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"Greenwashing" wird für Fondsbranche zum Problem - Fondsnews


06.09.21 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Eine umfangreiche Untersuchung des in London ansässigen Thinktanks Influencemap offenbart, dass die DWS keineswegs alleine vor dem Problem "Greenwashing" steht, so die Experten von "FONDS professionell".

Laut der Analyse verfehle sogar eine ganze Reihe von sogenannten Klimafonds die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens, mit dem sich 2015 insgesamt 195 Staaten verpflichtet hätten, die globale Erderwärmung durch entsprechende Maßnahmen auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Dem Bericht mit dem Titel "Climate Funds: Are They Paris Aligned?" ("Klimafonds: Sind sie am Pariser Abkommen ausgerichtet?") zufolge seien von 130 Fonds, die Influencemap als zur Kategorie "Klima" gehörend identifiziert habe, ganze 72 in "schmutzige" Unternehmen wie Total, Halliburton, Chevron und Exxon Mobil investiert, die im Schnitt mehr Treibhausgase ausstoßen würden, als laut dem Pariser Abkommen zum Erreichen der Klimaziele erlaubt sei.

Am schlechtesten würden dabei laut Influencemap die drei größten Asset Manager weltweit - State Street, UBS und BlackRock - abschneiden. Ein negatives Ergebnis bedeute in der Analyse, dass ein Portfolio zu viel "braune" oder zu wenig "grüne" Aktien enthalte. Sieben von State Street angebotene Klimafonds hätten dabei laut der Studie eine durchschnittliche Fehlorientierung in Bezug auf das Paris-Abkommen von minus 14 Prozent aufgewiesen. Bei der UBS seien es acht Fonds mit einer Fehlorientierung von minus acht Prozent gewesen, bei BlackRock seien acht Produkte auf einen Wert von minus sechs Prozent gekommen.

Auf Nachfrage von "FONDS professionell" erkläre ein Sprecher von BlackRock: "Die von Influencemap durchgeführte Untersuchung weist Lücken in der Bewertung der nachhaltigen Fondspalette von BlackRock auf." So seien zum Beispiel die Paris-Aligned-Climate-ETFs des Unternehmens in der Studie nicht enthalten. BlackRock biete seinen Kunden ein breites Spektrum an nachhaltigen Strategien, um sie bei der Erreichung ihrer Anlageziele zu unterstützen, von der Reduzierung des Engagements in fossilen Brennstoffen über die Minimierung von Kohlenstoffemissionen bis hin zur Ausrichtung auf Klimaziele. "Die Anleger haben volle Transparenz über die Bestände unserer ETFs, die täglich aktualisiert werden", so der Sprecher weiter, "und wir legen die MSCI-Nachhaltigkeitsmerkmale unserer ETFs seit über zwei Jahren online offen."

Von der UBS habe es dazu geheißen, der Fokus der Studie auf Engagements in einer begrenzten Anzahl von Sektoren erfasse die positiven Auswirkungen von indexbasierten und sogenannten Tilting-Strategien nicht angemessen. "Diese Fonds behalten die Sektorgewichtung im Einklang mit dem Mutterindex bei, gewichten aber die Unternehmen innerhalb der Sektoren auf der Grundlage ihrer Klimaleistung neu", so ein Sprecher. Dieser Ansatz führe zu Fonds mit einer deutlich geringeren Kohlenstoffintensität und einer Verringerung des Kohlenstoffrisikos, die jedoch Benchmark-Renditen im Einklang mit dem übergeordneten Index liefern würden.

Für die von Influencemap ebenfalls untersuchte Kategorie der breiter aufgestellten ESG-Fonds sei die Paris-Bilanz übrigens noch schlechter ausgefallen als für die gezielt klimaorientiert anlegenden Produkte. Der Thinktank habe 593 ESG-Aktienfonds mit einem Gesamtnettovermögen von über 265 Milliarden US-Dollar untersucht. Davon würden 421, das seien 71 Prozent, einen negativen Portfolio-Score in Bezug auf das Pariser Abkommen aufweisen.

Aus Sicht von Daan Van Acker, Analyst bei Influencemap, belege seine Untersuchung, dass für Anleger immer noch schwer einzuschätzen sei, was tatsächlich in einzelnen Fonds stecke und ob ein Klimafonds mit dem Pariser Abkommen übereinstimme oder nicht. Für den Analysten lasse das nur einen Schluss zu: Marketing und Transparenz von Klima- und ESG-Fonds im Allgemeinen müssten stärker reguliert werden. (06.09.2021/fc/n/s)