Anleger sollten bleiben, auch wenn Fondsmanager gehen - Fondsnews


10.08.17 13:12
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Es war eine Paukenschlag-Personalie: Völlig überraschend verließ der bekannte Manager Henning Gebhardt im Dezember 2016 die Deutsche Asset Management, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Weggang hinterlasse immer noch Spuren in dem von ihm einstmals verwalteten DWS Aktien Strategie Deutschland. Allein in diesem Jahr seien bis Ende Mai mehr als 300 Millionen Euro aus dem Dickschiff geflossen. Viele Anleger wollten erstmal abwarten, ob Nachfolger Tim Albrecht das drei Milliarden Euro schwere Portfolio genauso geschickt steuere wie Gebhardt.

Doch die Skepsis der Anleger bei einem Managerwechsel sei oftmals unnötig. Zu diesem Ergebnis komme jedenfalls eine Auswertung der Fondsratinggesellschaft Morningstar. Die Analysten hätten keinerlei Zusammenhang zwischen einem Wechsel des Portfolio-Lenkers und der anschließenden Wertentwicklung des Fonds gefunden - weder in den Monaten direkt nach der Rochade noch zwei Jahre später. Die Analysegesellschaft habe dafür US-Publikumsfonds auf Aktien und Anleihen in der Zeit von 2003 bis 2016 untersucht.

"Egal, wie wir die Daten drehten und wendeten, im Schnitt hat ein Managerwechsel keinen Einfluss auf die Wertentwicklung eines Fonds", berichte Morningstar-Analystin Madison Sargis. Stattdessen hätten die Experten andere Phänomene beobachtet: Zum einen würden große Fonds nach dem Austausch besonders heftige Mittelabflüsse erleiden. Zum anderen würden Anleger bei Managern mit herausragender Leistung eher bereit scheinen, dem Nachfolger einen Vertrauensvorschuss einzuräumen: Bei Fonds mit besonders großer Outperformance würden die Mittelabzüge geringer ausfallen.

Das Misstrauen der Anleger gegenüber den neuen Fondskapitänen sitze zudem sehr tief. Sogar drei Jahre nach einem Wechsel hätten viele Portfolios noch in einer Absatzflaute verharrt. Dies würden die Morningstar-Experten aber für einen Fehler halten. "Die Performance eines Fonds verändert sich lange nicht so heftig, wie die Reaktion der Anleger es vermuten lässt", erläutere Sargis. Die Umschichtung des Geldes in einen anderen Fonds sei zudem stets mit Kosten verbunden. Meist sei es daher fraglich, ob sich der Aufwand am Ende tatsächlich lohne.

In der Studie nenne Morningstar auch Gründe, warum ein Führungswechsel nur wenige Änderungen mit sich bringe: Die neuen Manager würden meist aus dem Analystenteam des Fonds stammen oder seien gar Co-Manager gewesen, hätten also vielleicht schon über Jahre das Portfolio mitgeprägt. Zudem würden sich die neuen Verantwortlichen an dieselben anlagestrategischen Vorgaben halten und auf dieselben Research-Ressourcen des Hauses zurückgreifen wie ihre Vorgänger. Zudem würden die meisten Asset Manager professionell agieren und hätten stets Nachfolgepläne für ihre Top-Manager in der Schublade.

Die Reaktion der Investoren sei aber menschlich dennoch verständlich, räume die Analystin ein. "Wenn sich Veränderungen ergeben, wollen Anleger handeln", meine Sargis. Daher würden sowohl professionelle Anleger wie Berater und Vermögensverwalter als auch Privatkunden häufig in Aktionismus verfallen und Fonds verkaufen - obwohl das meist gar nicht nötig sei.

Sargis gebe offen zu, dass auch Morningstar nach einem Fondsmanagerwechsel das Rating für einen Fonds standradmäßig unter Beobachtung stelle. Die Ratingagentur wolle aber eben nach jenen Fällen Ausschau halten, bei denen auf den Managerwechsel auch eine neue Strategie folge, welche sich dann doch in einer anderen Wertentwicklung des Fonds niederschlagen könne. (10.08.2017/fc/n/s)






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