Graham Clapp: "Mir schreibt keiner vor, in welche Unternehmen ich investieren soll" - Fondsnews


01.10.18 16:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Graham Clapp ist von einem Extrem ins andere gefallen - und findet sich inzwischen in der Mitte wieder: Als Manager des Fidelity European Growth Fund verwaltete er ein Milliardenportfolio für einen der größten Fondsanbieter der Welt, bevor er im Jahr 2006 mit zwei Ex-Kollegen seine eigene Investmentboutique namens Pensato Capital gründete, so die Experten von "FONDS professionell".

Deren Fonds hätten gut performt, doch Clapp habe feststellen müssen, dass man als Eigentümer einer Fondsboutique einen nicht unwesentlichen Teil der Arbeitszeit organisatorischen Aufgaben widmen müsse. Darum hätten Clapp und seine Partner Pensato Capital Ende 2017 an die britische Gesellschaft RWC Partners verkauft. Nun könne er sich wieder ausschließlich auf das Management europäischer Aktien sowohl auf Long-only-Basis als auch in Form von Long/Short-Fonds konzentrieren.

"Die eindeutigen Vorteile in einem Haus wie Fidelity bestehen darin, dass man als Fondsmanager nicht nur auf eine Vielzahl von Research- und Analyseressourcen zurückgreifen kann, sondern auch einen sehr leichten Zugang zu den Unternehmen hat, in die man investiert", resümiere Clapp im Interview mit "FONDS professionell", das in voller Länge in Ausgabe 3/2018 erscheine, die den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt werde.

"Wenn man dann wie in meinem Fall am Ende mehr als 20 Milliarden US-Dollar in nur einem Fonds managt, steigen zum einen die Erwartungen, die an die Person des verantwortlichen Fondsmanagers gestellt werden. Zum anderen wird es zu einer echten Herausforderung, wenn man vor allem in Mid-Caps investieren möchte, weil man dort die größten Chancen sieht", so Clapp weiter. "Am anderen Ende des Spektrums, also als Einzelkämpfer im eigenen Unternehmen, hat man natürlich niemanden zu fragen, man trägt aber die Verantwortung nicht nur für die eigene Fondsperformance, sondern auch für alles, was mit der Führung und der Verwaltung des Unternehmens zusammenhängt."

Nun, bei RWC Partners, fühle sich Clapp offensichtlich wohl: "Ich leite hier gemeinsam mit meinen beiden Gründungspartnern von Pensato ein ganzes Investmentteam für Aktien, und noch immer schreibt mir keiner vor, in welche Unternehmen ich investieren soll und in welche nicht oder wie hoch meine Sektorgewichtung sein soll und welche Analysten ich beauftragen darf." Gleichzeitig müsse er sich nicht mehr wie bei Pensato um das operative Geschäft der Fondsgesellschaft und rechtliche Fragen oder um Personal- und Buchhaltungsaspekte kümmern. "Der wesentliche Vorteil hier bei RWC Partners besteht darin, dass ich mich nur noch um ein möglichst gutes Management meiner Fonds kümmern muss."

Die wesentlichen Elemente seiner Anlagephilosophie seien über all die Jahre die gleichen geblieben, betone Clapp. "Im Hintergrund steht immer die grundsätzliche Frage, wie ein Unternehmen sein Geld verdient und was die Schlüsseltreiber für seine Profitabilität in der Zukunft sein werden. Hinzu kommt die Betrachtung möglicher Szenarien, die seine künftige Entwicklung positiv oder negativ beeinflussen könnten."

Mit dem Fidelity European Growth Fund habe Clapp in rund 250 Unternehmen investiert. "Heute versuchen wir, beispielsweise in unserem Absolute-Return-Fonds jeweils rund 50 Long- und 50 Short-Positionen zu haben." Ein wesentlicher Vorteil sei, dass er sich heute sehr viel stärker auf die einzelnen Unternehmen konzentrieren könne, von denen er am stärksten überzeugt sei. "Mein Team und ich verbringen heute mehr Zeit mit der Suche nach Werten und Sektoren, in denen wir wirklich mehr Geld verdienen können. Gleichzeitig vergeuden wir keine Zeit in Sektoren, in denen die Erfolgsquote schon früher wesentlich schlechter war."

Anders als früher gebe es heute viel mehr Marktteilnehmer, die keinen traditionell fundamentalen Ansatz mehr verfolgen würden, habe Clapp beobachtet. "Heute dominieren immer häufiger Anlagestile, die sehr viel stärker vom Momentum oder von makroökonomischen Entwicklungen getrieben sind", sage er. Viele Fondsmanager hätten zudem von technischen Indikatoren getriebene Strategien verfolgt oder ihre Investments an den Korrelationen bestimmter Kennzahlen ausgerichtet. "Zum Teil wird dabei in ganze Körbe von Aktien investiert, statt sich auf einzelne ausgesuchte Werte zu konzentrieren. Das alles ändert zwar im Grunde nichts daran, dass auch heute Aktienkurse langfristig der fundamentalen Performance des betreffenden Unternehmens folgen. Die Aktienmärkte sind aber insgesamt sehr viel volatiler geworden."

Dies könne zu "erhebliche Verwerfungen" führen, die für seinen Anlagestil "problematisch sein können", so Clapp. "Selbst wenn unsere Analyse in Bezug auf die Über- oder Unterbewertung einer Aktie noch so gut ist, können wir nicht vorhersagen, wie lange eine solche Verwerfung in einem einzelnen Wert oder einer ganzen Branche andauern wird. In der Regel werden wir früher oder später dafür belohnt, dass wir richtig lagen. Aber es bedarf manchmal einer gehörigen Portion Geduld, bis sich eine richtig erkannte Chance tatsächlich materialisiert." (News vom 28.09.2018) (01.10.2018/fc/n/s)





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