Euro weiter unter Druck


23.08.10 11:12
Bremer Landesbank

Bremen (aktiencheck.de AG) - Der Euro eröffnet heute bei 1,2715 USD (07:25 Uhr), nachdem am Freitag im US-Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2665 markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 85,35. In der Folge notiere EUR/JPY bei 108,55, während EUR/CHF bei 1,3145 oszilliere.

Der Euro bleibe erst einmal weiter unter Druck. Das gelte zugunsten des USD, es gelte zugunsten des JPY, des CHF und des GBP. Die Analysten würden das zur Kenntnis nehmen. Sie würden sich hier auf JPY und USD fokussieren. Sowohl die USA als auch Japan würden sich nicht ansatzweise um Reformen kümmern, sondern sich weiter auf einem Pfad aggressiver Defizitpolitik bewegen, ohne die strukturellen Schwächen zu adressieren, die ja gerade Grundlage der erneuten konjunkturellen Enttäuschung seien, da strukturelle Schwächen Potenzialwachstum kosten würden. Schaue man auf die Entwicklung der fundamentalen Faktoren in den letzten Monaten:

Die US-Zahlen würden sich eintrüben. Das Analysegebäude der USD-Bullen, eine konjunkturelle "Outperformance" der USA als Grundlage vorzeitiger Zinserhöhungen gegenüber der EZB, sei zerplatzt. In Japan werde das nächste Konjunkturprogramm diskutiert, da es auch hier zu nicht unwesentlichen Eintrübungen in der Wirtschaft komme.

Beide Länder mit sich abschwächendem fundamentalem Gerüst seien die Gewinner am Devisenmarkt gegenüber dem Euro, obwohl der Euro seit Mai 2010 latent mit überwiegend positiven Nachrichten und Daten überrasche. Das gelte sowohl für den nördlichen Sektor als auch den südlichen Sektor.

Wenn also zunehmende Risikoaversion dazu führe, Währungen der Länder mit einem negativ überraschenden Datenkranz zu erwerben und die Eurozone mit positiven Überraschungen abzustrafen, dann dürfe man hier von geistigem Spagat reden.

Es sei aber mehr als nur geistiger Spagat. Es sei vergleichbar mit der "Cash-Burn Rate" des jungen Jahrtausends. Seinerzeit seien die Unternehmen der Telekombranche an der Börse hochgejubelt worden, die pro Kunden die höchsten Marketingausgaben vorgewiesen hätten (20.000 USD und mehr). Vor diesem Hintergrund werde deutlich, dass die Markteffizienztheorie der modernen Volkswirtschaftslehre sehr viel "Leere" zu bieten habe. Nein, Märkte seien nicht effizient, sie würden aber immer einen Gleichgewichtspreis bezüglich der dominierenden Marktideologie bieten.

Mache man ein Gedankenspiel: Man werte den USD und JPY weiter auf. Damit werde die internationale Konkurrenzfähigkeit dieser beider Länder unterminiert. Ergo würden sie am Weltaufschwung unterproportionaler teilnehmen, da sie nicht reformbereit seien. Die Wirtschaftsdaten würden in der Folge noch enttäuschender (z. B. USA Handelsbilanzdefizit, Konjunkturdaten). Da nach aktueller Marktideologie steigende Risikoaversion zu Kapitalzuflüssen in die USA und Japan führe, werde diese Entwicklung weiter forciert.

Die niedrigere Bewertung des Euro führe verstärkt zu positiven konjunkturellen Überraschungen aus der Eurozone, die am Devisenmarkt ignoriert würden, aber gleichzeitig nur Folge einer Fehlbewertung seien und damit schlussendlich kein nachhaltiges Wachstum forcieren würden. Die aktuelle Marktideologie sei für alle betroffenen Länder schlichtweg und ergreifend kontraproduktiv. Aus diesem Grund werde sie auch nur eine temporäre Erscheinung sein, ebenso wie die "Cash Burn Rate" oder die "Immobilien Burn Rate". Die Frage sei nur, wie viel Schaden sie im Rahmen der Fehlallokation begründen könne.

Der Markt diskontiere nicht Fakten, sondern übe sich im Freiflug antiautoritärer Analyseansätze. Damit werde eine Fehlallokation des Produktionsfaktors Kapital etabliert. Die Erfahrungen aus 2002 und 2007 seien nicht berücksichtigt. Es gebe keine Lernkurven. Seinerzeit seien die antiautoritären Analyseansätze ebenso fehlgeschlagen, wie es diesmal schlussendlich der Fall sein werde. Fakt sei, dass Europa trotz der massivsten Reformen seit Anbeginn der EU mit positiven Daten und Nachrichten überrasche. Das sei unerwartet, es sei sensationell und es werde derzeit noch ignoriert.

Entsprechend werde der Finanzmarkt auch nachfolgende Nachricht ignorieren wollen: Der DIHK habe die Wachstumsprognose per 2010 für Deutschland von zuvor 2,3% auf 3,4% erhöht. Es sei nicht nur der Export. Der Aufschwung gewinne an Breite. Die Unternehmen würden mehr investieren. Der Konsum springe ob der positiven Arbeitsmarktentwicklung an. Man kenne diese Argumentation schon seit einigen Monaten/Wochen aus diesem Report. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der DIHK so wie auch unser Haus per Ende 2009 bereits die höchsten Prognosen lieferten, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das zunächst eine neutrale Haltung in der Parität EUR/USD favorisiere. Ein nachhaltiger Ausbruch aus der Bandbreite 1,2500 bis 1,2930 eröffne neue Dynamik. (23.08.2010/ac/a/m)




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