Nach Manager-Rauswurf: GAM friert Milliardenfonds ein - Fondsnews


02.08.18 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Weiterer Paukenschlag in der Causa Tim Haywood: GAM hat zum 31. Juli 2018 alle Zeichnungen und Rücknahmen von Anteilsscheinen an Fonds gestoppt, die eine Absolute-Return-Bond-Strategie mit uneingeschränktem Anlageansatz (ARBF) verfolgen, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Schweizer Asset Manager begründe diesen ungewöhnlichen Schritt damit, dass Anleger Fondsanteile mit einem hohen Volumen zurückgegeben hätten. Ausgelöst worden seien die Rückgaben durch die vor zwei Tagen veröffentlichte Meldung, dass GAM den für die Fonds hauptverantwortlichen Manager Haywood von GAM suspendiert habe.

Der Vermögensverwalter habe sich nach eigenen Angaben zu der Suspendierung Haywoods gezwungen gesehen, weil er Unregelmäßigkeiten bei "Teilen von dessen Risikomanagementverfahren sowie seiner Dokumentationspflichten" gefunden habe. Im selben Atemzug habe GAM aber betont, es gebe "keine Bedenken bezüglich der Ehrlichkeit Haywoods". Außerdem habe die Gesellschaft keine Nachteile für Kunden feststellen können.

Ferner seien auch keine anderen Bereiche betroffen. Andere Investment-Teams bei GAM sowie Drittmanager, mit denen die Gruppe zusammenarbeite, würden Kundengelder wie bisher verwalten. Die internen Untersuchungen, über die auch die Behörden informiert werden sollten, würden weiter laufen.

Die Zürcher Gesellschaft begründe das Einfrieren der Portfolios, deren Volumen per 31. Juli 7,3 Milliarden Schweizer Franken (6,3 Milliarden Euro) betragen habe, ferner mit dem Schutz der verbliebenen Anleger. "Obwohl die Fonds über die notwendige Liquidität verfügen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden, würden solche Maßnahmen zu einer unverhältnismäßigen Verschiebung ihrer Portfoliozusammensetzung führen, was sich nachteilig für die Interessen der verbleibenden Investoren auswirken könnte", schreibe GAM.

Um welche Fonds es sich genau handle, habe GAM nicht bekannt gegeben. Zumindest die sechs bislang von Haywood selbst gemanagten Portfolios dürften betroffen sein: GAM Multibond - Absolute Return Bond Defender, GAM Multibond - Absolute Return Bond Plus, GAM Multibond - Absolute Return Bond, GAM Star Absolute Return Bond Defender (ISIN IE00B4RJ6431 / WKN A12C5H), GAM Star Absolute Return Bond (ISIN IE00B7LFXB41 / WKN A1J7CJ) und GAM Star Dynamic Global Bond (ISIN IE00B5L8YJ49 / WKN A1H9K3).

Daher schließe der Asset Manager weitergehende Schritte nicht aus, inklusive einer Liquidierung der Portfolios. Immerhin: Während auch mit Anlegern nach eine Lösung gesucht werde, wolle GAM auf Verwaltungsgebühren für die Fonds verzichten.

Die Angelegenheit verursache natürlich auch einen Imageschaden für GAM. An der Börse hätten die jüngsten Nachrichten jedenfalls für große Verunsicherung gesorgt: Die Aktie des Vermögensverwalters habe ihren Sturzflug der vergangenen Tage fortgesetzt. Am Donnerstagmorgen habe die Aktie an der Schweizer Börse satte elf Prozent unter dem Vortagesschluss notiert. Seit dem jüngsten Hoch Mitte Januar habe der Titel inzwischen gut die Hälfte seines Wertes verloren.

"Der Verwaltungsrat ist sich bewusst, dass die jüngsten Ereignisse einen Rückschlag für das Unternehmen darstellen", habe GAM-Verwaltungsratspräsident Hugh Scott-Barrett mitgeteilt. "Wir haben jedoch absolutes Vertrauen in die Stärke von GAM als diversifizierten Vermögensverwalter und die Fähigkeit seiner Investment-Teams, Mehrwert für Kunden zu schaffen. Wir haben eine klare Strategie und die Geschäftsleitung wird diese weiter umsetzen. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung werden alle Möglichkeiten ausloten, um den Shareholder Value zu optimieren, indem wir auf den vielen bereits erzielten Erfolgen aufbauen." (02.08.2018/fc/n/s)





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