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Checkliste: So erkennen Berater, wann Fonds zu groß werden - Fondsnews


04.12.18 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Viele Fonds wachsen mit ihrem Erfolg - so weit, so logisch, so gut, so die Experten von "FONDS professionell".

Ab einem gewissen Volumen funktioniere die zugrundeliegende Strategie aber mitunter nicht mehr störungsfrei, warne Ali Masarwah von der Fondsratingagentur Morningstar. "Solche Fonds bringen dann eine bestenfalls durchschnittliche Leitung", sage der Chefredakteur.

Nicht selten entscheide sich der dahinterstehende Anbieter notgedrungen für einen sogenannten "Soft Close", also einen vorübergehenden Annahmestopp gegenüber Neuanlegern, damit der Investmentstil des Portfolios nicht verwässere. Im Nachhinein lasse sich immer leicht sagen, wann ein Fonds vor Kraft kaum noch habe laufen können und ins Straucheln geraten sei. Dann sei es allerdings leider schon zu spät.

Morningstar habe deshalb fünf Punkte identifiziert, anhand derer umsichtige Berater möglichst frühzeitig erkennen könnten, wann ein Fonds zu groß zu werden drohe, um sich weiterhin gut zu entwickeln.

Morningstar habe fünf Prüfkriterien zur Früherkennung übergewichtiger Fonds formuliert:

Geschwindigkeit der Zuflüsse
Die Nettozuflüsse an sich hätten nur begrenzte Aussagekraft, erkläre Morningstar-Chefredakteur Masarwah. Berater sollten stattdessen auf die Geschwindigkeit der Zuflüsse schauen. Eine besonders hohe Wachstumsrate könne in bestimmten Marktsegmenten ein Warnsignal sein, etwa bei Nebenwerten oder bestimmten Anleihearten. Wachse ein Fonds in einem vergleichsweise kleinen und wenig liquiden Marktsegment zu schnell, müsse das Management oft ungewollt Cash horten oder seinen Investmentansatz ändern.

Vermögen auf Anbieterebene
Berater sollten sich anschauen, wie viel Geld auf Ebene der Fondsgesellschaft mit dem gleichen Anlagestil verwaltet werde. Hätten mehrere Fonds desselben Anbieters eine hohe Schnittmenge - gebe es demnach etwa Emerging-Markets-, China- und Asien-Fonds, die nach demselben Ansatz gemanagt würden - sollten Berater all diese Produkte und ihr verwaltetes Vermögen im Auge behalten und nicht nur einen einzelnen Fonds.

Entwicklung der Marktkapitalisierung
Verändere sich die durchschnittliche Marktkapitalisierung der Portfolio-Bestandteile, könne das darauf hindeuten, dass ein Fondsmanager im Stillen seine Strategie geändert habe. So könne etwa ein Nebenwertefonds klammheimlich zu einem Large-Cap-Produkt mutieren, würden die Morningstar-Analysten warnen. Berater sollten allerdings beachten, dass mit steigenden Märkten qusi-automatisch auch die Marktkapitalisierung der Wertpapiere steige. Sie sollten deshalb die Veränderungen im Fonds mit den Veränderungen in einem passenden Index abgleichen.

Zahl der Einzelpositionen im Fonds
Steige die Zahl der Wertpapiere in einem Fonds, könne das ebenfalls ein stilles Warnsignal sein. Es sei nämlich unwahrscheinlich, dass ein Portfoliomanager plötzlich ein bis dato unentdecktes Reservoir an Papieren finde, die dieselbe Qualität hätten wie seine bisherigen Favoriten. Das wahrscheinlichere Szenario: Der Fondsmanager schaffe es nicht mehr, so viel Alpha zu generieren wie bisher.

Der Active Share
Die Kennzahl messe - kapitalisierungsgewichtet und in Prozent - die Abweichung eines Fonds von seinem Vergleichsindex. Aanders gesagt: Wie stark der lenkende Fondsmanager Wettbewerbern folge oder sich anlagetaktisch von ihnen abhebe. Variiere der Active Share auffällig stark, könne das auf einen geänderten Investmentprozess hindeuten. Solche Änderungen seien allerdings nicht immer leicht zu bewerten, gestehe Morningstar ein. So könne ein höherer Aktivitätsgrad positiv sein, weil sich der Manager von seiner Benchmark emanzipiere. Ein höherer Active Share könne aber auch bedeuten, dass ein Fonds seine Kapazitätsgrenze erreicht habe und in einem fremden Marktsegment "wildern" müsse. (News vom 03.12.2018) (04.12.2018/fc/n/s)