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Fondsanbieter mit "aufgeblähtem" Geschäft kassieren bald die Quittung - Fondsnews


05.01.22 12:56
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Börsenrally bescherte Asset Managern 2021 oberflächlich betrachtet steigende Volumina bei den verwalteten Kundengeldern, so die Experten von "FONDS professionell".

Eine Wende in der Notenbankpolitik könnte aber jene Häuser böse erwischen, die bloß mit der guten Entwicklung mitgeschwommen seien, würden die Branchenkenner von Oliver Wyman meinen.

Einige Fondgesellschaften hätten dank der guten Marktentwicklung nach dem Corona-Crash ihr Geschäft ohne eigenes Zutun bequem "verschönern" können. Doch solchen Anbietern stehe 2022 die große "Abrechnung" bevor. Mit diesen markigen Worten würden die Branchenkenner der Unternehmensberatung Oliver Wyman in ihrer jährlichen Bestandsaufnahme der Asset-Management-Industrie vor markanten Änderungen warnen, die sich in den kommenden Monaten abzeichnen würden.

Denn nach einer jahrelangen Rally sehe es danach auch, als ob die Notenbanken eingedenk der anziehenden Teuerungsraten ihre massiven Stützungskäufe an den Finanzmärkten auf absehbare Zeit zurückfahren würden. In diesem Zuge rücke eine Zinswende immer näher. Damit könnte sich das bislang für die Zunft der Vermögensverwalter sehr freundliche Marktumfeld umkehren.

Besonders betroffen von so einem Umbruch wären den Studienautoren zufolge Häuser, die lediglich mit der guten Börsenentwicklung mitgeschwommen seien und darauf ihre Nettomittelzuflüsse stützen würden, nicht aber auf die gute Leistungen ihrer Portfoliomanager. Zum anderen hätten Anbieter die Quittung kassiert, die sich dank der günstigen Finanzierungsmöglichkeiten Wachstum per Übernahmen erkauft hätten. Das neue Marktumfeld werde auch die Nachfrage der Anleger verändern, heiße es in der Zusammenfassung der Marktuntersuchung. Dabei würden bislang vernachlässigte Strategien, Anlageklassen und Regionen in den Fokus rücken.

Ungebrochen bleibe jedoch der Trend zu alternativen Investments, so die Branchenkenner rund um Oliver Wyman-Partnerin Julia Hobart. Einige traditionelle Fondsanbieter wollten zwar in Anlageklassen wie Infrastruktur, Immobilien oder Private Equity expandieren. "Doch sie halten die Bewertungen möglicher Übernahmeziele für zu hoch oder fürchten die Risiken, die mit der Integration einer Gesellschaft einhergehen", würden die Experten berichten. Solche Anbieter würden danach trachten, organisch ihre bestehenden Kompetenzen in alternative Felder auszuweiten.

"Andere werden in den sauren Apfel beißen und jeden Preis bezahlen, um sich Kompetenzen für alternativen Investments einzukaufen", würden die Studienautoren schreiben. "Der Druck, profitable Wachstumskanäle zu erschließen, hat mittlerweile eine Dimension erreicht, in der es riskanter erscheint, solche Kompetenzen nicht vorzuhalten, als zu viel für eine Übernahme zu zahlen oder eine Integration zu vermasseln." So würden die Oliver-Wyman-Experten damit rechnen, dass Übernahmen und Fusionen die Landschaft der Vermögensverwaltungs-Branche einschneidend verändern würden. (05.01.2022/fc/n/s)