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Es gibt gute Gründe, einen Fonds zu verkaufen - und drei schlechte - Fondsnews


08.07.21 11:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - An den Finanzmärkten läuft es dieser Tage hervorragend, so die Experten von "FONDS professionell".

Damit hätten all jene Anleger, die im März 2020 panisch aus dem Markt geflüchtet seien, wohl nicht gerechnet. Im Monat des Corona-Crashs hätten langfristig ausgerichtete Fonds in Europa nach Schätzungen von Morningstar Abflüsse in Höhe von 246 Milliarden Euro erlitten - ein Negativrekord, der sogar den Kapitalschwund während der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 in den Schatten stelle. Belastbare Gründe für die Anleger-Flucht habe es augenscheinlich keine gegeben, sage Morningstar-Experte Valerio Baselli.

Wenn sich ein Fonds über längere Zeit hinweg unterdurchschnittlich entwickele oder in einem Zeitraum, in dem er aufgrund der ihm zugrundeliegenden Strategie eigentlich hätte durchstarten müssen, dann könne man ihn in der Regel guten Gewissens verkaufen, sage Baselli. Auch, wenn man bewusst einen risikoarmen Fonds gewählt habe, dieser aber in Bärenmärkten stärker verliere als seine unmittelbaren Wettbewerber, sollte man einen Abschied überdenken. Oder einfach dann, wenn sich herausstelle, dass ein Fonds doch nicht so gut ins eigene Portfolio passe wie gedacht. Was hingegen keine guten Gründe für einen Verkauf seien: Eine schwache Kurzfrist-Performance, eine schwankende Wertentwicklung und makroökonomische Nachrichten.

Jedem Fondsmanager könne es passieren, dass er phasenweise schlechte Ergebnisse liefere. "Die meisten Fonds, insbesondere diejenigen, die wirklich aktive Strategien verfolgen, bleiben bisweilen hinter ihren Konkurrenten zurück", sage Baselli. "Dafür gibt es oft sehr gute Gründe, die manchmal einige Jahre oder länger anhalten." So würden zum Beispiel defensiv ausgerichtete Fonds ihren offensiven Pendants während einer Marktrally naturgemäß hinterherhinken. Kein Grund, sie aus dem Depot zu werfen, wenn man sie aus strategischen Überlegungen heraus gekauft habe.

Eine volatile Wertentwicklung könne Anleger nervös machen, sollte aber ebenfalls nicht dazu führen, dass hektisch der Verkaufsbutton gedrückt werde. Nur eine Handvoll Fonds schaffe es, Jahr für Jahr konstante Renditen zu erzielen, erkläre Baselli. Investoren sollten nicht vergessen, dass ein Kalenderjahr letztlich ein willkürlich festgelegter Zeitraum sei. Lege man einen anderen zeitlichen Maßstab an, präsentiere sich die Fondsperformance womöglich weniger schwankungsreich.

Ein weiterer miserabler Grund für einen Fondsverkauf seien makroökonomische News, etwa zur Zinsentwicklung, zu den Inflationsraten oder zur Konjunktur in China. "Zu dem Zeitpunkt, an dem eine Nachricht ihren Weg in die Schlagzeilen findet, haben andere Marktteilnehmer sie bereits verdaut und eingepreist", erkläre der Morningstar-Experte. Privatinvestoren ohne Zugang zu Top-Quellen seien in der Regel zu spät dran. Statt Fonds überhastet zu verkaufen, sollten sie lieber auf die Qualität und die Gesamtkosten ihrer Anlage achten, rate Baselli. (08.07.2021/fc/n/s)