Markttechnik: Aktien in Moll, Gold in Dur


09.12.09 13:05
Börse Frankfurt

9. Dezember 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Jahresendrally am Aktienmarkt lässt weiter auf sich warten. Technische Analysten sehen vor allem die Überschreitung des bisherigen Jahreshochs bei 5.880 Punkten als Voraussetzung für einen versöhnlichen Ausklang und einen positiven Start ins Jahr 2010. Insgesamt sollte das kommende Jahr aber schwierig werden, erwarten die Techniker. Um die Mittagszeit notiert der DAX 0,14 Proent im Plus bei rund 5.696 Punkten.

Die zumeist institutionellen Anleger am ETF-Markt halten sich am Mittwoch weitestgehend zurück. "Der Handel ist heute eher lustlos und von niedrigen Volumina gekennzeichnet", kommentiert ein Market Maker und berichtet von leichten Abgaben bei den meistgehandelten ETFs iShares DAX (DE) (WKN 593393) und iShares DJ STOXX 50 (DE) (WKN 593394).

In der Seitwärtsspanne gefangen

Nach Ansicht von Wieland Staud, technischer Analyst und Geschäftsführer von Staud Research, ist die technische Einschätzung des DAX aktuell schwierig. "Es sieht im Moment zwar so aus, als seien die Zutaten für einen Rückschlag am Aktienmarkt gerührt, dagegen sprechen aber die Stimmungsindikatoren. Sehr viele Marktteilnehmer scheinen danach bereits mit einer Korrektur zu rechnen. An der Börse passiert aber sehr selten das, was alle erwarten", erklärt der Analyst und schließt vor diesem Hintergrund nicht aus, dass der DAX auch weiterhin in der Seitwärtsphase unterhalb des bisherigen Jahreshochs bei 5.880 Punkten verharren könnte.

Warten auf die Initialzündung

Auch Andreas Klähn, technischer Analyst der SEB Bank, sieht das Überschreiten der Marke von 5.888 Punkten derzeit als wichtigste Voraussetzung für neue Kursgewinne: "Der seit März bestehende Aufwärtstrend ist zwar intakt, was dem DAX fehlt, ist aber ein neues Jahreshoch. Es wäre die ersehnte Initialzündung, die dem Börsenbarometer sehr wahrscheinlich einen Jahresausklang im Bereich von 6.100 bescheren würde. Die Chancen dafür stehen kurzfristig ganz gut."

Falls der Bereich um 5.660 Punkte, wo die untere Aufwärtstrendlinie verlaufe, jedoch wider Erwarten signifikant durchbrochen werde, könnte dies nach Einschätzung von Klähn Kursrückgänge bis in den Bereich von 5.300 Zählern nach sich ziehen.

Maue Aussichten für 2010

Für das kommende Jahr hält Andreas Klähn im ersten Quartal ein Anstieg bis 6.300 Punkte für möglich. Dort sei nämlich die untere Begrenzungslinie des Aufwärtstrends. Die weiteren Quartale könnten aus Sicht des Technikers dann aber schwierig werden. "Dies gilt umso mehr, als dass wir von einer typischeren Saisonalität als in diesem Jahr ausgehen. Nach einem Zwischenhoch von 6.300 Punkten könnte also ab April eine Schwächephase folgen, die den DAX bis 5.300, eventuell bis 5.100 Punkte führt." Weitergehende Kursrückgänge ließen sich aktuell aber nicht ableiten, fügt Klähn hinzu.

Gold weiter im Aufwärtstrend

"Die Vorzeichen für 2010 stehen derzeit eher auf Moll als auf Dur", meint auch Wieland Staud im Hinblick auf die Entwicklung der Aktienmärkte im kommenden Jahr. Optimistisch zeigt sich der Analyst im Gegensatz dazu jedoch beim Gold: "Das Edelmetall befindet sich im Moment zwar in einer Zwischenkonsolidierung, die auch noch einige Wochen anhalten könnte. Die Chancen stehen aber gut, dass sich der Aufwärtstrend dann weiter fortsetzt und wir hier in den Bereich von 1.400 bis 1.500 US-Dollar je Feinunze vorstoßen."

Stimmung trübt sich ein

Die Anlegerstimmung hat sich im Vergleich zur Vorwoche verschlechtert, das ergibt zumindest das Ergebnis der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. So haben 11 Prozent der bislang optimistischen Anleger ihre Longpositionen aufgegeben und sind ins neutrale Lager gewechselt. Das drückt den Bull/Bear-Index für DAX-Aktien auf 62,8 Prozent. Auch bei den Technologiewerten schrumpft das Bullenlager um 11 Prozent, wovon 3 Prozent sogar direkt short gegangen sind.

Für den Bull/Bear-Index werden die Optimisten in Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet.

© 09. Dezember 2009 / Karoline Koch





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