"FONDS professionell"-Fondsbarometer: Edelmetall bröckelt trotz Rekordinflation - Fondsnews


07.09.21 14:43
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Seit ihren Höchstständen vor knapp einem Jahr haben Edelmetall-Fonds im Durchschnitt mehr als 20 Prozent an Wert verloren - eine Trendwende könnte vor der Tür stehen, wie das aktuelle "FONDS professionell"-Fondsbarometer zeigt, so die Experten von "FONDS professionell".

Dass die Kommentatoren der Kapitalmärkte stets eine plausible Erklärung für jede Kursbewegung hätten, sei bekannt. Weniger eindeutig sei die Antwort auf die Frage, wie zutreffend diese Erklärungen seien.

Vor etwas mehr als einem Jahr seien die Notierungen für die Edelmetalle angesichts der geöffneten Geldschleusen der Notenbanken steil nach oben geklettert, Gold habe sogar einen neuen historischen Höchstpreis von mehr als 2.000 US-Dollar pro Unze erreicht. Die Logik dahinter habe gelautet: Die Inflation werde ansteigen, daher müsse man als Anleger in Edelmetall investieren. Nun, ein Jahr später lägen die Inflationsraten tatsächlich deutlich höher als Mitte 2020, in den USA seien in den Monaten Juni und Juli Werte jenseits der Fünf-Prozent-Marke erreicht worden, in Europa stehe erstmals seit vielen Jahren eine Drei vor dem Komma. Und Edelmetall?

Fehlanzeige, an Edelmetallinvestments in Gestalt von Investmentfonds scheine derzeit niemand interessiert zu sein. Die Fondsgruppe sei mit einem durchschnittlichen Monatsverlust von fast sechs Prozent absolutes Schlusslicht des Fondsbarometers für den August. Die 35 erfassten Edelmetallfonds lägen damit nach ihrem Höhenflug des Jahres 2020 derzeit wieder über fünf der sieben beobachteten Zeiträume unter den zehn schlechtesten Fondsgruppen, nur im Drei-Jahres-Zeitfenster würden sie unter den Top 10 rangieren.

Natürlich gebe es auch für dieses Phänomen eine Erklärung: Die Mehrzahl der Experten und Ökonomen halte die aktuell hohen Preisanstiege für eine vorübergehendes Phänomen, das von einer Kombination aus den Auswirkungen des Handelskriegs USA-China und Produktionsproblemen infolge der Quarantänemaßnahmen ausgelöst worden sei. Einzelne Beobachter - etwa der bekannte US-Hedgefonds-Manager John Paulsen - würden das hingegen nicht glauben. Paulson, der 2008 mit Wetten gegen Subprime-Kredite Milliarden verdient habe, gehe davon aus, dass die Inflationsgefahr unterschätzt werde, weshalb er auf Gold setze. Paulson setze allerdings schon seit einer Dekade auf dieses Thema und habe damit in den Jahren nach 2011 massive Verluste erlitten.

Interessanter sei daher die Einschätzung eines "Kollegen" Paulsons. Der spanische Hedgefonds-Manager Diego Parilla von Quadriga Asset Management erwarte ebenfalls stark steigende Goldpreise. Parilla glaube nicht, dass die Notenbanken die selbst verursachte Geldschwemme wieder unter Kontrolle bringen würden. Sein Fonds sei entsprechend engagiert. Zumindest deutsche Privatanleger scheinen diese Ansicht ebenfalls zu teilen, so die Experten von "FONDS professionell". Aktuelle Marktdaten würden zeigen, dass sie in diesem Jahr verstärkt Goldbarren und -münzen gekauft hätten. Im Halbjahresvergleich sei die Nachfrage um 35 Prozent auf den höchsten Wert seit 2009 gestiegen. Angesichts dieser Entwicklung erscheine der Preisrückgang bei Edelmetall-Fonds besonders auffällig. Ob er eine Kaufgelegenheit darstelle, werde man erst in Zukunft wissen, wer bisher keine Goldfonds halte, aber eine Beimischung aus Diversifikationsgründen für sinnvoll halte, könne derzeit jedenfalls sicher sein, nicht zu Höchstkursen einzusteigen.

Im Durchschnitt sei auch der Monat August 2020 für Aktienfonds neuerlich gut gewesen, im Durchschnitt hätten sie 2,4 Prozent an Wert zugelegt, Fonds der Kategorie "Aktien Welt" hätten 2,3 Prozent an Wert gewonnen. Zu den größten Gewinnern hätten im Vormonat Thailand, die Türkei und Indien gezählt. Thailandfonds, die Anfang 2020 die schärfste Korrektur seit 2009 erlebt hätten, würden damit ihren Erholungskurs fortsetzen, aber immer noch 15 bis 20 Prozent unter den Mitte 2019 erreichten Höchstwerten notieren.

Unter den Branchenfonds habe es erneut "Wasser" unter die Top 10 geschafft, womit diese aus 17 Fonds bestehende Gruppe nun über alle Beobachtungszeiträume (ein Monat bis zehn Jahre) hinweg zu den ertragreichsten Produkten zähle. Dass der Trend zur Nachhaltigkeit beim Investment anhalte, würden die Monatsergebnisse der Branchen "Neue Energien" (17 Fonds) und "Klima-Fonds" (38 Produkte) zeigen, die zuletzt 3,5 bzw. 3,3 Prozent teurer geworden seien. (07.09.2021/fc/n/s)