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So groß ist das Rein und Raus bei Fonds wirklich - Fondsnews


07.01.19 13:52
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Kaufen und liegen lassen - das Rezept einer erfolgreichen Geldanlage klingt so einfach, so die Experten von "FONDS professionell".

Wer vor 30 Jahren einen durchschnittlichen Deutschlandaktienfonds gekauft habe, habe heute ein Plus von 757,1 Prozent im Depot, zeige die jüngste Wertentwicklungsstatistik des BVI. Das entspreche einer jährlichen Rendite von 7,4 Prozent, trotz Dotcom-Crash und Lehman-Pleite.

Viele Anleger hätten anfangs sicherlich die Intention, ihren Fonds langfristig zu halten. Doch daraus werde häufig leider nichts. Ablesen lasse sich das beispielsweise an Zahlen der Bundesbank. Demnach hätten deutsche Publikumsfonds in den zwölf Monaten bis Ende September 2018 für fast 112 Milliarden Euro neue Anteilscheine ausgegeben. Unter dem Strich hätten sie aber nur knapp 20 Milliarden Euro eingesammelt, weil Anleger auf der anderen Seite auch Anteile im Wert von 92 Milliarden Euro abgestoßen hätten.

Ein solches Verhältnis sei eher die Regel. "FONDS professionell" habe alle Zwölf-Monatszeiträume seit März 1994 untersucht: Die deutschen Publikumsfonds hätten in jedem dieser Zeiträume brutto mindestens 80 Milliarden Euro eingesammelt, manchmal seien es annähernd 200 Milliarden Euro gewesen. Im Schnitt lägen die Zuflüsse bei brutto 133,7 Milliarden Euro. Doch weil Anleger durchschnittlich 116,4 Milliarden wieder abgezogen hätten, würden unter dem Strich nur 17,3 Milliarden Euro als Nettomittelzufluss im Jahr übrig bleiben.

Mit diesem Verhalten würden sich die Anleger oft doppelt schaden. Zum einen erweise sich ein hektisches Umschichten des Depots rückblickend in den meisten Fällen als unnötig, zum anderen verursache das dauernde Rein und Raus im Fonds hohe Transaktionskosten, die dem Sondervermögen angelastet würden - und damit allen Investoren.

Zahlen des europäischen Fondsverbands EFAMA würden Aussagen zu einzelnen Anlageklassen erlauben. Die Statistiken würden in beeindruckender Klarheit zeigen, dass das Rein und Raus insbesondere bei Aktienfonds am größten sei. In den Jahren 2007 bis 2017 hätten sie in den untersuchten Ländern brutto insgesamt 6,9 Billionen Euro eingesammelt - eine gigantische Summe. Ziehe man jedoch die Abflüsse ab, seien unter dem Strich nur 188 Milliarden Euro Zuflüsse geblieben. Die Branche habe in diesem Segment also 36,60 Euro einwerben müssen, um auf Dauer einen Euro behalten zu können.

Auch Rentenfonds würden eifrig umgeschichtet, hier seien je Euro Nettomittelaufkommen brutto 12,40 Euro Zufluss nötig. Deutlich besser sehe es bei gemischten Portfolios aus, hier liege der entsprechende Faktor nur bei 4,2. Brutto sei den Multi-Asset-Fonds europaweit in den vergangenen zehn Jahren zwar nur halb so viel Geld zugeflossen wie den Aktienportfolios. Netto hätten sie aber dennoch viermal so viele Mittel eingesammelt. Das leuchte auch ein, schließlich würden Mischfonds durchweg als langfristige Anlage vermarktet, während Aktien- und Rentenprodukte für viele Investoren nur Bausteine ihrer Asset-Allokation seien, die eher häufig als selten ausgetauscht würden. (07.01.2019/fc/n/s)