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Fidelity pusht Direktgeschäft mit digitaler Vermögensverwaltung - Fondsnews


11.10.18 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Fidelity International bietet seit diesem Mittwoch eine Online-Vermögensverwaltung in Deutschland an, so die Experten von "FONDS professionell".

Auf der "Fidelity Wealth Expert" genannten Plattform würden Anleger eine digitale Beratungsstrecke mit rund 30 Fragen finden, mit der die Risikobereitschaft und die Ziele des Kunden ermittelt würden. Basierend auf diesem Profil würden sie ein individuelles, aktiv gemanagtes Portfolio erhalten, dessen Komponenten größtenteils von externen Managern verwaltet würden.

Fidelity-Deutschlandchef Alexander Leisten habe auf einer Pressekonferenz in Frankfurt drei Gründe für die Einführung des neuen Angebots genannt. Erstens würden sich wegen der zunehmenden Regulierung immer mehr Banken und Finanzdienstleister aus der Anlageberatung zurückziehen. Zweitens sei ein verändertes Verbraucherverhalten zu beobachten: "Den Kunden sind zunehmend digitale, intuitive Angebote wichtig, die schnell und mobil abgeschlossen werden können", habe er gesagt. Als dritten Grund habe Leisten sozioökonomische Trends genannt: Zum einen stehe ein großer Vermögenstransfer auf die nächste Generation an, zum anderen gelte es, die immer größer werdende Rentenlücke zu schließen.

Der Asset Manager aus Kronberg bei Frankfurt möchte sich in drei Punkten von den Wettbewerbern im Markt für Robo-Advice abheben: Die Beratungsstrecke sei erstens vollreguliert, es handele sich also nicht um unverbindliche Empfehlungen wie auf einigen anderen Plattformen. Ein Unterscheidungskriterium solle zweitens die Möglichkeit darstellen, während des "Onboarding"- und Anlageprozesses per Telefon Kontakt mit dem Kundenservice von Fidelity aufzunehmen. Besonders wichtig sei Leisten aber der dritte Punkt: Das aktive Management. "Wir sind seit 50 Jahren als Vermögensverwalter tätig und haben uns eine entsprechende Reputation aufgebaut", betone er.

Leisten spreche von "aktivem Management auf vier Ebenen": Mit der strategischen Asset-Allokation würden die Fidelity-Experten die generelle Anlagestrategie für sieben Musterportfolios festlegen. An zweiter Stelle komme die Selektion der besten Manager für die verschiedenen Regionen, Branchen und Anlageklassen. Die zugrundeliegenden Investmentstrategien würden ebenfalls aktiv verwaltet - Fidelity verzichte bewusst auf eine passive Indexabbildung via ETFs. Die Kombination aus individuellem Risikoprofil und Fondsarchitektur münde dann in individuelle Portfolios, die täglich überprüft und bei Bedarf nachjustiert würden - nach Leistens Lesart sei das der vierte Aspekt des aktiven Managements.

Für ein aktives Asset Management sei das Fidelity-Angebot vergleichsweise günstig: Die jährliche Pauschale für die Vermögensverwaltung inklusive Depotführung und Mehrwertsteuer liege bei 0,55 Prozent. Hinzu würden die Fondskosten von durchschnittlich 0,58 bis 0,68 Prozent pro Jahr kommen. Die Mindestanlagesumme betrage 10.000 Euro. Sparraten seien ab 250 Euro im Monat möglich.

Interessant sei, dass Fidelity einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren vorschlage. Kunden, die ihr Geld kürzer investieren wollten, würden abgelehnt. Lasse das Unternehmen damit nicht potenzielles Geschäft liegen? "Zehn Jahre sind unserer Auffassung nach eine sinnvolle Perspektive für eine Vermögensverwaltung", sage Leisten. Auch mit Blick auf die Performance-Chancen, die auf Basis von 1.000 Kapitalmarktszenarien berechnet würden, kommuniziere sein Haus bewusst vorsichtig. "Wir möchten transparent darlegen, was der Anleger realistisch erwarten kann, und nicht leichtfertig Illusionen wecken", so Leisten.

Als offizieller Vermögensverwalter diene die konzerneigene Fondsbank FFB. Gemanagt würden die Portfolios vom Londoner Multi-Asset-Team des Fondsanbieters, das rund 38 Milliarden Euro für Kunden aus aller Welt verwalte. In London sei auch das Portal entwickelt worden, mit inhaltlicher Unterstützung aus Kronberg.

Deutschland sei der erste Markt in Europa, in dem Fidelity seine digitale Vermögensverwaltung ausrolle. Laufe das Projekt gut an, dürften weitere Länder folgen. Konkrete Absatzziele nenne Leisten nicht. Das gleiche gelte für die Kosten, die für die Entwicklung der Plattform angefallen seien.

Dass die Wahl für das Pilotprojekt auf Deutschland gefallen sei, dürfte unter anderem damit zu erklären sein, dass Fidelity hierzulande bereits seit vielen Jahren ein Direktgeschäft mit Endkunden betreibe - anders als die meisten anderen Fondsanbieter. Das entsprechende Team in Kronberg umfasse 25 Mitarbeiter, zehn davon seien im Telefon-Service beschäftigt.

Bislang habe Fidelity im Direktgeschäft allerdings ausschließlich Selbstentscheider angesprochen, also nur Anleger, die bewusst auf Beratung verzichten und ihre Fonds selbst auswählen würden. Neben diesen "Execution Only"-Bereich trete nun die Vermögensverwaltung, bei der Anleger die Investmententscheidungen an Fidelity delegieren würden. Die Kundschaft habe den Wunsch nach einem entsprechenden Angebot geäußert, so Leisten.

Der Ausbau des Direktgeschäfts könnte bei etablierten Vertriebspartnern die Angst schüren, Fidelity wildere im eigenen Revier. Diese Sorge versuche Leisten jedoch zu nehmen: "Wir werden kein Geschäft gegen einen Vertriebspartner positionieren", betone er. "Wir wenden uns mit Fidelity Wealth Expert ausschließlich an Kunden, die sagen, dass sie nicht die Unterstützung eines persönlichen Finanzberaters in Anspruch nehmen möchten."

Äußere ein potenzieller Kunde den Wunsch nach einer individuellen Betreuung, werde Fidelity ihn an einen unabhängigen Berater verweisen, verspreche Leisten. Andererseits sei es für sein Unternehmen auch keine Lösung, auf das Angebot einer digitalen Vermögensverwaltung zu verzichten. "Wir müssen dieser Nachfrage Rechnung tragen", sage Leisten.

Fidelity möchte die digitale Vermögensverwaltung außerdem nicht nur selbst nutzen, sondern auch Vertriebspartnern anbieten. "Das B2B-Geschäft ist definitiv ein Thema für uns", habe Leisten gesagt. Die Kooperation mit einem großen Vertriebspartner stehe kurz vor dem Abschluss, weitere Gespräche liefen. (11.10.2018/fc/n/s)