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Fondsbarometer: Ernüchternde Halbjahresbilanz - Fondsnews


04.07.18 12:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Juni brachte bei Aktienfonds wenig Veränderung, tendenziell überwogen die Verluste - und seit Jahresbeginn bilanzieren Aktienfonds im Durchschnitt negativ, zeigt das aktuelle FONDS professionell Fondsbarometer, so die Experten von "FONDS professionell".

Dass Australien-Fonds dieses Ranking anführen würden, sei seit Start dieses Monatsberichts im Juli 2014 noch nie vorgekommen. Allerdings liege dies nicht daran, dass die Investoren Down Under zu ihrem neuen Liebling erkoren hätten, sondern vielmehr daran, dass australische Aktien zuletzt von Kursrückgängen verschont geblieben seien.

Während die seit Anfang April erzielten Kursgewinne beim DAX oder S&P 500 inzwischen verloren seien, habe sich der ASX200 Index der Börse Sydney zuletzt halten beziehungsweise im Juni mehr als drei Prozent gegen den internationalen Trend zulegen können. Eine wirklich plausible Erklärung dafür liege nicht vor, denn eigentlich müsste Australien angesichts der wirtschaftlichen Eintrübung beim wichtigsten Handelspartner China eher schwächeln.

Tim Baker, Anlagestrategen der Deutsche Bank, vermute, dass Australien aktuell von einem Safe-Haven-Effekt profitiere. Vergleiche man die Volatilität der Börse Sydney mit jener der wichtigsten anderen internationalen Aktienmärkte, zeige sich, dass australische Aktien seit den frühen 1990er Jahren signifikant geringere Schwankungen aufweisen würden. Dies liege auch daran, dass der ASX200 Index mit einem Anteil von rund 30 Prozent mehr defensive Titel enthalte als die führenden asiatischen Börsen, für die der Vergleichswert bei etwa 20 Prozent liege.

Allzu große Hoffnungen, dass man sich in Australien vor einer schärferen internationalen Aktienkorrektur "verstecken" könnte, sollte man sich allerdings nicht machen. Ein Blick auf die Baisse des Jahres 2008 zeige, dass auch australische Aktien in der Spitze in etwas die Hälfte an Wert eingebüßt hätten und sich auch in der anschließenden Erholung nicht schneller erholt hätten als DAX & Co.

Insgesamt hätten nur zehn von 57 Regionen und Branchen den Juni mit einem Plus beendet, der Rest der Aktienwelt sei billiger geworden, wobei auch extreme Ausschläge nach unten ausgeblieben seien. Das Schlusslicht habe diesmal Thailand gebildet. Damit habe sich die seit Monaten währende Schwächetendenz des südostasiatischen Marktes beschleunigt, der noch während der Februar-Turbulenzen an den Börsen durch seine Stabilität aufgefallen sei.

Die Schwäche der Emerging Markets sei zuletzt von China ausgegangen, betroffen seien davon die Fondsgruppen "China", "Großchina", "Asien ohne Japan", "Korea" und "Südostasien" gewesen. Als Ursache dieser China-Baisse sei unschwer der von der Administration Trump initiierte Handelskrieg auszumachen.

Die Liste der Produkte "Made in China", auf die nun in den USA höhere Zölle eingehoben würden, wachse weiter. Und da nun auch China US-Herstellern den Marktzugang erschwere, sei kurzfristig keine Entspannung in Sicht.

Wie ein Blick auf die Halbjahresbilanz der 57 vom Fondsbarometer erfassten Regionen und Branchen zeige, sei 2018 bisher für Aktienfondsbesitzer kein gutes Jahr gewesen. Im Durchschnitt hätten die beobachteten Fonds rund 2,4 Prozent an Wert eingebüßt. Auch die Fondsgruppe "Welt", also Produkte, die global investieren würden, habe seit Jahresbeginn 1,54 Prozent verloren.

18 Kategorien hätten seit 1. Januar Verluste vermeiden können, wobei nur die Sparte "Technologie" mehr als fünf Prozent Wertzuwachs verbucht habe. Der steigende Ölpreis habe die Halbjahresbilanz der "Russland-Fonds" sowie jener Unternehmen gerettet, die von "Energie-Fonds" gekauft würden. Unter den Top 10 im Sechsmonatsrückblick finde man auch Italien und Spanien, was angesichts der schwachen Langzeitperformance von Fonds, die in diesen Ländern investieren würden, allerdings nur ein schwacher Trost für betroffene Anleger sein dürfte.

Was die Aussichten für die zweite Jahreshälfte betreffe, würden derzeit die skeptischen Stimmen überwiegen. Konjunkturdaten für Europa und China würden tendenziell schwächer, die Stimmungsindikatoren würden sich verschlechtern, und die Impulse von Seiten der EZB würden ihrem Ende entgegengehen. Oberflächlich betrachtet gebe es also derzeit wenig Anlass zu Optimismus. Allerdings sei dies auch schon in der Vergangenheit oft der Fall gewesen - man dürfe daher nicht übersehen, dass an den Finanzmärkten positive Überraschungen keineswegs seltener als negative.

FONDS professionell bringe seit Juli 2014 monatlich das FONDS professionell Fondsbarometer - eine Performanceübersicht der FIAP-Aktienfonds-Indices gereiht nach ihrer Monatsperformance. Daraus werde ersichtlich, welche Fonds gerade "Rückenwind" hätten und welche unter Kursverlusten leiden würden. Damit daraus eine brauchbare Information werde, zeige die Darstellung auch, wie diese Fondskategorien (Länder, Regionen, Branchen und Themen) über andere Zeiträume abgeschnitten hätten - 1 Monat, 3 Monate, 6 Monate, 1 Jahr, 3 Jahre sowie über 5 und 10 Jahre. Die jeweils zehn stärksten und zehn schwächsten Ergebnisse seien farblich hervorgehoben.

Das nächste Fondsbarometer erscheine Anfang August. (04.07.2018/fc/n/s)