Erweiterte Funktionen

Erfolgsfaktoren in Fußball und Asset Management


08.06.21 16:00
Aberdeen Standard Investment

London (www.fondscheck.de) - Am kommenden Freitag beginnt die Fußball-Europameisterschaft, so die Experten von Aberdeen Standard Investments.

Aus diesem Anlass hätten sich Ben Ritchie, Head of European Equities, und Jamie Mills O'Brien, Investment Manager bei Aberdeen Standard Investments einmal Gedanken gemacht, inwiefern sich wichtige Erfolgsfaktoren im Fußball auch auf das Asset Management übertragen lassen würden - mit einem besonderen Augenmerk auf die europäischen Player am Aktienmarkt:

"Fußball spielen ist sehr simpel, aber simplen Fußball zu spielen, ist das Schwierigste überhaupt." Johan Cruyff

"Investieren ist simpel, aber nicht einfach." Warren Buffett

Auch wenn dies nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein möge, hätten die Investorenlegende und die Trainerlegende vieles gemeinsam - Integrität, Authentizität und eine lange Liste von Erfolgen. Warren Buffetts Aussprüche würden den meisten Anlegern geläufig sein, doch kurz vor der Fußball-Europameisterschaft solle es hier um Johan Cruyffs Worte gehen. Schließlich habe er nicht nur als Aktiver auf dem Platz den Ruf eines Fußballgotts genossen. Sein Verdienst sei es auch gewesen, dass er Barcelona zu einer der Top-Adressen im europäischen Vereinsfußball gemacht habe. Was könne man daraus lernen?

Jeder erfolgreiche Trainer müsse die richtigen Grundlagen schaffen. Eine von Cruyffs größten Leistungen in Barcelona sei gewesen, dass er die Trainingsakademie und die Nachwuchsarbeit des Vereins radikal erneuert habe. Unter seiner Leitung habe der Verein seinen Ansatz geändert: Anstatt Spieler aufgrund ihrer Größe und Physis auszuwählen, hätten fortan die technischen Fähigkeiten im Vordergrund gestanden. Lionel Messi sei ein Produkt dieses Wandels, und dies habe den Grundstein für den flexiblen, variablen Offensivfußball gelegt, der die folgenden 30 Jahre geprägt habe.

Auch Vermögensverwalter würden Grundlagen schaffen, die es ihnen ermöglichen würden, bei unterschiedlichsten Marktzyklen gute Ergebnisse zu erzielen. Für uns bedeutet dies robuste Anlageprozesse und wirksame Risikorahmen, so die Experten von Aberdeen Standard Investments. Um erfolgreich zu investieren, brauche man Ideen. Diese entwickeln wir aus gründlichen Analysen - und indem wir ein Umfeld schaffen, in dem die Weitergabe von Ideen und ein Peer Review mit einem Hauch von Individualität und individueller Qualität Hand in Hand gehen, so die Experten von Aberdeen Standard Investments.

Dazu zähle auch, dass Talente der Zukunft gefördert und weiterentwickelt würden. Und was bilde den Kern des Ganzen? Offene und beständige Kundenbeziehungen. Die Experten seien davon überzeugt, dass diese Faktoren zusammen die Grundlage für gute langfristige Ergebnisse bilden würden.

In der Vermögensverwaltung - wie im Fußball - würden die Beurteilungszeiträume von Jahr zu Jahr kürzer. Die Märkte seien immer besessener von den Gewinnen des nächsten Quartals. Der Fokus habe sich von langfristigem Wachstum auf kurzfristige Erträge verschoben. Der durchschnittliche Fondsumschlag habe sich erhöht, während gleichzeitig die durchschnittlichen Fondserträge gesunken seien. Die Experten seien davon überzeugt, dass eine solche kurzfristige Denk- und Handlungsweise dem Erfolg häufig im Wege stehen könne.

Die Experten von Aberdeen Standard Investments kommen noch einmal auf Johan Cruyff zurück. Sein FC Barcelona sei dreimal hintereinander (1991 bis 1993) mit weitgehend derselben Mannschaft spanischer Meister geworden. Er sei nicht hektisch geworden und habe keine Panikkäufe getätigt, als die Dinge nicht gut gelaufen seien, und habe auch keine so genannten "Jahrhunderttalente" nach nur einem guten Spiel verpflichtet. Was könne man für die Vermögensverwaltung daraus lernen? Die Fähigkeit, sich selbst treu zu bleiben, zahle sich aus und zeuge von besonderem Können.

Ein weiterer Aspekt eines erfolgreichen Managements sei die Bereitschaft, konträre Ansichten und Meinungen zu entwickeln, Risiken mit Augenmaß einzugehen und Dinge zu tun, die der Konkurrenz möglicherweise abwegig erscheinen würden. Dies könne bedeuten, stark von der Benchmark abzuweichen oder die eigenen besten Ideen mit reichlich Kapital umzusetzen. Mitunter erfordere dies auch Mut, um etwas, das der Markt als "Signal" bewerte, als "Lärm" einzustufen.

Johan Cruyff würde das auch so sehen. Als das 4-4-2 im Fußball praktisch das Maß aller Dinge gewesen sei, habe er auf 3-4-3 umgestellt - eine Aufstellung, die eher auf Offensive als auf Defensive ausgerichtet gewesen sei. Englands verlässlichen Torjäger Gary Lineker habe er zudem auf der Außenbahn aufgestellt. Die Fachwelt schrie auf - der Entschluss erschien lächerlich, so die Experten von Aberdeen Standard Investments. Doch die Ergebnisse hätten für sich gesprochen: Schließlich habe Lineker so das erste Tor im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1989 vorbereitet.

Kein internationales Turnier komme ohne Streit und Kontroversen aus. Man könne aber einiges unternehmen, um die Aufregung und den Ärger zu mindern. Tatsächlich würden die erfolgreichsten Vereine, Fußballteams und Unternehmen auf gute Führungsqualitäten setzen und alles tun, um ihre gemeinsamen Interessen umzusetzen - von der Führungsspitze bis zum Kunden oder Fan. Für uns bedeutet dies, Überlegungen rund um das Thema ESG - Umwelt, Soziales und Governance (Unternehmensführung) - in alle Bereiche und Phasen des Research, des Bewertungsprozesses und des Portfolioaufbaus zu integrieren. Dadurch können wir unseres Erachtens eine bessere, gerechtere und nachhaltigere Zukunft für unsere Kunden, Aktionäre und die Gesellschaft insgesamt schaffen, so die Experten von Aberdeen Standard Investments. Befürworter der europäischen Super League, aufgepasst!

Europa sei ein tiefer und vielfältiger Markt. Es biete ein breites Spektrum von strukturellen Themen, von der Vorreiterrolle beim "verantwortungsbewussten Kapitalismus" und beim Thema ESG bis hin zur Digitalisierung der Industrie. Mit Blick auf das alte Narrativ, dass Europa ein günstiger Markt sei, der vor strukturellen Herausforderungen stehe, wende sich das Blatt nun. Als aktive Vermögensverwalter haben wir die Möglichkeit, uns unter allen Unternehmen des gesamten Kontinents die Rosinen herauspicken zu können, so die Experten von Aberdeen Standard Investments. Das wahre Können bestehe jedoch darin, sie zu einem schlüssigen, schlagkräftigen Ganzen zusammenzufügen.

Doch zunächst einmal müssten die Experten hier Cruyff widersprechen. Denn er habe es vermieden, seine Verteidiger und Torhüter zu trainieren - einer seiner berühmten Aussprüche sei gewesen, dass er lieber 5:4 als 1:0 gewinne. Für Zuschauer möge dies zwar unterhaltsam sein, doch für den durchschnittlichen Anleger sei dies nach Ansicht der Experten etwas zu nervenaufreibend. Sie seien vielmehr davon überzeugt, dass robuste, zuverlässige Anlagen den Kern eines Portfolios bilden sollten. Das könne mitunter bedeuten, dass man in Unternehmen mit eher wenig Wachstumspotenzial, aber auch weniger volatilen Erträgen investiere. Sicher, übertragen auf den Fußball, seien von solchen "Spielern" nicht viele Tore zu erwarten, doch sie würden wohl auch nicht viele Gegentore zulassen. Basiskonsumgüterwerte wie Nestlé oder qualitativ hochwertige Pharmaunternehmen wie Novo Nordisk würden in dieses Profil passen.

Danach versuchen wir, diese unerschütterliche Defensive durch ein Mittelfeld aus kreativen, innovativen Akteuren zu ergänzen, so die Experten von Aberdeen Standard Investments. Von denen habe Europa viele zu bieten. Zum Beispiel das dänische Unternehmen Ørsted, einen Betreiber von Offshore-Windparks, oder Knorr-Bremse, einen Anbieter von umweltfreundlichen Technologien für den Verkehrssektor. Dassault und Nemetschek wiederum seien aktiv in der Digitalisierung der Industrie. Die Liste lasse sich beliebig fortführen.

Komme man nun zur Offensive, dem Stürmer. Eine Position mit veränderlichem Profil, die häufig missverstanden werde. Voraussetzungen für den Erfolg seien hierbei Vielseitigkeit und ein guter Torriecher. Gute Beispiele seien Spaniens Fernando Torres oder aktuell Polens Robert Lewandowski. In Europa gebe es viele Unternehmen mit ähnlichen Eigenschaften: Sie seien noch ziemlich jung, aber wachstumsstark und würden ihren großen Rivalen Marktanteile abjagen. Beispiele hierfür seien nach Erachten der Experten im immer auffälligeren Technologiesektor zu finden, darunter Adyen, ein Anbieter von digitalen Zahlungslösungen für Unternehmen, oder auch Prosus, eine Beteiligungsgesellschaft, die in Internet-Unternehmen investiere.

Das sei nun also Fondsmanagement nach Art von Johan Cruyff. Doch so kurz vor dem Beginn des Turniers sollte man vielleicht zum Schluss noch einmal Gary Lineker zu Wort kommen lassen: "Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen." (08.06.2021/fc/n/s)