendepunkt wird man nie genau erwischen", sagt DWS-Chefanlagestratege Kreuzkamp. Wer einen langfristigen Anlagehorizont habe, für den könnten sich in den nächsten Wochen und Monaten günstige Einstiegsmöglichkeiten ergeben, so der Kapitalmarktexperte. Klar sei aber auch: Wer sein Geld in einem Jahr brauche, sollte die Finger von Aktien lassen, so Kreuzkamp.

6. Zeigt sich jetzt nicht doch, dass Aktien viel zu risikoreich sind und Anleger lieber in Zinsanlagen investieren sollten?

Die derzeitige Krise dürfte nichts an der grundlegenden Situation bei Anleihen ändern. Die Zinsen dürften auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Das sind gute Argumente für Anlagen in Papiere, die höhere Renditen erwarten lassen, also beispielsweise Aktien. Das heißt aber nicht, dass Zinspapiere nicht wichtig für ein Depot sind. Sie sind auch künftig ein wesentlicher Bestandteil eines gut diversifizierten Depots.

7. Auch konservative Dividendenfonds haben deutlich an Wert verloren. Können sie nicht halten, was sie versprechen?

Generell können Dividenden gerade in schwierigen Börsenzeiten die Risiken von Kursverlusten abfedern. Rauschen die Märkte aber so heftig in den Keller, wie in Folge der Coronakrise, können auch sie sich dem allgemeinen Abwärtstrend nicht entziehen. Allerdings hat sich auch nach dem Corona-Kursrutsch gezeigt, dass die DWS-Dividendenfonds einen Vorteil gegenüber einem Investment in den breiten Aktienmarkt bieten können. Das Credo "Risiken abfedern, Chancen nutzen" hat also nach wie vor Bestand: "Steigen die Aktienmärkte, sind die Dividendenfonds der DWS auf mittel- bis langfristige Sicht in der Lage, eine ähnliche Wertsteigerung wie der breite Markt zu erzielen. Fallen die Kurse, kann es gelingen, Verluste abzumildern", so DWS-Fondsmanager Thomas Schüßler.

8. Ist Gold jetzt eine Alternative?

Gold kann durchaus dazu beitragen, dass ein breit gestreutes Portfolio nicht ganz so schwankungsanfällig ist. "Der jüngste Rückgang des Goldpreises ist zurückzuführen auf die Coronakrise, die temporär ist. Wenn diese Krise vorbei ist, wird Gold wieder eine gute Alternative zu vielen Anlageklassen sein", so DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen.

9. Wie sicher ist mein Geld bei einem Fonds?

Investmentfonds sind als Sondervermögen konzipiert. Dementsprechend wird das Fondsvermögen, also das Vermögen der Anleger, getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Konkret: Würde eine Fondsgesellschaft in Schieflage geraten und im schlimmsten Fall sogar Insolvenz anmelden, wäre das Geld der Anleger geschützt, weil es nicht in die Konkursmasse einfließen würde. (23.03.2020/fc/n/s)