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Aktiv-Passiv-Debatte: Morningstar vergleicht Endabrechnungen - Fondsnews


03.04.19 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Fondsratinggesellschaft Morningstar hat die mehrere Anlageklassen hinweg die Gesamtkostenbelastung von aktiven und von passiven Fonds gemessen und verglichen, so die Experten von "FONDS professionell".

Dabei würden sich die Analysten auf die selbstentwickelte neue Kennzahl "Representative Cost" stützen, die das Haus jüngst vorgestellt habe. Diese umfasse nahezu alle Gebührenposten, die bei der Anlage in Fonds anfallen würden - inklusive Erfolgsprämien und Transaktionskosten. Die neue Kennzahl ermögliche erstmals einen wirklich vollständigen Blick auf die Entgelte und Ausgaben, die ein Fondsanleger zu stemmen habe. Insgesamt 20 Dickschiffe habe die Ratinggesellschaft bereits einem Kosten-Check unterzogen.

Die Analysten würden nun für das europäische Fondssortiment die Gesamtkosten in den Bereichen Aktien und Anleihen sowie bei Misch- und alternativen Fonds beleuchten. So betrage die Management-Fee bei in Europa aufgelegten Aktienfonds im Schnitt 1,32 Prozent. Durch Handelskosten in Höhe von 0,35 sowie Erfolgsprämien in Höhe von 0,17 Prozent klettere die Kostenbelastung unter dem Strich aber auf 1,9 Prozent. Bei Indexfonds stehe hingegen eine Management-Gebühr von durchschnittlich 0,35 Prozent, die Representative Cost beziffere sich nur auf 0,42 Prozent.

"Das zeigt, dass mit Blick auf die Kosten Investoren in aktiv verwalteten Aktienfonds gleich dreifach im Nachteil sind", folgere Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah. "Die Management Fee von aktiv verwalteten Aktienfonds ist fast viermal höher als die von Indexfonds, die Handelskosten sind rund fünfmal höher, und Aktien-Indexfonds berechnen keine Performance Fee." Ein ähnliches Bild ergebe sich bei Rentenfonds, führe Masarwah weiter aus. "Die laufenden Gebühren sind bei aktiv verwalteten Rentenfonds gut viermal so hoch wie bei passiven."

Auch bei Mischfonds klaffe eine riesige Spanne zwischen der Management Fee von 1,13 Prozent und der alles zusammenfassenden Representative Cost von 1,83 Prozent. "Ein Aufschlag von deutlich mehr als 50 Prozent", kommentiere der Experte. "Das liegt vor allem an den Handelskosten und an den Performance Fees." Bei der passiven Konkurrenz stünden im Mixed-Bereich unter dem Strich nur 0,53 Prozent an Gebühren. Allerdings sei das Angebot mit gerade mal 34 Index-Mischfonds im europäischen Markt gering.

Ebenso würden sich bei alternativen Fonds die eigentlich recht moderaten Management-Gebühren von 1,02 auf stattliche 2,21 Prozent steigern. Hier würden sowohl hohe Handelskosten mit 0,52 Prozent als auch hohe Erfolgsgebühren mit 0,38 Prozent ins Kontor schlagen. In diesem Feld seien keine passiven Produkte in die Auswertung gelangt.

Die Analysten würden dabei rund 35.000 Anteilsklassen von national- wie europaweit vertriebenen Fonds betrachten. Zudem würden sie auf die Ungenauigkeiten und Widersprüche bei der Berechnung der Transaktionskosten verweisen. Diese könnten gemäß der aktuellen Regulierung sogar negativ ausfallen. "Das ist natürlich Unfug - kein Fonds wird einen Gewinn dadurch erzielen, dass er handelt, was notwendigerweise Kosten produziert", halte Masarwah fest. Die Morningstar-Experten würden daher keine Handelskosten mit negativem Vorzeichen oder dem Wert null berücksichtigen.

Aus den Ergebnissen würden die Analysten den Schluss ziehen, dass Berater und Investoren genau die Gesamtkostenbelastung im Blick haben sollten. Dies könne für Erfolg oder Misserfolg einer Geldanlage entscheidend sein. "Für die Anlegerrendite gilt es, jeden Gebühren-Basispunkt einzusparen, der eingespart werden kann", argumentiere Masarwah. (News vom 02.04.2019) (03.04.2019/fc/n/s)