Erweiterte Funktionen

GAM-Eklat: Insider nennt wahre Gründe für Haywood-Suspendierung - Fondsnews


11.09.18 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Das Rätsel um die Ursachen für die spektakuläre Suspendierung von GAM-Fondsmanager Tim Haywood und die Schließung der von ihm verantworteten Fonds mit einem Volumen von rund 7,3 Milliarden Schweizer Franken (6,3 Mrd. Euro) scheint ein Stück weit gelüftet zu sein, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichte unter Berufung auf einen anonymen Informanten, dass Haywood rund 300 Millionen Euro in nicht-börsennotierte und damit weithin illiquide Schuldpapiere von Firmen des indisch-britischen Unternehmers Sanjeev Gupta investiert haben solle.

Gupta habe sich auf Investments in marode Stahl- und Kraftwerke spezialisiert, die er nach deren Sanierung gewinnbringend losschlage. Bloomberg-Daten zufolge sollten Haywoods Fonds enorme Wetten auf Papiere eingegangen sein, die im Besonderen mit Guptas GFG Alliance-Projekten verbunden gewesen seien und die über die Zeit zu einer der größten Positionen in den Portfolios des kaltgestellten GAM-Managers herangewachsen seien.

Erschwerend hinzu komme, dass die Papiere offenbar von einem Dritten vermittelt worden seien: Greensill Capital, der Handelsfinanzierungsgesellschaft des australischen Milliardärs Lex Greensill, die seit 2016 eng mit GAM zusammenarbeite.

GAM habe die genannten Investments wie auch einen Zusammenhang mit der Beurlaubung Haywoods nicht bestätigen wollen. Eoghan Mortell, ein Sprecher von Guptas GFG, habe es ebenfalls abgelehnt, sich zu den von der Firma unterlegten Wertpapieren zu äußern.

Eine Sprecherin von GAM habe Bloomberg per Email lediglich mitgeteilt, dass sie sich nicht dazu äußern könne, was sich in den Portfolios befinde, weil "dies unsere Liquidationsbemühungen und Fondsinvestoren benachteiligen könnte". Keines der Investments sei jedoch durch irgendwelche Fondsbeschränkungen verboten gewesen, obwohl die Fondsmanager "bei einigen der getätigten Investitionen möglicherweise keine ausreichende Due Diligence durchgeführt oder nachgewiesen haben", habe die GAM-Offizielle erklärt - ohne jedoch zu spezifizieren, um welche Investments es sich dabei gehandelt habe.

Allerdings würde dieser Fehltritt durchaus zu den angegebenen Gründen des Schweizer Asset Managers passen, warum er Haywood beurlaubt habe: Dieser solle unter anderem bei der Auswahl bestimmter Assets nicht sorgfältig genug vorgegangen sein oder zumindest seine Entscheidungen nicht ausreichend dokumentiert haben. Mit anderen Worten: Er habe gegen Compliance-Vorschriften verstoßen.

Als Reaktion auf die Schritte habe GAM eine interne Revision veranlasst und Haywood beurlaubt. Als dies publik geworden sei, hätten Anleger die Fonds in Scharen verlassen, sodass der Vermögensverwalter die Reißleine gezogen habe und die insgesamt zehn Fonds nun sukzessive liquidere. (11.09.2018/fc/n/s)