UK-Rentenmarkt Schulden wecken Inflationsängste
10.03.10 14:04
Helaba
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Mit den Wirren um Griechenland bzw. andere so genannte "PIGS"-Staaten aus der Eurozone ist die Frage aufgekommen, ob Großbritannien nicht auch in die Kategorie dieser schuldengeplagten "Krisenländer" fällt, so die Analysten der Helaba.
Schließlich befinde sich das britische Haushaltsdefizit in griechischen Größenordnungen, die Gesamtverschuldung jedoch sei um einiges geringer. Die Renditen für zehnjährige britische Staatsanleihen hätten kurzzeitig auf 4,3% angezogen. Mittlerweile habe sich der Markt wieder beruhigt. Zehnjährige Gilts würden auf Monatsfrist mit 4,1% etwas höher rentieren. Der Vergleich mit Griechenland spreche für sich: Griechische Papiere mit gleicher Laufzeit würden sich mit rund 6,0% verzinsen, in der Spitze seien sogar über 7% gewesen.
Staatsanleihen aus Italien und Spanien würden etwas niedriger als Gilts rentieren. Allerdings würden diese Papiere in einer anderen Währung, dem Euro, ausgegeben. Die Versicherungsprämien gegen einen Kreditausfall (CDS) würden für Großbritannien dagegen deutlich niedriger liegen als in allen PIGS-Ländern. Die britischen CDS würden sogar nahe dem Jahrestief notieren. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung würden sich die Märkte damit relativ entspannt zeigen, was die Erwartung eines britischen Zahlungsausfalls betreffe.
Großbritannien habe im Gegensatz zu den einzelnen Mitgliedsländern der Währungsunion eine eigenständige Geldpolitik. Damit könnte sich das Land im Notfall, also falls Anleihen nicht mehr am Markt platziert werden könnten, das Geld selber drucken. De facto habe dies die Bank of England (BoE) 2009 bereits getan, auch wenn die Maßnahmen zur quantitativen Lockerung der BoE noch andere Hinter gründe hätten.
Die Bereitschaft der Notenbank für solche Aktion bestehe demnach, ein Zahlungsausfall Großbritanniens könne deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Das Anwerfen der Notenpresse zur Staatsfinanzierung sei jedoch keine beruhigende Option. Die dadurch erhöhte Geldmenge könne mittel- und langfristig zu einem Inflationsanstieg führen, theoretisch könne dieser sogar sehr hoch ausfallen. Im letzteren Fall helfe dem Anleger die Rückzahlung wenig, wenn die Kaufkraft des Nominalwerts der Anleihen massiv zurückgegangen sei.
Der britische Rentenmarkt deute bereits seit einigen Monaten an, dass das Risiko nicht der Zahlungsausfall, sondern ein Kaufkraftverlust via Inflation sei. Der Kollateralschaden des bisherigen Einsatzes der Notenpresse seien steigende Inflationserwartungen und damit höhere Renditen. Derzeit spreche das konjunkturelle Umfeld gegen einen signifikanten Teuerungsanstieg. Würden die Notenbankkäufe aber mittel- und langfristig anhalten, wäre eine spürbare Geldentwertung wohl kaum zu vermeiden.
Der Gefahr einer mittel- und langfristigen Inflationsbeschleunigung und damit auch höherer Anleiherenditen könne der Staat begegnen. Die BoE habe die Chance, rechtzeitig die geschaffene bzw. die womöglich noch zu schaffende Liquidität wieder einzusammeln. Zusätzliche Notenbankkäufe seien nicht notwendig, wenn der Staat sein Defizit spürbar reduziere. Vor den Parlamentswahlen Anfang Mai würden sich die Politiker reichlich unkonkret geben. Danach müssten deutliche Maßnahmen erfolgen, wenn das Land höhere Zinsen vermeiden möchte, zumal die Ratingagenturen auch mit Abstufungen drohen würden.
Die aktuellen Wahlumfragen würden die Zweifel wachsen lassen, dass sich nach der Wahl im Parlament eine klare Mehrheit ergebe. Dies könnte in den nächsten Monaten noch für Turbulenzen am Rentenmarkt sorgen. Die Renditen zehnjähriger Gilts dürften vorerst nach oben gerichtet sein und könnten sogar auf 4,5% steigen. Der US-Rentenmarkt werde diese Entwicklung vermutlich unterstützen. Dennoch, auch eine Koalitionsregierung schließe eine merkliche Haushaltskonsolidierung nicht aus. Der Beginn einer Austeritätspolitik in Großbritannien dürfte im zweiten Halbjahr am Rentenmarkt in Form höherer Kurse honoriert werden. Eine Zinswende der BoE könnte dann sogar ebenfalls positiv für den Rentenmarkt sein und die Inflationsängste wieder in den Hintergrund drängen. (10.03.2010/ac/a/m)
Schließlich befinde sich das britische Haushaltsdefizit in griechischen Größenordnungen, die Gesamtverschuldung jedoch sei um einiges geringer. Die Renditen für zehnjährige britische Staatsanleihen hätten kurzzeitig auf 4,3% angezogen. Mittlerweile habe sich der Markt wieder beruhigt. Zehnjährige Gilts würden auf Monatsfrist mit 4,1% etwas höher rentieren. Der Vergleich mit Griechenland spreche für sich: Griechische Papiere mit gleicher Laufzeit würden sich mit rund 6,0% verzinsen, in der Spitze seien sogar über 7% gewesen.
Staatsanleihen aus Italien und Spanien würden etwas niedriger als Gilts rentieren. Allerdings würden diese Papiere in einer anderen Währung, dem Euro, ausgegeben. Die Versicherungsprämien gegen einen Kreditausfall (CDS) würden für Großbritannien dagegen deutlich niedriger liegen als in allen PIGS-Ländern. Die britischen CDS würden sogar nahe dem Jahrestief notieren. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung würden sich die Märkte damit relativ entspannt zeigen, was die Erwartung eines britischen Zahlungsausfalls betreffe.
Die Bereitschaft der Notenbank für solche Aktion bestehe demnach, ein Zahlungsausfall Großbritanniens könne deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Das Anwerfen der Notenpresse zur Staatsfinanzierung sei jedoch keine beruhigende Option. Die dadurch erhöhte Geldmenge könne mittel- und langfristig zu einem Inflationsanstieg führen, theoretisch könne dieser sogar sehr hoch ausfallen. Im letzteren Fall helfe dem Anleger die Rückzahlung wenig, wenn die Kaufkraft des Nominalwerts der Anleihen massiv zurückgegangen sei.
Der britische Rentenmarkt deute bereits seit einigen Monaten an, dass das Risiko nicht der Zahlungsausfall, sondern ein Kaufkraftverlust via Inflation sei. Der Kollateralschaden des bisherigen Einsatzes der Notenpresse seien steigende Inflationserwartungen und damit höhere Renditen. Derzeit spreche das konjunkturelle Umfeld gegen einen signifikanten Teuerungsanstieg. Würden die Notenbankkäufe aber mittel- und langfristig anhalten, wäre eine spürbare Geldentwertung wohl kaum zu vermeiden.
Der Gefahr einer mittel- und langfristigen Inflationsbeschleunigung und damit auch höherer Anleiherenditen könne der Staat begegnen. Die BoE habe die Chance, rechtzeitig die geschaffene bzw. die womöglich noch zu schaffende Liquidität wieder einzusammeln. Zusätzliche Notenbankkäufe seien nicht notwendig, wenn der Staat sein Defizit spürbar reduziere. Vor den Parlamentswahlen Anfang Mai würden sich die Politiker reichlich unkonkret geben. Danach müssten deutliche Maßnahmen erfolgen, wenn das Land höhere Zinsen vermeiden möchte, zumal die Ratingagenturen auch mit Abstufungen drohen würden.
Die aktuellen Wahlumfragen würden die Zweifel wachsen lassen, dass sich nach der Wahl im Parlament eine klare Mehrheit ergebe. Dies könnte in den nächsten Monaten noch für Turbulenzen am Rentenmarkt sorgen. Die Renditen zehnjähriger Gilts dürften vorerst nach oben gerichtet sein und könnten sogar auf 4,5% steigen. Der US-Rentenmarkt werde diese Entwicklung vermutlich unterstützen. Dennoch, auch eine Koalitionsregierung schließe eine merkliche Haushaltskonsolidierung nicht aus. Der Beginn einer Austeritätspolitik in Großbritannien dürfte im zweiten Halbjahr am Rentenmarkt in Form höherer Kurse honoriert werden. Eine Zinswende der BoE könnte dann sogar ebenfalls positiv für den Rentenmarkt sein und die Inflationsängste wieder in den Hintergrund drängen. (10.03.2010/ac/a/m)
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