Unifonds-Manager: "Einiges an der Strategie geändert"


14.01.22 12:24
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Unifonds ist das älteste Portfolio im Sortiment des genossenschaftlichen Anbieters Union Investment, so die Experten von "FONDS professionell".

Die ersten Investmentfonds seien in Deutschland im Jahr 1950 auf den Markt gekommen. Mit dem Unifonds sei 1956 der erste Aktienfonds der hiesigen Genossenschaftsbanken gestartet. Die Strategie habe sich seit der Wirtschaftswunder-Zeit bis heute deutlich geändert. Wie es gelungen sei, den Fonds-Oldtimer fit für die Moderne zu machen, erläutere Fondsmanager Michael Muders von Union Investment.

Herr Muders, Sie lenken einen Fonds aus den 1950er Jahren. Wie halten Sie den Ansatz auf einem aktuellen Stand?

Michael Muders: Ich habe einiges an der Strategie geändert, seit ich den Fonds Anfang 2019 übernommen habe. Der Fonds wird jetzt sehr aktiv gemanagt, er weicht deutlich von der Benchmark ab und hat ein konzentriertes Portfolio mit weniger Titeln. Etliche Dax-Titel sind gar nicht mehr im Fonds enthalten. Der Fonds investiert jetzt auch stärker als früher in Nebenwerte, die nicht zur Benchmark gehören.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Investments aus?

Muders: Der wichtigste Performance-Treiber ist die Titelselektion. Die Auswahl der Aktien erfolgt anhand einer Bottom-up-Analyse. Dabei spielen natürlich Bilanzkennzahlen eine wichtige Rolle, ebenso die Management-Qualität. Zudem betrachten wir aus volkswirtschaftlicher Sicht, welche makroökonomischen Einflüsse eine Rolle spielen können. Zuletzt tritt noch eine technische Analyse hinzu, die Timing-Aspekte aufgreifen soll. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Bottom-up-Auswahl.

Achten Sie auf eine ausgewogene Aufteilung nach Sektoren?

Muders: Eine spezifische Branchensteuerung betreiben wir nicht, die Aufteilung ergibt sich aus der Aktienauswahl. Am Ende steht ein ausgewogenes Portfolio, das neben Wachstums- auch Value-Titel, also Substanzwerte enthalten soll.

Welche Sektoren nehmen ein Schwergewicht ein?

Muders: Derzeit lege ich einen Fokus auf zyklische Werte. Automobilwerte stehen wegen der Lieferkettenproblematik im Feuer, aber diese ist jetzt ausreichend in den Kursen berücksichtigt. Die deutschen Autohersteller sind mit ihren neuen Modellen genauso wettbewerbsfähig wie Tesla. Volkswagen wird nach Stückzahlen sogar zum weltweit größten Hersteller von Elektroautos aufsteigen. Ein weiterer Fokus liegt auf zinssensitiven Werten wie Versicherungen, die derzeit attraktiv bewertet sind und von höheren Inflationsraten profitieren können.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei ihrem Ansatz?

Muders: Wir äußern zu den Unternehmen dezidiert unsere Meinung - auch öffentlich. Wir sehen uns als wahrlich aktiven Investor, der über diesen Weg auch Einfluss auf die Entwicklung der Unternehmen im Portfolio nehmen kann, insbesondere hin zu mehr Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Welche weiteren Neuerungen erfuhr das Portfolio?

Muders: Früher war der Fonds meist voll investiert. Heute nutze ich eine gewisse Liquiditätssteuerung und fahre je nach Marktlage den Kasse-Anteil auf 10 bis 20 Prozent hoch. Über den Einsatz von Derivaten sichere ich bei Bedarf das Portfolio ab oder erhöhe den Investitionsgrad in bestimmten Phasen auch mal über 100 Prozent.

Wird der Fonds noch weitere Jahrzehnte bestehen können?

Muders: Die Benchmark-Orientierung hat deutlich abgenommen. Das macht sich in der Wertentwicklung bemerkbar - und wichtig ist, was nach Abzug der Kosten für die Anleger übrigbleibt. Ich sehe keinen Grund, warum der Fonds mit seiner Strategie nicht auch in Zukunft erfolgreich sein sollte.

Vielen Dank für das Gespräch. (News vom 13.01.2022) (14.01.2022/fc/n/s)





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