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Asset Manager verfolgen kaum konkrete Ziele zur Verbesserung der ESG- und Klimabilanz von Portfolios


03.11.20 13:30
Russell Investments

Seattle (www.fondscheck.de) - Immer mehr Vermögensverwalter integrieren ESG in ihre Anlageprozesse und haben entsprechende Ressourcen ausgebaut, so das Ergebnis einer von Russell Investments durchgeführten Umfrage unter 400 Vermögensverwaltern weltweit, berichten die Experten von Russell Investments.

Die sechste jährliche ESG-Manager-Umfrage habe Vermögensverwalter aus den Bereichen Aktien, Anleihen, Real Assets und Private Markets zu deren Einschätzungen und zur Integration von ESG in den Anlageprozess befragt.

Die vom Manager-Research-Team von Russell Investments durchgeführte Erhebung zeige, dass 78% der Manager (+5% ggü. Vj.) ESG quantitativ oder qualitativ in den Anlageprozess einfließen lassen würden. Fortschritte seien dabei in nahezu allen Regionen zu verzeichnen gewesen. Vor allem kontinentaleuropäische Asset Manager hätten ihre Führungsrolle bei der ESG-Integration festigen können. 97% von ihnen hätten angegeben, ESG-Faktoren in den Anlageprozess einfließen zu lassen, gefolgt von Australien und Neuseeland (93%). Kanada, die USA und Großbritannien hätten das stärkste Wachstum im Vergleich zur letztjährigen Umfrage verzeichnet.

Der Vorsprung zwischen Kontinentaleuropa und anderen Regionen spiegele sich auch in den personellen Ressourcen wider. 90% der kontinentaleuropäischen Asset Manager (+22% ggü. Vj.) würden Experten beschäftigen, die sich nahezu ausschließlich mit ESG-Themen befassen würden. In Japan, der Nummer Zwei im Länder-/Regionenvergleich, seien es 67% der Asset Manager. Schlusslichter seien Kanada und die USA, wo nur 26% bzw. 36% der Asset Manager Experten mit Fokus auf ESG beschäftigen würden.

Governance sei nach wie vor der wichtigste ESG-Aspekt. Für 82% der Befragten habe dieser Faktor den größten Einfluss auf die Investitionsentscheidungen, was den Effekt einer guten Unternehmensführung auf den langfristigen Unternehmenswert unterstreiche. Umweltaspekte würden jedoch wichtiger - vor allem in Europa. Hier habe sich der Anteil der Manager, für die dieser ESG-Faktor am wichtigsten sei, gegenüber 2019 auf knapp 25% mehr als verdoppelt. In den USA und Kanada wachse zwar auch die Zahl der Asset Manager, für die Umweltaspekte am wichtigsten seien. Hier seien es aber nur 13% bzw. 14% der Vermögensverwalter, für die dieser ESG-Faktor dominiere.

Als Quelle für ESG-Informationen hätten die Befragten Engagement bzw. den Dialog mit Emittenten genannt. Bemerkenswert sei, dass proaktives Engagement bei Anleihe-Managern besonders an Bedeutung gewonnen habe. 92% von ihnen hätten angegeben, dass sie regelmäßig mit den Unternehmen, in die sie investieren würden, zu ESG-Themen in Kontakt stünden. Eine wachsende Zahl von Bond-Managern berichte, dass sie so einen besseren Einblick erhalten, die Transparenz verbessern und Geschäftspraktiken beeinflussen könnten. Immer mehr Asset Manager würden zudem mehrere externe ESG-Datenlieferanten nutzen.

Trotz aller Fortschritte und der Tatsache, dass vor allem große Asset Manager durch die ESG-Integration überproportional Anlagevolumen gewinnen würden, scheine es noch keinen Konsens zu geben, in welchem Umfang ESG integriert werden sollte. Luft nach oben gebe es auch im Bereich Reporting. Zudem würden nur 22% der Befragten ESG- oder Klima-Daten außerhalb des ESG-Produktangebots zur Leistungsbeurteilung ihrer Portfoliomanager und Analysten nutzen. Dies lasse darauf schließen, dass ESG-Faktoren im Allgemeinen noch nicht als Renditetreiber angesehen würden. Die Dynamik bei der ESG-Integration scheine daher mehr von der Nachfrageseite und von Risiko-Management-Überlegungen getrieben zu sein. Die weiter fortschreitende Regulation unter anderem zur Berichterstattung sollte jedoch zu mehr Transparenz und Klarheit führen und das Risiko des "Green Washing" reduzieren. Auch hätten nur 17% der Befragten konkrete Ziele zur Verbesserung von ESG-Profilen und der CO2-Bilanzen bei traditionellen Portfolios formuliert.

"Die aktuelle ESG-Umfrage zeigt, dass Asset-Manager die ESG-Integration auch im aktuell herausfordernden Umfeld vorantreiben", sage Yoshie Phillips, Director of Investment Research - Global Fixed Income bei Russell Investments. "Auffallend sind Verbesserungen bei ESG-Informationen, mehr Ressourcen, eine intensivere Integration in den Anlageprozess und bessere Regulationsstandards. Während Governance nach wie vor der dominierende Faktor im Anlageprozess ist, weitet sich die Perspektive auf alle drei ESG-Bereiche aus. Insbesondere in Europa ist der Umweltfaktor bei vielen Asset Managern zum wichtigsten ESG-Teilaspekt geworden. Gleichzeitig geben die Vermögensverwalter an, dass sie eine größere Klarheit über den Mehrwert der ESG-Integration anstreben".

"ESG ist nicht länger ein Extra-Feature, sondern ein zentraler Faktor, den Vermögensverwalter in ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen müssen", ergänze Bettina May, Head of Distribution für Deutschland und Österreich bei Russell Investments. "Es zeigt sich, dass sich die Investmentbranche in die richtige Richtung bewegt, wobei die Unterstützung für Nachhaltigkeitsinitiativen und Verbesserungen der Berichterstattung künftig wichtige Schritte auf diesem Weg sein werden. Gleichzeitig gibt es in bestimmten Regionen nach wie vor Raum für Verbesserungen. Der Weg dorthin ist klar vorgezeichnet. Vermögensverwalter, die keine Fortschritte mach, werden zurückbleiben". (03.11.2020/fc/n/s)