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Krypto-ETPs: 21Shares will Retail- und Privatbankengeschäft ausbauen - Fondsnews


09.12.21 14:19
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Bernhard Wenger ist in der europäischen Investmentbranche viel herum gekommen, war unter anderem bei BNP Paribas, C-Quadrat, ETF-Securities, HSBC, Morgan Stanley und zuletzt Geschäftsführer State Street Global Advisors Schweiz, so die Experten von "FONDS professionell".

Nun gehe er in die aufstrebende Kryptoinvestmentbranche. Beim Schweizer Anbieter 21Shares sei Wenger für den Vertrieb der dort geschaffenen Kryptowährungs-ETPs (Exchange Traded Product, also ein über die Börse handelbares Finanzinstrument, das einen zugrundeliegenden Wert nachvollziehe) in der Region DACH und Nordeuropa zuständig. "Es ist sicher ein Schritt in die Zukunft. Wir sehen in Gesprächen mit Investoren und Partnern, dass Kryptowährungen und Blockchain ganz oben auf der Agenda stehen. Man macht sich nicht nur über Investments Gedanken, sondern auch über Geschäftsmodelle", so Wenger über seinen Schritt.

Wealth Management, Private Banking, Family Offices seien im deutschsprachigen Raum beim Einsatz von Kryptoassets bereits "recht weit". Dementsprechend seien dies auch die großen Zielgruppen, die Wenger bei für die 21Shares Produkte interessieren wolle. ETPs hätten gegenüber dem Direktkauf den Vorteil, dass kein eigenes Kryptowallet nötig sei, sondern man den Wert (oder einen gemischten Basket aus mehreren Kryptowährungen) direkt über das bestehende Depot kaufen könne und man sich keine Gedanken über Lagerung beziehungsweise Verlust des Krypto-Schlüssels machen müsse. Bei einem Schlüsselverlust seien Bitcoins und Co. nicht mehr verwertbar.

Bis klassische institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen in Österreich und Deutschland im großen Stil einsteigen würden, würde es noch dauern, schätze Wenger. Allerdings seien die Tendenzen dahin klar erkennbar: So dürften seit August in Deutschland Spezialfonds - die traditionell zur Toolbox institutioneller Anbieter gehören würden - bis zu 20 Prozent in Kryptoassets investieren. "Wir hören von einigen deutschen Institutionellen, dass sie Kryptoassets bereits zu Tradingzwecken kaufen. Sie steigen also noch nicht als Longtermholder ein, sondern um kurzfristig Performance mitzunehmen", so Wenger.

In Österreich habe 21Shares derzeit fünf größere Abkommen mit Asset Managern und Privatbanken über eine enge Zusammenarbeit. In der gesamten DACH-Region seien es um die zehn. Österreich sei nicht zuletzt ein interessanter Markt, weil er den Zugang zu osteuropäischen Ländern biete, aus denen viel Interesse an den Krypto-ETPs komme.

"Jetzt schauen wir uns den Online-Brokeragebereich an. Wir streben eine engere Kooperation an", so Wenger. In Deutschland betreibe man mit Onlinebanken bereits gemeinsames Marketing. "Das haben wir in Österreich auch vor", sage Wenger. In Deutschland habe 21Shares zum Beispiel eine Partnerschaft mit Comdirect im Rahmen derer sämtliche 21Shares-ETPs als Sparplan bespart werden könnten, wie Wenger erkläre. Der Retailmarkt sei "nicht zu vernachlässigen". In Zukunft sei freilich zu erwarten, dass die größeren Mittelzuflüsse von den HNWIs (High Networth Individuals) kommen würden.

21Shares sehe seine Rolle auch als Know-how-Vermittler. Research und Beratung würden als Service mitgeliefert. "Wir bieten Content an für Berater und Kunden, damit wir sicherstellen, dass die Produkte richtig erklärt und verkauft werden. Wir glauben, dass eine kleine Allokation in Kryptowährungen Sinn macht und liefern das Know-how mit", so Wenger.

Die Assets under Management des Unternehmen, das 20 ETPs am Markt habe, hätten seit Jahresbeginn von unter einer Milliarde US-Dollar auf rund 2,7 Milliarden zugelegt (aktueller Werte je nach Kursentwicklung stark schwankend). Betont werde, dass der Zuwachs nicht nur auf den Kurswertzuwachs zurückzuführen sei, den die meisten Kryptowährungen in diesem Jahr gehabt hätten. Der Nettomittelzufluss im Jahr 2021 mache eine Milliarde Dollar aus. "Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind", so Wenger. Der größte Teil der 21Shares-Investoren verfolge keine kurzfristige Strategie, sondern sei auf buy and hold ausgerichtet. (09.12.2021/fc/n/m)