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ETF stellt S&P-500-Gewichtung auf den Kopf - ETF-News


03.11.17 12:29
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Grundidee des ETFs: Man kann den Markt nicht schlagen, indem man die Einzelwerte anders gewichtet, als dies im Index geschieht, daher baue man einfach den Index nach und lasse die Zeit für sich arbeiten, so die Experten von "FONDS professionell".

Das Konzept sei schlüssig und wenn die Indices - so wie derzeit - einige gute Jahre hinter sich hätten, lasse sich diese historische Rendite gut verkaufen.

Der Schönheitsfehler an der Idee: Wenn Aktien nur noch steigen würden, weil sie davor schon stark gestiegen seien, könne ihr Gewicht im Index ungesunde Ausmaße annehmen. Wer lange genug dabei sei, erinnere sich noch an die Zeit, als Nokia in den Jahren 1999 und 2000 das teuerste Unternehmen Europas gewesen sei und in etlichen Indices entsprechend schwer gewichtet worden sei. Heute sei das nur mehr eine Erinnerung, was nicht heiße, dass Nokia das letzte Unternehmen gewesen sei, dessen Höhenflug in einen langjährigen Absturz gemündet habe.

Der Reverse Cap Weighted US Large Cap ETF von Exponential ETFs sei ein Fonds, der versuche, genau dieser Problematik zu entgehen, in dem er seine Bestandteile umgekehrt proportional zur ihrer Indexgewichtung dimensioniere. Während also die Apple-Aktie im S&P 500-Index das größte Gewicht habe, sei sie in diesem ETF die kleinste Einzelposition. Unternehmen wie Navient Corporation, ein auf Studentenkredite spezialisierter Finanzdienstleister, oder der in Oklahoma ansässige Öl- und Gas-Explorer Chesapeake Energy Corporation, die am unteren Ende der S&P 500-Liste rangieren würden, würden hingegen sehr hoch gewichtet.

Wie Phil Bak, CEO des ETF-Anbieters dem US-Nachrichtenprotal "Marketwatch" erkläre, halte er die klassische Gewichtung bei Indexfonds für bedenklich, weil der Anleger bei genauerer Betrachtung ein vergleichsweise hoch konzentriertes Portfolio aus sehr großen Unternehmen kaufe. Apple nehme bei der gegenwärtigen Gewichtung von 3,89 Prozent des S&P 500 mehr Platz ein als die 100 kleinsten Index-Titel.

Ob es wirklich eine gute Idee sei, die Indexgewichtung exakt umzukehren, lasse sich nicht vorhersagen. Im Backtest schlage der Fonds den S&P 500 naturgemäß über die letzten zehn Jahre (10,35 vs. 7,44% p.a.), in den zurückliegenden zwölf Monaten sei er jedoch deutlich hinter seiner Benchmark geblieben (12,47 vs. 18,61%). Liquiditätssorgen müsse man sich trotz der höheren Gewichtung "kleiner" Unternehmen nicht machen, denn auch diese Titel würden Marktkapitalisierungen von mehr als 5 Milliarden US-Dollar aufweisen.

Eine weniger radikale Idee sei die Gleichgewichtung aller Indexwerte. Berechnungen aufgrund historischer Daten seien zu dem Ergebnis gekommen, dass ein so gewichteter ETF über lange Sicht nicht nur höhere Renditen gebracht habe als der konventionelle Index, sondern auch nach starken Marktrückschlägen rascher wieder Tritt gefasst habe. Während der S&P 500 zwischen 1989 und 2017 nach Bärenmärken (Indexverlust von mehr als 20 Prozent) im Durchschnitt 36 Monate benötigt habe, um sich zu erholen, liege der Vergleichswert für den gleich gewichteten Index bei elf Monaten.

Allerdings verlaufe die Wertentwicklung des gleich gewichteten Index auch schwankungsfreudiger. Während der klassische Index seit 1989 nur drei Mal mehr als 20 Prozent verloren habe, sei dies beim gleich gewichteten Index fünf Mal der Fall gewesen. Die Erklärung dafür sei die relative Höhergewichtung von Nebenwerten, die in der Vergangenheit zwar langfristig mehr Rendite gebracht, aber auch für mehr Volatilität gesorgt hätten. (03.11.2017/fc/n/e)