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Es kann nur einen geben: Janus Henderson spart sich einen Chef - Fondsnews


01.08.18 14:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die frisch fusionierte Fondsgesellschaft Janus Henderson löst ihre Doppelspitze auf, so die Experten von "FONDS professionell".

Künftig werde der ehemalige Janus-Chef Dick Weil alleine das vereinte Unternehmen lenken. Der frühere Henderson-Steuermann Andrew Formica hingegen werde seinen Posten als Co-Chef mit sofortiger Wirkung niederlegen. Er stehe dem Unternehmen aber noch bis Ende des Jahres beratend zur Seite, heiße es in einer Mitteilung.

"Nachdem die Integration deutlich vorangeschritten ist, entschied der Aufsichtsrat, dass die Doppelspitze ihre Ziele erreicht hat und es nun Zeit ist, Janus Henderson wieder von einem einzigen Vorstandschef führen zu lassen", habe Richard Gillingwater, Aufsichtsratschef des Asset Managers gesagt, dessen Aktien an den Börsen von London, New York und Sydney gelistet seien. Nach dem Zusammenschluss verwalte der Anbieter weltweit ein Vermögen von rund 370 Milliarden Dollar. Die Aktie habe im Londoner Handel am Vormittag mit einem Plus von mehr als 1,8 Prozent bei rund 31,70 US-Dollar notiert.

Die Auflösung der Doppelspitze komme früher als erwartet. Im vergangenen Jahr sei noch die Rede davon gewesen, dass die Co-Chefs "zwei bis drei Jahre" weiter zusammen regieren und die Integration der beiden Häuser zum Abschluss bringen sollten. Klar sei aber auch gewesen, dass die Doppelbesetzung keine Dauerlösung sei. "Die Doppelspitze ist für den Anfang sinnvoll. Doch das Unternehmen hat stets klargestellt, dass diese nicht auf Ewigkeit angelegt ist", habe Deutschlandchefin Daniela Brogt Anfang des Jahres im Interview mit FONDS professionell ONLINE gesagt. Bei einem anderen fusionierten Asset Manager, Standard Life Aberdeen, würden die Co-Chefs Martin Gilbert und Keith Skeoch hingegen propagieren, dass sie den Konzern "noch lange" gemeinsam lenken möchten.

Die Entscheidung für einen der beiden Köpfe sei bei Janus Henderson nicht leicht gefallen, da beide Kandidaten "hoch qualifiziert" seien, heiße es in der Mitteilung weiter. Der Auswahlprozess habe Monate gedauert und externe Berater seien hinzugezogen worden. Weil sei jedoch der geeignetste Kandidat gewesen, um Janus Henderson "auf eine neue Ebene zu heben". Er bringe viele Fähigkeiten und Erfahrung aus seinen früheren Posten mit, wo er Unternehmen durch "Phasen der Herausforderung und des Wandels" gelenkt habe. Weil sei im Zuge der Fusion von Denver nach London umgezogen. Bevor er 2010 an die Spitze von Janus gerückt sei, habe er bei der Allianz-Tochter Pimco gearbeitet.

Formica wiederum habe wenige Wochen nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 die Führung bei Henderson übernommen. Seither habe er sich einen Ruf als reger Dealmaker erworben. So habe der Australier die Übernahme der Investmenthäuser New Star und Gartmore durch Henderson eingefädelt. Der Aufsichtsrat von Janus Henderson habe mitgeteilt, dass das Unternehmen für seine Abfindung eine Rückstellung in Höhe von rund zwölf Millionen US-Dollar bilden werde. Formica habe 2017 eine Vergütung von 7,6 Millionen Dollar, Weil von neun Millionen Dollar erhalten.

Zudem werde der weltweite Vertriebschef Phil Wagstaff eine "Karriere-Pause" einlegen, wie das Unternehmen weiter mitgeteilt habe. Dies sei nun "genau die richtige Zeit" dafür, da die Integration deutlich vorangekommen und die Vertriebsteams nun gut aufgestellt seien. Wagstaff werde in den nächsten sechs Monaten noch eng mit Weil kooperieren, um einen geschmeidigen Übergang sicherzustellen. In der Heftausgabe 2/2018 von FONDS professionell habe Wagstaff zusammen mit Deutschland-Chefin Brogt noch seine Pläne für das vereinte Haus erläutert.

Zudem habe das Haus noch Zahlen für das zweite Quartal verkündet. Umsatz und operativen Gewinn habe das Haus gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres leicht steigern können. Auch auf Halbjahressicht seien die Kennziffern gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum angestiegen, wenn man die Ergebnisse beider Unternehmen für den Vergleich zusammenrechne.

Allerdings hätten Anleger im zweiten Quartal 2,7 Milliarden Dollar aus den Fonds des vereinten Hauses abgezogen. Im ersten Quartal sei der Abfluss genauso hoch gewesen. Über das ganze Jahr 2017 hätten Janus Henderson zusammengenommen ein Nettomittelabfluss in Höhe von 10,2 Milliarden Dollar erlitten, 2016 seien es 8,4 Milliarden Dollar gewesen. (01.08.2018/fc/n/p)