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Asset-Allocation-Update: Stehen Anleihen vor einem Ausverkauf?


04.08.17 10:23
Columbia Threadneedle

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Investment-Grade- und Hochzinsanleihen haben sich in letzter Zeit risikobereinigt sehr gut entwickelt, so Toby Nangle Global Co-Head of Asset Allocation, Head of Multi-Asset, EMEA und Maya Bhandari Portfoliomanagerin, Multi-Asset bei Columbia Threadneedle.

Vor diesem Hintergrund hätten die Experten ihre Gewichtung in diesem Bereich überprüft. Sie hätten beschlossen, in ihren Asset-Allocation-Portfolios ihr Engagement in europäischen Hochzinsanleihen zu reduzieren. Die Experten seien sich aber auch der allgemeinen Sorglosigkeit am Markt bewusst und hätten sich gefragt, ob Anleihen vor einem Ausverkauf stünden und was in diesem Falle eine Korrektur auslösen werde.

Investment-Grade-Anleihen hätten ihrer Analyse zufolge weiterhin gute Aussichten. Die geldpolitischen Bedingungen seien günstig, wobei die negativen Zinsen kräftige Impulse geben würden, die Konjunktur sei stabil, die Volatilität niedrig und die Bewertungen würden steigen, aber seien noch nicht zu hoch.

Gleichwohl würden sich die Experten die Bilanzen der US-Unternehmen weiterhin Sorgen bereiten. Der Verschuldungsgrad sei nahezu einer der höchsten seit der Jahrtausendwende und die Zinsdeckung sei die niedrigste seit der Krise. Ihrer Einschätzung nach werde die Verschuldung weiter steigen. Das sei zwar in der aktuellen, mittleren bis späten Phase des Kreditzyklus nicht ungewöhnlich, sollte aber ihres Erachtens trotz des ansehnlichen Wachstums der Unternehmensgewinne genau beobachtet werden.

In Europa sei die Lage anders. Die Verschuldung habe sich nach einem weniger extremen Anstieg als in den USA stabilisiert und dürfte in diesem Jahr zurückgehen. Zudem werde die Zinsdeckung europäischer Investment-Grade-Unternehmen voraussichtlich in diesem und im nächsten Jahr steigen. Investment-Grade-Anleihen seien jedoch eine so globale Anlageklasse, dass Europa schwer vom Rest der Welt zu trennen sei.

Im Hochzinsbereich würden sich die Fundamentaldaten der Unternehmen verbessern. Die Profitabilität steige, der Verschuldungsgrad sinke, die Verbindlichkeiten und Zinsaufwendungen seien gedeckt und die Indexduration sei ungefähr halb so hoch wie die europäischer Investment-Grade-Anleihen. Das typische Hochzinsunternehmen sehe heute ganz anders aus als vor zehn Jahren. Es sei heute rund drei Mal so groß und von besserer Qualität. Gleichwohl seien die Bewertungen europäischer Hochzinsanleihen im Laufe einer Phase mit guter Wertentwicklung ungünstiger geworden. Sie seien jetzt stärker ausgereizt als die europäischer Investment-Grade-Anleihen. Beispielsweise seien Hochzinsanleihen mit BB-Rating teurer als Investment-Grade-Anleihen mit BBB-Rating.

In den letzten zwölf Monaten hätten Hochzinsanleihen hohe Gesamterträge erzielt: 9% in Europa und 11% in den USA, womit die Gesamterträge über zehn Jahre auf jeweils rund 100% gestiegen seien. Die Spreads lägen in Europa 80 Basispunkte und in den USA 90Basispunkte über ihren Tiefstständen von 2007.

Was bedeute dies nun für die Experten? Auch wenn sie insgesamt keine konkrete Gefahr sehen würden, hätten sie beschlossen, ihr Engagement in europäischen Hochzinsanleihen zu verringern. Dies erscheine ihnen unter Risiko-Ertrags-Gesichtspunkten vernünftig. Für Unternehmensanleihen spreche, dass die Suche nach Rendite bei "Goldilocks"-Bedingungen - langsamem, stetigem Wachstum, moderater Inflation und anhaltend expansiver Geldpolitik mit niedrigen Realzinsen - weitergehen dürfte. Die Experten würden aber bedenken, dass ein exogener Schock jetzt eine Korrektur auslösen könnte. Die möglichen Auslöser seien zahlreich und vielfältig. Dazu würden eine restriktivere Geldpolitik, langsameres Wachstum in Europa, geopolitische Turbulenzen wie eine Ablehnung von Shinzō Abe in Japan und die USA zählen, wo Präsident Trump Schwierigkeiten habe, seine Ausgabenpläne und Steuerreformen durchzusetzen.

Der Markt scheine es für wenig wahrscheinlich zu halten, dass Präsident Trump seine geplanten Maßnahmen verwirklichen könne. Die Experten würden viel darüber nachdenken, wie viel Auftrieb diese Maßnahmen liefern könnten. Ihre Analysen im letzten Jahr hätten ergeben, dass allein schon niedrigere Unternehmenssteuern US-amerikanischen Aktien zu Kursanstiegen von 16 bis 17% verhelfen könnten (nach der Daumenregel, wonach eine Steuersenkung um 5% die Unternehmensgewinne um etwa 4% steigen lasse). Der S&P 500 sei um mehr als das gestiegen, obwohl die Steuern nicht gesenkt worden seien und sich immer mehr abzeichne, dass sich die Steuersenkungen verzögern und geringer ausfallen würden als ursprünglich erhofft. Die Konjunkturdaten in den USA würden jetzt hinter sinkenden Erwartungen zurückbleiben und sowohl die weichen als auch die harten Daten würden merklich nachgeben - was die Experten in ihrer Ansicht bestätige, dass US-Aktien nicht mehr unterbewertet seien.

Das Asset-Allocation-Team bevorzuge weiterhin europäische Aktien, schätze aber den Ausblick für Aktien insgesamt positiv ein. Die Experten würden bei ihrer neutralen Haltung gegenüber Unternehmensanleihen bleiben und seien in Bezug auf Kernländerstaatsanleihen abgeneigt. (Ausgabe vom 28.07.2017) (04.08.2017/fc/n/s)