Auslandsaktien: Investitionen zahlen sich aus
17.12.09 14:10
Börse Frankfurt
17. Dezember 2009. FRANKFURT. Schwache Konsum- und Arbeitsmarktzahlen lassen die US-Notenbank für die nächste Zeit das Zinsniveau beibehalten. FED-Chef Ben Bernanke blickt zuversichtlich auf das neue Jahr, er hält den Zeitpunkt für eine Zinserhöhung jedoch noch nicht gekommen. Der morgige Verfallstag für Optionen, im Börsenjargon auch Hexensabbat genannt, zeigt Einfluss auf die europäischen Indizes. "Der Verfallstag bringt oftmals deutliche Kursausschläge mit sich", meint Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. Wie auch sein Kollege Jan Vrbsky von der Baader Bank berichtet, seien diese Woche die Finanztitel unter Druck geraten, das habe mit der Kapitalerhöhung der Citigroup zu tun.
Citigroup: Rückzahlung missglückt
Einen turbulenten Kursverlauf zeigte die Aktie der Citigroup (WKN 871904). Das Papier hat in dieser Woche knapp 20 Prozent nachgegeben und steht nun bei 2,27 Euro. Den Grund sieht Vorhauser in dem missglückten Versuch, 20 von insgesamt 45 Milliarden US-Dollar Schulden an die USA zurückzuzahlen. Das Geld sollte durch eine Kapitalerhöhung besorgt werden. Der Skontroführer berichtet: "Durch die Ausgabe der Aktien sind nur 17 Milliarden US-Dollar hereingekommen. Da die US-Regierung das Geld gegen eine Aktienbeteiligung geliehen hatte, würde sie jetzt beim Verkauf der Papiere einen Verlust hinnehmen. Deswegen hat die Regierung den Verkauf auf später verschoben." Die Citigroup versuche jetzt, die schlechte Nachfrage nach ihren Aktien mit der gleichzeitigen Emission von Wells Fargo zu erklären, der Grund liege aber eher in der Erinnerung an die Rolle der Bank in der Finanzkrise.
Vorhauser ergänzt, dass die Citigroup-Aktie außerdem an einer milliardenschweren Klage vor dem New Yorker Schiedsgericht leide: ADIA, der Staatsfond des Emirats Abu Dhabi, hatte vor 2 Jahren Wandelanleihen zum zehnfachen des heutigen Aktienpreises gekauft, um der Citigroup zu helfen. Nun fordere ADIA die Rückgängigmachung des Deals. "Da stecken 7,5 Milliarden US-Dollar drin, so einen Verlust nehmen die Scheichs nicht einfach hin", erklärt Vorhauser.
EADS: Airbus wieder auf Kurs
Das jüngste Beispiel des Dauer-Konkurrenzkampfes zwischen den Flugzeugbauern Boeing und EADS (WKN 938914) Airbus ist die Auseinandersetzung um den Auftrag für Tankflugzeuge vor dem amerikanischen Verteidigungsministerium. Vrbsky berichtet: "In der Ausschreibung müssen für Boeing günstigere Bedingungen dringestanden haben. Jetzt hat sich EADS beschwert und gedroht, auszusteigen. Darauf wiederum hat das Ministerium reagiert und zugesagt, die Bedingungen zu überprüfen." Das freut die Anleger, ebenso wie die Nachrichten vom Jungfernflug des Airbus-Militärlasters A400. "Das kommt zwar alles drei Jahre zu spät und da fliegen ersatzweise noch reichlich Teile aus der zivilen Luftfahrt mit, aber wenn es um die heimischen Arbeitsplätze geht, werden etwas andere Maßstäbe angelegt", bemerkt der Skontroführer. So hätten die europäischen Abnehmerstaaten einer Vertragsverlängerung zunächst zugestimmt. Die Aktie notiert heute fast drei Prozent höher gegen den Markt. Aktuell liegt sie bei 12,92 Euro.
Sinopec auf Wachstumskurs
Die größte Raffinerie Asiens, die chinesische Sinopec (WKN A0M4XN), befindet sich weiter auf steilem Wachstumskurs. Sinopec hatte im August den kanadischen Ölkonzern Addax Petroleum übernommen und damit seine Fördermengen auf 17 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. In den nächsten Jahren stünden weitere Investitionen an, berichtet Vorhauser. "In der autonomen Region Guangxi Zhuang in Südchina sollen in den nächsten 3 Jahren 300 Gastankstellen gebaut werden", erklärt der Skontroführer. Außerdem sei die Übernahme von Förderaktivitäten des staatlichen Mutterkonzerns China Petrochemical Group in Afrika geplant. Die positiven Nachrichten haben den Investoren geschmeckt, die Aktie hat um knapp 10 Prozent angezogen, von 0,55 auf 0,62 Euro. Am Dienstag hat der Kurs wieder etwas nachgegeben, da Öl zu Beginn der Woche schwächer notierte, aktuell liegt das Papier bei 0,59 Euro.
General Electric: Produktion statt Finanzgeschäft
Ohne Gewinnprognosen geht der US-amerikanische Mischkonzern General Electric (WKN 851144) in das kommende Jahr. Die Schwierigkeiten im Jahr 2009 seien aber überwunden, betont der Konzernchef Jeff Immelt. Die Finanzsparte des Unternehmens, die im Zuge der Finanzkrise Verluste gemacht hat, soll verschlankt werden. Stabile Einnahmen erhoffe sich Immelt durch Servicebereiche wie Wartung und Reparaturen. Vorhauser berichtet, General Electric wolle sich zukünftig vor allem auf die Produktionsbereiche fokussieren und plane die Übernahme von Rockwell (WKN 903978). "GE hat eine Menge Geld, insgesamt 25 Milliarden US-Dollar für Übernahmen in 2010, ausgegeben. Und die müssen zukaufen, um zu wachsen." Der Konzern wäre wohl bereit, 42 Euro pro Aktie zu bezahlen, die heute bei knapp 32 Euro notiert sei. Die Aktie schwankt in den letzten Wochen zwischen 10,60 Euro und 10,90 Euro, aktuell steht sie bei 10,85 Euro.
Immofinanz mit Halbjahresgewinn
Die österreichische Immobiliengesellschaft Immofinanz (WKN 911064) hat heute ihre Halbjahreszahlen präsentiert. Diese seien recht positiv ausgefallen, berichtet Vrbsky. Nach dramatischen Verlusten in 2008 habe das Unternehmen einen Vorsteuergewinn von 207 Millionen Euro ausgewiesen. Der Aktienkurs konnte nach Bekanntgabe der positiven Ergebnisentwicklung um 2 Prozent zulegen und notiert aktuell bei 2,65 Euro. "Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Nettoinventarwert an Immobilienbestand pro Aktie, also ihr "innerer Wert", mit 5,62 deutlich über dem aktuellen Kurs liegt", schließt Vrbsky.
© 17. Dezember 2009/Margarethe Dawo


