Greenwashing? Commerz Real hat Ärger wegen "CO2-Rechner" - Fondsnews


12.01.22 11:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Commerz Real, die Sachwerte-Tochter der Commerzbank, bietet Anlegern auf der Homepage ihres Impactfonds klimaVest (ISIN LU2183939003 / WKN KLV100) einen CO2-Rechner an, mit dem sie sich durch einige Angaben zu ihren Wohnverhältnissen sowie dem Mobilitäts- und Konsumverhalten einen individuellen CO2-Fußabdruck berechnen lassen können, so die Experten von "FONDS professionell".

Eine durchschnittliche Person produziere 11,2 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.

Die Commerz Real habe das individuelle Ergebnis zugleich mit dem Angebot versehen, man könne den individuellen CO2-Ausstoß mit einer Investition in den Klimavest in entsprechender Höhe ausgleichen: Je 10.000 Euro Investitionssumme würden 3,5 Tonnen kompensiert. Das habe die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf den Plan gerufen. Die Werbeaussage, die Geldanlage habe ganz konkrete Auswirkungen auf den persönlichen CO2-Fußabdruck, sei irreführend, hätten die Verbraucherschützer befunden - und seien vor Gericht gezogen. Vor einem Jahr seien sie auch gegen einen Klimarechner der Deka juristisch vorgegangen.

Vor dem Landgericht Stuttgart sei es nun Anfang der Woche (10. Januar) zu einer Anhörung der Parteien gekommen. "Richtig schlau wird man auf den ersten Moment nicht", habe der Vorsitzende Richter am Landgericht Stuttgart Nikolaus Melwitz von seinem Selbstversuch mit dem Impact-Rechner berichtet. Ihm wäre auch nicht klar geworden, worin der Ausgleich bestünde, habe er gesagt. Wenn Fluggesellschaften bei Buchung anbieten würden, neue Bäume zu pflanzen, dann würde dadurch dem Klima sofort CO2 entzogen, bei Strategien der CO2-Vermeidung jedoch nicht.

Weder die Funktionsweise des Rechners noch eine allgemeine Klimawirkung seien jedoch Gegenstand der Klage. Der gehe es im Kern um die unmittelbare Kopplung einer CO2-Berechnung und einer bestimmten Investitionshöhe als Ausgleich. Man müsse "bei umweltbezogenen Dingen derzeit genau, um nicht zu sagen: streng" sein, habe Melwitz gesagt.

Die Verbraucherzentrale habe Klage eingereicht, weil sich die Commerz Real geweigert habe, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben. Den wesentlichen Streitpunkt, die enge Verzahnung von berechnetem Fußabdruck und dessen Ausgleich per entsprechender Investitionssumme, habe die Commerz Real jedoch im Oktober bereits entschärft. Der Impact-Rechner stehe jedoch noch online und das erklärte Ziel, mit je 10.000 Euro Investment in den Klimavest 3,5 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einzusparen, ebenso. Die unmittelbare Verknüpfung, dass sich der persönliche CO2-Fußabdruck mit einem Investment in den Fonds kompensieren ließe, sei jedoch entfernt worden. Richter Melwitz habe seinen Urteilsspruch für den 31. Januar angekündigt. (12.01.2022/fc/n/s)