Global Islamic Multi Asset-Fonds aufgelegt


31.05.10 13:42
FundResearch

München (aktiencheck.de AG) - Meridio bietet einen neuen Fonds an: Der Global Islamic Multi Asset-Fonds (ISIN LU0442310859 / WKN A0X9HM) setzt auf ein Management nach der muslimischen Sharia und richtet sich an Anleger, die das Risiko nicht scheuen, so die Experten von "FundResearch".

Wenn's um Geld gehe, sei der Koran rigide: Er verbiete Gläubigen nicht nur die Annahme von Zinsen, tabu seien auch Investitionen in Firmen, die Zigaretten oder Waffen produzieren, ihre Gewinne aus Glücksspiel, Wetten und Erotik verdienen oder die von Zinseinnahmen profitieren würden. Doch so schlecht seien diese Vorgaben gar nicht: "Geldanlagen nach den Vorgaben des Islamic Banking weisen gerade in Zeiten schwieriger Kapitalmärkte ein geringeres Risiko auf und können so langfristige Renditen erbringen", meine die französische Gesellschaft Meridio und biete daher seit kurzem den Mischfonds Meridio Global Islamic Multi Asset in Deutschland an: Den ersten Mischfonds der Gesellschaft, der streng nach muslimischen Regeln investiere.

Das Konzept sei nicht neu. Allianz Global Invest, die UBS oder Crédit Suisse würden bereits seit längerem vergleichbare Fondsprodukte anbieten. Diese würden immer größere Beachtung finden - nicht nur von Verbrauchern, die an Allah glauben und sich daher an den Koran und das davon abgeleitete Recht, die Sharia, halten würden. Auch Anleger, die nachhaltig anlegen wollten, würden sich für Produkte interessieren, die sich an der Sharia orientieren würden.

Seien im Jahr 2007 schätzungsweise 200 Milliarden US-Dollar islam-konform angelegt gewesen, so sei das Anlagevolumen seither auf 800 Milliarden US-Dollar gestiegen. "In Deutschland", stelle das Institut für Islamic Banking & Finance aus Frankfurt zudem fest, "steht die Entwicklung des Marktes erst am Anfang." Einer Umfrage des Instituts zufolge würden sich rund 72 Prozent der Verbraucher für Islam-Fonds interessieren: Drei Viertel der Befragten, weil sie nach ethischen Kriterien anlegen wollten; etwa jeder Zweite, weil er eine faire Gewinnbeteiligung erwarte; acht Prozent wollten schließlich mit Islam-Fonds ihr eigenes Anlage-Portfolio diversifizieren. Auf rund 1,5 Milliarden Euro würden Kenner das Sparvolumen in Deutschland schätzen, das in den nächsten Jahren islam-konform angelegt werden könnte.

Egal, ob aus materiellem Kalkül oder aus moralischen Gründen: Islam-Fonds würden ihren Zeichnern durchaus Gewinn bringen. In den vergangenen Monaten habe der Sharia Europa 350-Index von Standard & Poors seinen nicht koran-konformen Konkurrenten um 15 bis 20 Prozent geschlagen. Hintergrund dieser positiven Entwicklung dürften die besonderen Anlageregeln sein: In herkömmliche Banken und Versicherungen, die 2009 besonders stark verloren hätten, dürfe nach der Sharia nicht investiert werden. Geld, so die islamische Auffassung, schaffe aus sich heraus keinen Mehrwert für den Menschen oder nur aufgrund von faulen Kompromissen, die ein Gläubiger nicht eingehen sollte. Also würden sich in Islam-Fonds keine Anleihen und Derivate finden, die 2009 ebenfalls zu den Verlierern gezählt hätten. Alternativen würden die so genannten Sukuks bieten, eine eigens entwickelte Anlageform, die eher einer Beteiligung ähnle und ebenfalls regelmäßige Ausschüttungen erbringe.

Insgesamt 12.000 Aktien und Wertpapiere hätten die Fonds-Manager Rashad Khourshid, Antoine Salamé und Uwe Zimmer weltweit für das Portfolio des Meridio Global Islamic Multi Asset ausgemacht, die nach den Regeln des Korans erlaubt seien. Zum Start ihres Mischfonds habe das Trio vor allem auf Aktien und dabei auf Werte aus den Bereichen Energie und Rohstoffe, Pharma-, Logistik, Infrastruktur, Immobilien und Lebensmittel fokussiert. "Unter der Berücksichtigung fundamentaler Daten, der technischen Analyse sowie der Marktpsychologie entscheiden wir, wann und mit welcher Summe in die jeweiligen Wertpapiere investiert wird", lasse das Fonds-Management wissen. "Wir können bis zu 100 Prozent des Kapitals in Aktien oder Sukuks investieren und damit sie Struktur und das Risiko flexibel dem aktuellen Marktumfeld anpassen."

Ein Beirat aus vier ausgewiesenen Islam- und Korankennern überprüfe außerdem regelmäßig, ob auch alle Investitionsvorgaben eingehalten würden. Sei dies nicht der Fall, sollten die Erträge aus den nicht konformen Portfolio-Anteilen an soziale Organisationen fließen.

Wegen der hohen Aktienquote empfiehlt Meridio ihren ersten Islam-Fonds für Europa für Anleger, die Risiken eingehen wollen und das angelegte Kapital mittelfristig nicht für andere Ausgaben benötigen, so die Experten von "FundResearch". Die französische Fondsgesellschaft, die seit gut 20 Jahren auch in Deutschland operiere, pflege gewachsene Beziehungen in den Nahen Osten und habe für die dortigen Anleger 2007 den Meridio Arab World Fonds (ISIN LU0269579586 / WKN A0LBQE) entwickelt. Die Erfahrungen aus diesem Portfolio sollten nun den Investoren in Europa zugute kommen. (Ausgabe vom 28.05.2010) (31.05.2010/fc/n/n)




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