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Oliver Pfeil: "Klimaneutralität und hohe Dividenden gibt es oft im Doppelpack" - Fondsnews


06.01.22 13:43
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Kirchenfonds sind schon seit Jahrzehnten am Markt, so die Experten von "FONDS professionell".

Seit sich Nachhaltigkeit zum Megatrend entwickele, würden sie an Bedeutung gewinnen. Denn mit diesem Thema hätten sie Erfahrung. Die Fondstochter der Evangelischen Bank, die EB - Sustainable Investment Management (EB-SIM), habe bereits vor 30 Jahren einen nachhaltig investierenden Aktienfonds aufgelegt. Sieben weitere Fonds für Privatanleger seien bis Dezember 2021 gefolgt. Nun habe die EB-SIM mit dem "EB Dividendenstrategie Klima Global" (ISIN DE000A3C5CR8 / WKN A3C5CR) ein neues Sondervermögen herausgebracht. Seit dem 3. Januar sei der Fonds am Markt. Oliver Pfeil, Anlagechef der EB-SIM, erläutere im Interview mit FONDS professionell ONLINE, welche Ziele er verfolge.

Herr Pfeil, die EB-SIM startet das neue Jahr mit einem neuen Fonds. Der "EB Dividendenstrategie Klima Global" ist seit dem 3. Januar auf dem Markt. Was bietet das Produkt Anlegern?

Oliver Pfeil: Der EB Dividendenstrategie Klima Global ist ein weltweit anlegender Aktienfonds. Er investiert ausschließlich in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen, die starke Dividenden- sowie hohe Wachstumschancen bieten. Gleichzeitig steht der Fonds im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Eine Studie, die wir erstellt haben, hat gezeigt, dass dies eine sehr gute Kombination ist, die bei einer geschickten Titelauswahl zu einem attraktiven Portfolio führt. Wir konnten auch erkennen, dass es niedrige CO2-Intensität und hohe Dividendenausschüttungen bei vielen Unternehmen im Doppelpack gibt. Firmen, die eine niedrige CO2-Intensität aufweisen, sind häufig gleichzeitig sehr profitabel und zahlen entsprechend hohe Dividenden. Der "EB Dividendenstrategie Klima Global" macht sich das zunutze, indem er gezielt in Unternehmen investiert, die sich in beiden Feldern positiv hervortun.

Das sind interessante Studienergebnisse. Wie war die Untersuchung denn angelegt?

Pfeil: Für die Analyse wurden weltweit 9.225 Unternehmen untersucht und in fünf Quintile, basierend auf der CO2-Intensität, eingeteilt. Dabei zeigte sich, dass Unternehmen im untersten Quintil, in dem die Firmen mit der niedrigsten CO2-Intensität zusammengefasst waren, die höchste durchschnittliche Dividendenrendite aufwiesen. Analog dazu konnten die Unternehmen mit den geringsten absoluten CO2-Emissionen gleichzeitig das höchste Dividendenwachstum vorweisen. In einem weiteren Schritt haben wir rückwirkend für die vergangenen zehn Jahre ein Musterportfolio aus Unternehmen erstellt, die gleichzeitig eine geringe CO2-Intensität und eine hohe Dividendenrendite aufwiesen. Dabei kam heraus, dass das so zusammengestellte Portfolio pro Jahr eine um etwa 3,5 Prozent höhere Rendite erzielen konnte als ein globaler Aktienindex.

Können Sie bitte kurz den Prozess beschreiben, nach dem der neue Fonds investiert?

Pfeil: Ja, gern. Bei der Zusammenstellung des Anlageuniversums wendet die EB-SIM strenge Ausschlusskriterien an. So darf der Fonds nur in Unternehmen investieren, die keine deutlich negative Wirkung auf eines der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, kurz: SDGs, bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Nachhaltigkeitsbewertung aufweisen. Nach Anwendung dieses Filters bleiben etwa 1.200 Unternehmen übrig. Im nächsten Schritt untersucht das Fondsmanagementteam die verbleibenden Unternehmen hinsichtlich ihrer Kennzahlen, der Dividendenqualität, des Ratings sowie des Wachstumspotenzials. Zusätzlich berücksichtigen wir bei der Aktienauswahl unter anderem das Geschäftsmodell und die Marktpositionierung der Unternehmen.

Schließen Sie also Unternehmen aus bestimmten "schmutzigen" Industriezweigen, zum Beispiel Energieversorger, komplett aus?

Pfeil: Nein, es geht nicht darum, bestimmte Sektoren komplett auszuschließen. Wir versuchen stattdessen, in jedem Sektor die besten Werte zu finden. So fahren etwa die deutschen Versorger gerade massiv Investitionen hoch, um aus ihren traditionellen Energien auszusteigen. Da findet eine Transformation von 'schmutzigen' zu neuen Energieträgern statt. Das wollen wir auch belohnen. Wir wollen ganz bewusst keinen sektoralen oder regionalen Bias in den Fonds hineinbringen. Denn wir möchten ein diversifiziertes Portfolio haben, das idealerweise den bekannten Benefit von Dividendenprodukten bringt. Dazu gehören Ausgewogenheit und Widerstandsfähigkeit gerade in stark schwankenden Märkten.

Und auf welchen Sektoren und Regionen liegt der Fokus des Fonds?

Pfeil: Die größten Sektoren im Fonds sind IT mit knapp 21 Prozent vor Healthcare mit gut 16 Prozent und Finanzwerten mit 14 Prozent. Danach kommen Kommunikationstitel, die knapp elf Prozent ausmachen, und nicht-zyklische Konsumwerte mit knapp zehn Prozent. Regional liegt unser Fokus zum Start des "EB Dividendenstrategie Klima Global" auf Nordamerika, Westeuropa und Asien Pazifik.

Vielen Dank für das Gespräch. (06.01.2022/fc/n/s)