Auslandsaktien: Liquidität treibt die Märkte
10.12.09 13:55
Börse Frankfurt
10. Dezember 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eine stetige, vor allem breite Aufwärtsbewegung mit wenigen Ausreißern zeugt vor allem von Optimismus der Anleger. Die Krisen in Dubai, Griechenland und Spanien zeigen überraschend wenig Wirkung. "Investoren stecken ihr Geld weiter in den Aktienmarkt, die Alternativen fehlen" meint Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. "Staatsanleihen geben als Anlage beim derzeitigen Zinsniveau momentan nicht viel her".
Griechenland in Nöten
Die hohe Staatsverschuldung des Mittelmeerstaates hat laut Roland Stadler von der Baader Bank die europäischen Aktienmärkte verunsichert. Griechenland rechne mit 12,7 Prozent Staatsschulden statt der in der EU erlaubten 3 Prozent. Die Rating-Agentur Fitch hat Griechenland von A- auf BBB+ herabgestuft. "Das hat aber noch einen anderen Grund", weiß Stadler. "Bislang hat sich Griechenland sein Bruttoinlandsprodukt sehr kreativ schön gerechnet". Die EZB könnte wegen des schlechteren Ratings neue Staatsanleihen nicht akzeptieren, die Grenze liege bis Ende 2010 bei BBB-. Vor diesem Hintergrund seien einige griechische Werte ordentlich in den Keller gerasselt: Die Aktie der Bank of Greece (WKN 910622) sei seit Anfang des Monats von 49 auf 44 Euro gefallen, die der EFG-Bank (WKN 919700) im selben Zeitraum von 10 Euro bis auf 7,30 Euro. Der griechische Index ATG Athens General habe 12,5 Prozent bis auf 2.100 Punkte nachgegeben. Am heutigen Vormittag sei aber eine leichte Erholung in Sicht, bemerkt Stadler.
China Longyuan Power: Windkraft an der Börse
Neu an der Börse Hongkong ist der chinesische Hersteller von Windkraftanlagen China Longyuan Power (WKN A0YFUR). Stadler berichtet: "Das ist ein fulminanter Start, allein heute sind 767 Millionen Aktien gehandelt worden". Ein besonderer Anreiz sei wahrscheinlich der geplante Windkraftpark in der chinesischen Industrieregion Hebei, dort sollen 120 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Am ersten Handelstag an der Börse Hongkong schloss das Papier 9,26 Hongkong-Dollar. "Das ist eine Steigerung von fast 13 Prozent", stellt der Skontroführer fest.
Suntech Power: Boom der alternativen Energien
Die Klimakonferenz in Dänemark stimuliere die Branche der alternativen Energien. "Bei als sicher geltenden Förderprogrammen springen die Anleger bereits jetzt auf Solarwerte auf", meint Vorhauser. Eine viel versprechende Kursentwicklung zeige der chinesische Photovoltaik-Hersteller Suntech Power (WKN A0HL4L). Der Konzern hat gleich drei neue Verträge für kristalline Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 490 Megawatt über die nächsten 3 Jahre geschlossen. "Das ist schon ein recht lautes Grundrauschen", stellt Vorhauser fest. Suntech Power könne auch fest mit staatlicher Unterstützung rechnen. Viel versprechend sei außerdem der Aufbau einer Photovoltaik-Fabrik in Arizona. Vorhauser erklärt: "Suntech hat in den USA bereits ein sehr stabiles Händlernetz. Vor Ort zu produzieren hat direkt mehrere Vorteile: kurze Transportwege, Akzeptanz bei der Bevölkerung und mehr Flexibilität." Über die Nachrichten freuten sich die Anleger und legten das Papier ins Depot. Seit Ende November konnte der Kurs von 9,20 Euro auf aktuell 11,51 Euro zulegen.
Novartis mit neuen Krebsmedikamenten
Der Aktienkurs des schweizerischen Pharmakonzerns Novartis (WKN 904278) hat sich in der letzten Zeit positiv entwickelt. Das Unternehmen konnte die Entwicklung der Krebsmedikamente Tasigna und Zometa vorantreiben und steht unmittelbar vor ihrer Marktzulassung. "Vor allem das Blutkrebsmittel Tasigna ist wichtig, weil es den Vorgänger Glivec ersetzen soll, der bald den Patentschutz verliert", erklärt Vorhauser. "Die beiden neuen Medikamente werden wohl insgesamt um die fünf Milliarden US-Dollar Umsatz bringen". Die Aktie konnte bei der guten Nachrichtenlage zulegen und notiert aktuell bei rund 37 Euro. "Der Kurs zeigt seit Juli eine konstante Aufwärtsbewegung", freut sich der Skontroführer.
OC Oerlikon in der Sackgasse
Einen drastischen Kurseinbruch von rund 40 Prozent auf aktuell 24 Euro musste die Aktie des schweizerischen Technologiekonzerns OC Oerlikon (WKN 863037) in den letzten Handelstagen hinnehmen. Weil die Verhandlungen mit den Banken über die Stundung von Krediten, verringerten Zinssätzen und die Umwandlung von Schulden in Kapitalbeteiligungen nicht vorangekommen seien, habe das Unternehmen am Dienstag - überraschend und während des Börsenhandels - einen unbefriedigenden Sanierungsplan veröffentlicht und dadurch die Investoren verärgert. "Es fehlt ein überzeugendes Konzept für die Restrukturierung, so etwas mögen die Anleger nicht" berichtet Vorhauser. Die Solarsparte des Unternehmens kämpfe mit Problemen wie veralteter Technologie und müsse zudem den Wert ihrer Lagerbestände um rund 50 Millionen Schweizer Franken abschreiben. "Damit schrumpft das Eigenkapital weiter", erklärt der Skontroführer. Seit Ende September hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.
© 10. Dezember 2009/Margarethe Dawo


