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BVI: Vorschlag der EU-Kommission zur Umsetzung der Offenlegungsverordnung ist pragmatisch - Fondsnews


07.10.20 13:00
BVI

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die EU-Kommission hat angekündigt, die Vorschriften zu den nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegungspflichten pragmatisch umzusetzen, so die Experten von BVI.

"Die Aussagen der EU-Kommission ermöglichen den Fondsgesellschaften, ihren künftigen Pflichten zur Nachhaltigkeit nachzukommen, ohne am politisch festgelegten Starttermin der Offenlegungsverordnung zu rütteln. Zudem verhindern sie einen drohenden Vertriebsstop nachhaltiger Fonds", sage Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI.

Die EU-Kommission wolle nun das Inkrafttreten der Vorgaben aus dem Verordnungstext von den künftigen Regulierungsdetails zeitlich trennen. So solle die Offenlegungsverordnung unverändert zum 10. März 2021 auf Basis der prinzipienorientierten Vorgaben, die im Verordnungstext festgelegt seien, starten. Erst zu einem späteren Zeitpunkt - wohl ab Anfang 2022 - sollten die technischen Regulierungsstandards mit den Detailvorgaben in Kraft treten. "Das gibt den Fondsgesellschaften und nationalen Behörden die notwendige Zeit für die Umsetzung der nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegungspflichten", sage Richter.

Fondsgesellschaften müssten bereits heute Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen und bei Produkten mit Nachhaltigkeitsmerkmalen über den jeweils angewandten Ansatz zum Beispiel im Verkaufsprospekt informieren. Dies sollte für die Einhaltung der prinzipienorientierten Vorgaben des Verordnungstextes ausreichen. Für die ebenfalls erforderliche Offenlegung von wesentlichen nachteiligen Nachhaltigkeitswirkungen könnten Fondsgesellschaften zum Beispiel auf Informationen zurückgreifen, die sie im Rahmen der nicht-finanziellen Berichterstattung oder nach sonstigen internationalen Standards schon heute veröffentlichen würden.

Nach dem bisherigen Zeitplan für die Anwendung der EU-Offenlegungsverordnung müssten Fonds bis zum Inkrafttreten der Verordnung am 10. März 2021 nicht nur die prinzipienorientierten Vorgaben des Verordnungstextes, sondern auch zeitgleich detaillierte Informationen zur Nachhaltigkeit in ihre Verkaufsprospekte aufnehmen. Die entsprechenden Vorlagen würden aber noch von den europäischen Behörden (ESAs) entwickelt und seien bislang nicht einmal als Entwurf verfügbar. Sie würden frühestens Ende Januar 2021 in der endgültigen Fassung vorliegen.

Den Fondsgesellschaften würden damit nur fünf Wochen Zeit bleiben, die neuen Vorgaben zu analysieren und die Anlegerinformationen von tausenden von Fonds anzupassen. Dies sei praktisch unmöglich. Folglich wäre der Vertrieb von nachhaltigen Fonds ab dem 10. März 2021 nicht möglich, da sie die Anforderungen zu den nachhaltigen Detailinformationen nicht umsetzen könnten. Deshalb habe sich der BVI in den vergangenen Monaten nachdrücklich für realistische Anforderungen beim Start der Offenlegungsverordnung eingesetzt. (07.10.2020/fc/n/s)