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"Abrdn" verhandelt mit J.C. Flowers über Milliarden-Deal - Fondsnews


09.11.21 13:15
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der schottisch-britische Asset Manager "Abrdn" führt mit der Private-Equity-Gesellschaft J.C. Flowers Gespräche über den Kauf der Privatanleger-Anlageplattform Interactive Investor, so die Experten von "FONDS professionell".

Medienberichten zufolge stehe dabei ein Kaufpreis von 1,5 Milliarden Pfund (1,76 Mrd. Euro) zur Debatte. Der einst als Aberdeen Standard Investments firmierende Fondsanbieter würde sich damit den Zugriff auf die zweitgrößte Investmentplattform für Privatanleger des Inselstaates sichern. Interactive Investor zähle rund 400.000 Kunden und betreue ein Vermögen in Höhe von 55 Milliarden Pfund (64 Mrd. Euro).

Abrdn habe die Verhandlungen bestätigt. Der Asset Manager habe zugleich aber betont: "Es gibt keine Gewissheit, dass diese Gespräche zu einer Transaktion führen werden." Das Haus werde zu gegebener Zeit weitere Informationen veröffentlichen. Interactive Investor wiederum habe darauf verwiesen, dass noch weitere Wege für die Zukunft des Hauses denkbar seien. "Ein Börsengang ist nach wie vor eine attraktive und mögliche Option", habe das Unternehmen mitgeteilt. "Die Gespräche über den Prozess sind ebenfalls im Gange."

Damit würde sich die Gesellschaft zu den Konkurrenten AJ Bell sowie Branchenprimus Hargreaves Lansdown gesellen, die ebenfalls an der Londoner Börse notiert seien. Investmentplattformen für Privatanleger würden im britischen Fondsvertrieb eine wichtige Rolle einnehmen. Endkunden würden hier Zugang zu Wertpapieren und Kapitalmarktprodukten erhalten, etwa im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge. Plattformen würden sich einerseits an Selbstentscheider richten, aber auch Beratungsmodelle bieten.

Die Übernahme solle bei dem Vorhaben von Abrdn-Chef Stephen Bird helfen, die Fondsgesellschaft wieder auf Kurs zu bringen. Das Haus sei durch die Fusion von Aberdeen und Standard Life entstanden und leide seither unter Mittelabflüssen. Mit dem Zukauf würde sich Abrdn einen direkten Zugang zu Endkunden und damit einen weiteren Vertriebskanal schaffen. Der mögliche Deal sei aber schon auf Kritik gestoßen, da die Unabhängigkeit von Interactive Investor bedroht werden könnte. Abrdn müsste umfangreiche Compliance-Vorgaben einhalten.

Die Private-Equity-Gesellschaft des Milliardärs Christopher Flowers habe seit 2016 die Mehrheit an Interactive Investor gehalten. Flowers sei auch in der deutschen Finanzbranche aktiv und habe mit seinen Beteiligungen an der HSH Nordbank sowie der Hypo Real Estate Schlagzeilen gemacht. Zuletzt habe die Private-Equity-Gesellschaft die Vermögensverwaltung Lunis initiiert. (09.11.2021/fc/n/s)