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Candriam-Initiative zu Gesichtserkennung: Schon 50 Unterzeichner - Fondsnews


08.06.21 12:00
Candriam

Brüssel (www.fondscheck.de) - Die "Facial Recognition Initiative" wird bereits von 50 internationalen Investoren unterstützt, so Candriam in der aktuellen Pressemitteilung. Näheres entnehmen Sie bitte dem Wortlaut der folgenden Pressemeldung:

Candriam, ein globaler, nachhaltiger Multi-Asset-Investmentmanager, der die Initiative ins Leben gerufen hat, freut sich, dass bereits 50 internationale Anleger, auf die über 3,7 Billionen Euro verwaltetes Vermögen entfallen, das "Investor Statement on Facial Recognition" unterzeichnet haben. Aviva Investors, Sycomore Asset Management, Domini Impact Investments und BMO Global Asset Management gehören zu den Anlageverwaltern und Vermögenseigentümern, die sich dazu verpflichtet haben.

Candriam startete die Initiative im März dieses Jahres, um die Risiken, der Produkte und Leistungen auf der Grundlage der Gesichtserkennungstechnologien (Facial Recognition Technology, FRT) anzusprechen. Die FRT-Initiative wurde von den Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UNPRI) begrüßt. Sie fordert Anleger auf, das Investor Statement on Facial Recognition[1] zu unterzeichnen und Candriam dabei zu unterstützen, den Dialog mit Unternehmen bezüglich ihrer FRT-Aktivitäten und ihrer Menschenrechtspolitik zu fördern. In den kommenden Monaten bildet das Investor Statement die Grundlage des Engagements mit Unternehmen im Rahmen eines informierten und konstruktiven kollaborativen Programms.

Die FRT-Technologien könnten in ihrer aktuellen Form den individuellen Anspruch auf Schutz der personenbezogenen Daten nicht erfüllen, weil die Personen, die überwacht werden, der Überwachung nicht zustimmen und die Überwachung auch nicht offiziell geregelt ist. Fehlidentifizierungen sind weitaus häufiger als angenommen, treten bei bestimmten ethnischen Gruppen systematischer auf und führten zur Verhaftung falscher Personen. Obwohl es keinen einheitlichen Rahmen in Bezug auf die Erfassung biometrischer Daten und deren Verwendung gibt, haben mehrere Städte und Bundestaaten in den USA den Einsatz der FRT verboten. Den weltweit ersten Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz hat die Europäische Kommission vorgelegt.[2] China veröffentlichte vor Kurzem einen Entwurf zur Regulierung der Sicherheitsanforderungen an die Gesichtserkennung[3].

Die Gesichtserkennung stellt nur eine relativ kleine Nische am Technologiemarkt dar, und amerikanische und chinesische Tech-Giganten haben ihre eigenen FRT-Produkte und -Leistungen entwickelt. Nun, da sie die Erfassung und Analyse der Daten zum Online-Verhalten ihrer Benutzer beherrschen, wenden sie sich der physischen Welt zu. Diese Unternehmen und ihre staatlichen oder privatwirtschaftlichen Kunden müssen sich vergewissern, dass die FRT ethisch korrekt entwickelt und eingesetzt werden und dass es weder an Regulierung noch an Aufsicht fehlt.

Im Rahmen ihres allgemeinen Engagement-Programms veröffentlichte Candriam Anfang des Jahres einen Leitfaden für Anleger. Er legt die Risiken und Chancen der FRT sowie die wesentlichen Faktoren dar, die der globalen Akzeptanz der FRT-Produkte zugrunde liegen.

Benjamin Chekroun, Proxy Voting and Engagement Analyst bei Candriam: "Gesichtserkennungstechnologien ändern unser Leben. Sie können Reputations-, Betriebs- und Finanzrisiken für Unternehmen darstellen und die Menschenrechte verletzen. Mehr als 50 Unterzeichner, auf die über 4,5 Bio. USD verwaltetes Vermögen entfallen, erkennen, dass sie kollektiv und kollaborativ mit Unternehmen arbeiten müssen, um dafür zu sorgen, dass diese Technologien verantwortungsvoll und dem Gesetz entsprechend eingesetzt werden. Das ist ermutigend!"

Louise Piffaut, Senior ESG Analyst, Aviva Investors: "Die zunehmende Verbreitung von Gesichtserkennungstechnologien haben Auswirkungen auf die Menschenrechte, denen die Unternehmen nicht umfassend Rechnung tragen. Unseres Erachtens müssen Anleger neben dem Gesetzgeber und unabhängigen Experten eingreifen, um zu gewährleisten, dass die Unternehmen sich an bewährte Praktiken halten. Da es immer mehr Belege dafür gibt, dass diese Technologien Auswirkungen auf die Gesellschaft haben könnten, insbesondere durch die Vertiefung rassistischer Vorurteile und die Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen, sollten Unternehmen ihre Prozesse offenlegen und zeigen, wie sie die Auswirkungen auf die Menschenrechte einschätzen und wie sie mit diesen Risiken umgehen."

Marie VALLAEYS, Analyste Spécialiste, Sycomore Asset Management: "Wir müssen unbedingt den Aufbau eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Technologiesektors unterstützen. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns als Anleger darauf, dass die Technologie verantwortungsbewusst entwickelt wird. Die Unterstützung dieses Statements passt genau in unser Konzept, da die Massenüberwachung und die Verarbeitung von Verhaltens- und biometrischen Daten wesentliche Risiken für die Menschenrechte bedeuten."

Corey Klemmer, Director of Engagement, Domini Impact Investments: "Die Technologie schreitet schneller voran als die Menschen - Unternehmen sind in der Lage, FRT und andere Technologien zur Überwachung und Erfassung biometrischer oder Verhaltensdaten für Zwecke einzuführen, von denen die meisten von uns noch nicht einmal geträumt haben. Ohne Prozesse, mit denen Probleme für die Menschenrechte erkannt und gelöst werden, gehen Unternehmen und Anleger weiterhin erhebliche regulatorische, rechtliche und Reputationsrisiken ein."

Rosa van den Beemt, VP, Responsible Investment Analyst, BMO Global Asset Management: "Die beschleunigte Einführung der Gesichtserkennungstechnologien zur Überwachung bringt die Menschenrechte in Gefahr. Rassistische Vorurteile, fehlende regulatorische Aufsicht und möglicher Missbrauch durch autoritäre Staaten wirken sich ungünstig auf Menschen aus, die bereits schutzlos sind. Damit Anleger ihre Verantwortung bezüglich der Menschenrechte übernehmen können, fordern wir Unternehmen auf, Risiken für die Menschenrechte im Zusammenhang mit ihren FRT-Produkten und -Leistungen proaktiv anzusprechen, offenzulegen, zu mindern und zu korrigieren." (08.06.2021/fc/n/s)