Peeters: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel"
17.12.09 14:41
Börse Frankfurt
17. Dezember 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zu den zahlreichen schlichten, aber sinnigen Weisheiten des ehemaligen Trainers der deutschen Nationalmannschaft zählen unter anderem "Das Spiel dauert 90 Minuten", "Der Ball ist rund", "Der nächste Gegner ist immer der schwerste" und natürlich "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Diese Erinnerung sollten sich auch Teilnehmer im jetzigen Kapitalmarktumfeld zu Nutze machen, denn momentan wird viel über das gesprochen was war, aber wichtiger ist das, was kommt. Und das ist naturgemäß mit einigen Unwägbarkeiten versehen.
Dennoch schadet der Blick in den Rückspiegel nicht. So war doch 2009, das sich in großen Schritten dem Ende neigt, ein bemerkenswertes Jahr, in dem Anleger gegen Ende des ersten Quartals doch in einen sehr tiefen Abgrund geblickt haben. Die Gefahr des totalen Einbruchs, festzumachen etwa an einem DAX, der zwischenzeitlich stramm auf die Marke von 3500 Punkten zugeeilt ist, war im Nachhinein eine Chance, wie sie sich auf dem Parkett nicht oft bietet.
Satte 60 Prozent zog beispielsweise der deutsche Aktienindex DAX vom Verlaufstief des Jahres bis hin zu den unlängst erreichten Höchstkursen an. Zahlreiche Einzelwerte legten nochmals deutlich bemerkenswertere Zugewinne hin. Die schnelle Abfolge einer mutmaßlichen Übertreibung nach unten gefolgt von einer nun einsetzenden möglichen Übertreibung nach oben, war nichts für schwache Nerven.
Und sie war auch nichts für Investorengruppen mit langen Entscheidungswegen, wie beispielsweise vielen Versicherungen, die ihre "Asset allocation" seit jeher in etwas längeren Intervallen überprüfen und somit keine echte Chance haben, einen derartigen Parforceritt gut abzupassen. 2009 war sicherlich auch für viele ein Jahr der verpassten Chancen.
Doch wie wird nun 2010 lautet die Gretchenfrage? Eine Fortsetzung der Hausse auf einem auch nur annähernd vergleichbaren Level ist höchst unwahrscheinlich, doch auch ein abrupter Einbruch kommt kaum in Frage. Schließlich stehen unverändert hohe Geldmengen zur Investition bereit und eine harte Trendumkehr im Zinsmarkt scheint auch nicht wirklich realistisch. Gleichwohl wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Bewertungen sind bereits mitunter recht sportlich, in nahezu allen Assetklassen übrigens.
Somit spricht einiges dafür, dass der Jahresauftakt positiv wird, doch die Dynamik deutlich nachlässt. 2010 sind weitere Zugewinne möglich, doch sollten diese deutlich spärlicher als 2009 ausfallen. Wie es aussieht, stehen wir vor einem Jahr mit deutlich weniger Chancen, die jedoch besser zu ergreifen sind, schlicht weil sie weniger abrupt auftreten.
© 17. Dezember 2009/Roger Peeters
*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.


