Russische Wirtschaftszahlen etwas ernüchternd


11.03.10 16:12
DekaBank

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach der positiven BIP-Überraschung im letzten Quartal 2009 bringen die russischen Wirtschaftszahlen aus Januar doch etwas Ernüchterung, so die Analysten der DekaBank.

Die Industrieproduktion habe zwar dank günstiger Basiseffekte im Vorjahresvergleich um 7,8% ansteigen können. Der Einbruch im Vergleich zum Vormonat (-20,4%) sei aber stärker ausgefallen als für Januar typisch sei, sodass sich auch saisonbereinigt ein Rückgang ergebe. Und obwohl die aktuellen Werte für die Industrieproduktion wegen der Umstellungen der Berechnungsmethode nur mit Vorsicht zu interpretieren seien, sende der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Februar eine ähnliche Botschaft. Er habe sich mit 50,2 Punkten den zweiten Monat in Folge im Expansionsbereich halten können, aber einen leichten Rückgang wegen schwächerer Auftragslage verzeichnet.

Der Winter, der in diesem Jahr auch in Russland ungewöhnlich kalt sei, habe die Investitionen (etwa -7% yoy) und den Arbeitsmarkt belastet, was zum Anstieg der Arbeitslosenquote um 1 Pp. auf 9,2% geführt habe. Trotz voranschreitender Erholung der Einzelhandelsumsätze (0,3% yoy) und der Reallöhne (3% yoy) zeichne sich in Russland kein starker Aufschwung ab, die Konjunkturerholung werde auch weiterhin in erster Linie durch Staatsausgaben und den Lagerzyklus getragen.

Nach einer Pause im Januar, als die wöchentlichen Inflationsraten negativ überrascht hätten und die Zentralbank in den Wartemodus umgeschaltet habe, sei Ende Februar der Zinssenkungszyklus wieder aufgenommen worden. Die Zentralbankzinsen seien um 25 Bp gesenkt worden, der Refinanzierungssatz liege nun bei 8,5%. Der geringe Inflationsdruck rechtfertige diesen Zinsschritt, denn die Inflation befinde sich nun - abgesehen von den Preisanstiegen der ersten Januar-Wochen - seit mehreren Monaten auf dem Rückzug. Im Februar seien die Verbraucherpreise nur um 7,2% yoy angestiegen, ein Sechsjahrestief. Dazu habe vorwiegend der Rückgang der Kernrate beigetragen; die Lebensmittel- und die Energiekomponente hätten die Preise nach oben getrieben.

Eine wichtige Rolle bei dem Zinsentscheid dürfte auch der Wunsch gespielt haben, eine weitere Aufwertung des Russischen Rubels in Zaum zu halten. Die steigenden Ölpreise hätten den Rubel seit Jahresbeginn ca. 4,5% gegenüber dem Währungskorb aufwerten lassen. Sowohl der starke Rubel als auch die Disinflation würden für weitere Lockerung der Geldpolitik (75 bis 100 Bp) in der ersten Jahreshälfte 2010 sprechen, zumal die Kreditvergabe weiterhin schwach bleibe.

Die Bonität Russlands werde insbesondere von der niedrigen öffentlichen Verschuldung (ca. 14% des BIP) und der soliden Lage der Staatsfinanzen gestützt. Im laufenden Jahr plane der russische Staat zur Finanzierung eines Teils des Budgetdefizits eine Rückkehr auf den internationalen Kapitalmarkt. Dank der geringen staatlichen Auslandsverschuldung und des günstigen Rohstoffpreisumfeldes dürften die neuen Anleihen bei den Anlegern auf Interesse stoßen.

Die jüngste Krise habe aber auch die Schwachstellen der russischen Wirtschaft noch einmal deutlich gemacht: der geringe Diversifizierungsgrad der Wirtschaft und die hohe Rohstoffabhängigkeit sowie das schwache und fragmentierte Bankensystem. Darüber hinaus sei im Unterschied zum russischen Staat der Privatsektor stark im Ausland verschuldet, was die Anfälligkeit der Realwirtschaft gegenüber einer austrocknenden Liquidität auf den globalen Finanzmärkten erhöhe. (11.03.2010/ac/a/m)




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