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Franklin Templeton: Aktiv oder passiv - die Frage ist passé - ETF-News


03.07.18 13:24
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Glaubenskrieg zwischen den Anhängern aktiven Managements einerseits und Verfechtern von Indexstrategien andererseits verliert in der Praxis an Bedeutung, so die Experten von "FONDS professionell".

"Die Wahrnehmung von ETFs hat sich verändert. Die Debatte 'aktiv oder passiv' ist für unsere Kunden in den Hintergrund getreten", sage Caroline Baron, die seit März bei Franklin Templeton den ETF-Vertrieb in Europa, Nahost und Afrika verantworte, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Die meisten Anleger hätten sich vielmehr die Frage gestellt, welche Lösung für ihre Anlageziele die richtige sei. "In manchen Feldern mag das ein Indexinstrument sein, in anderen ein aktiver Fonds", so Baron.

Dementsprechend sehe sie keinen Widerspruch darin, dass ein Asset Manager mit langer, aktiver Tradition wie Franklin Templeton auch passive Investmentprodukte verkaufe. "Eine ETF-Palette ergänzt das bestehende Produktsortiment unseres Hauses. Ich sehe nicht die Gefahr, dass wir damit unser aktives Angebot kannibalisieren", so die Vertriebsleiterin. Der Anbieter sei im September 2017 in Europa mit vier ETFs gestartet. Die Gesellschaft konzentriere sich auf den Bereich der Smart-Beta-ETFs. Diese würden nicht anhand der Marktkapitalisierung, sondern nach alternativen Kriterien wie hohen Dividendenzahlungen zusammengesetzt.

Jüngst habe das Haus das Angebot erweitert und zwei aktiv gesteuerte Strategien im Mantel eines ETFs an der Börse Frankfurt notiert, eines auf kurzlaufende Euro-Anleihen und eines auf amerikanische Unternehmensbonds. "Auch bei unseren aktiven ETFs handelt es sich um noch recht indexnahe Produkte", erläutere Baron, die zuvor bei INVESCO Powershares und der BlackRock-Tochter iShares gearbeitet habe. "Die aktiven Strategien unseres Hauses bewegen sich meist jedoch weit von ihrer Benchmark weg." Franklin Templeton habe aktive ETFs in den USA bereits platziert.

Diese Spielart sei ein vergleichsweise neues und noch kleines Feld. "Erst ein Prozent des in ETF verwalteten Vermögens entfällt auf diesen Bereich. Doch dieses erscheint besonders wachstumsträchtig", erkläre die Managerin die Strategie. Ein Grund für die noch geringe Verbreitung aktiver ETFs sei auch die geforderte Transparenz. Das Portfolio müsse aktuell veröffentlicht werden - diesen Grad der Transparenz würden viele aktive Manager scheuen. Sie würden fürchten, Konkurrenten, Nachahmern und Arbitrage-Jägern zu tiefe Einblicke zu gewähren. "Für unsere Portfoliomanager ist die tägliche Transparenz kein Problem. Wir bewegen uns mit unseren neuen Fonds in äußerst liquiden Märkten", sage die Sales-Frau. Zudem seien die Strategien zu komplex, um sie einfach abkupfern zu können.

Mit seinen neuen, aktiven ETFs passe sich Franklin Templeton an die geänderte Kundennachfrage an. "Unsere aktiven ETFs sind für Investoren gedacht, die eine Alternative zu den Erträgen aus herkömmlichen Indizes suchen", erläutere Baron. Angesichts der nach wie vor geringen Renditen an den Rentenmärkten und den zunehmenden Schwankungen an den Aktienbörsen würden immer mehr Stimmen mahnen, dass rein passive Investments Anleger nicht mehr glücklich machen würden. "Unsere Portfoliomanager suchen abseits der Vorgaben der Benchmark nach Erträgen - und finden diese auch", argumentiere Baron.

Sogar beim Segment der Smart-Beta-Strategien bröckele der Schein als universeller Heilsbringer. Mit dem Verweis auf das finanzwissenschaftliche Fundament seien insbesondere Faktor-Strategien vielfach verkauft worden. Diese würden darauf abzielen, dass bestimmte Merkmale wie die Finanzstärke eines Unternehmens oder die geringe Schwankungsanfälligkeit einer Aktie regelmäßige Risikoprämien einspielen würden. "Allerdings stellt sich nunmehr in der Praxis heraus, dass manche dieser Faktoren nicht immer den erhofften Mehrwert liefern", erläutere Baron. Auch hier komme es mitunter auf das Timing an, was jedoch ungemein schwer falle. "Daher wächst die Nachfrage nach Produkten, die mehrere Faktoren kombinieren", berichte die Managerin.

Das ETF-Team von Franklin Templeton sei schon bei der Auflage der ersten Produkte diesem Wunsch nachgekommen. "Wir konzentrierten uns auf zwei Faktoren, die uns am validesten erschienen und deren Performance erwiesen ist: Value und Qualität." Diese habe das Team noch um die Faktoren Momentum und geringe Volatilität ergänzt. "Der Schwerpunkt mit 50 Prozent liegt aber auf Value - was auch der Investmentphilosophie und Tradition von Franklin Templeton entspricht", so Baron.

Mit dem Angebot an Smart-Beta- und aktiven ETFs positioniere sich die Gesellschaft auch für eine wachsende Nachfrage aus dem Wohlesale-Bereich. "Wir bereiten uns mit dem ETF-Angebot auf einen Wandel in der Anlageberatung vor, den die Regulierung eingeleitet hat", erläutere Peter Stowasser, Leiter des Retailvertriebs in Deutschland bei Franklin Templeton.

Mit der Finanzmarktrichtlinie Mifid II seien die Kosten eines Investments in den Fokus gerückt. Beobachter würden damit rechnen, dass zum einen in der Beratung Honorarmodelle stärker Anklang finden würden. Zum anderen ändere sich aber auch die Produktwelt. "Die Nachfrage nach günstigen, einfachen Anlagelösungen dürfte steigen", folgere Stowasser. "Bei dem Gros der freien Berater mögen ETFs als Instrument zwar eher erst mittel- bis langfristig auf Interesse stoßen. Bei Vermögensverwaltern hingegen dürfte das schon früher der Fall sein, da hier pauschale Vergütungsmodelle bereits verbreitet sind", so Stowasser. (News vom 02.07.2018) (03.07.2018/fc/n/e)