ValuFocus Fonds: Warum man in Tesla oder Amazon vorurteilsfrei investieren sollte


16.10.20 09:30
ValuAnalysis

London (www.fondscheck.de) - Betrachtet man ein Unternehmen, das über einen langen Zeitraum 10 Prozent Gewinnzuwachs pro Jahr erzielt, sind Kurs-Gewinn-Multiples (KGV) zwischen 40 und 50 theoretisch völlig gerechtfertigt, so Christophe Bernard, Co-Portfoliomanager des ValuFocus Fonds (ISIN LU2079399270 / WKN A2PU33) von ValuAnalysis.

Auch ein Multiplikator von 100x könne richtig sein. Tesla mit seinem KGV von 600x gelte dagegen als der heutige Archetyp einer extremen spekulativen Vorwegnahme. Wer darauf setze, dass sich hohe Bewertungen zukünftig zu ihrem langfristigen Mittel zurückbewegen würden oder umgekehrt eine Wertaufholung einsetze, habe eine lange Durststrecke hinter sich. Seit über 13 Jahren würden Value-Strategien gegenüber den Tech-lastigen Growth-Ansätzen nun schon hinterherhinken und eine Umkehr scheine nicht in Sicht.

Auf die Frage nach dem einen fairen Unternehmenswert gebe es keine eindeutige Antwort. Generell setze sich der faire Wert eines Geschäftsmodells aus Substanz, Gewinnentwicklung und Wachstumsperspektiven zusammen. Zudem "verdiene" hohes Wachstum auch eine hohe Bewertung. Empirisch belegt gebe es aber eine Art psychologische Hürde: Die Mehrheit der Anleger würde auch bei stetig überdurchschnittlicher Wachstumserwartung für ein Unternehmen höchstens durchschnittlich 30 bis 35x als KGV tolerieren, selbst wenn eine objektive Kalkulation höhere Werte ermittle.

Dieser Zusammenhang sei nicht linear, sondern zeige eine Abflachung, je höher die unterstellten Wachstumsraten seien. Offensichtlich steige die Skepsis der Anleger mit zunehmendem Gewinnwachstum. Für Fondsmanager ergebe sich daraus eine wichtige Erkenntnis, nämlich dass im Umkehrschluss das Potenzial für wachstumsstärkere Kohorten gegenüber den wachstumsschwächeren in den Aktienkursen notorisch unterschätzt werde.

Unternehmen, deren Gewinne weit in der Zukunft lägen, würden anfangs jeden Cent ihrer Einnahmen in Wachstum investieren. Daraus resultierende niedrige Gewinne würden zu hohen KGVs führen. Die zukünftigen Wachstumsmöglichkeiten von relativ jungen Firmen wie Tesla oder NVIDIA würden sich besser bewerten lassen, wenn man berechne, wie viel am Jahresende übrig sei, um die expansive Strategie zu finanzieren. Das sei nicht der zu versteuernde Gewinn, sondern der Free Cashflow.

Zudem gehe nicht jede gute Geschäftsidee auf. Die geplatzte Technologieblase vor zwanzig Jahren sei ein gutes Beispiel dafür. Damals sei die Nutzung digitaler Innovationen kaum abzuschätzen gewesen. Inzwischen würden die ehemaligen Start-Ups Wirtschaft und Gesellschaft dominieren: Google, Amazon, Apple oder Facebook würden digitale Ökosysteme betreiben und exorbitant hohe Gewinne erzielen. Die digitale Transformation sei in vollem Gange und viele Trends noch lange nicht ausgereizt. Gleichwohl falle es Anlegern schwer, diese unvoreingenommen zu bewerten.

Beispielsweise sei Amazon mit seinem aktuellen KGV von etwa 80x eins der teureren Unternehmen im NASDAQ 100-Index. Jedoch steigere der Online-Händler seinen Umsatz jährlich um über 20 Prozent und sei so profitabel, dass er mit rund 200 Milliarden US-Dollar eingesetztem ökonomischem Kapital gut 40 Milliarden USD Free Cashflow erziele. Diesen wiederum reinvestiere der Konzern in neue rentable Projekte. Setze man das aktuelle KGV ins Verhältnis zur Profitabilität, impliziere es einen zukünftigen Wachstumsrückgang auf 12%. Der enorme Free Cashflow ermögliche es Amazon jedoch, tatsächlich seine überdurchschnittliche Gewinndynamik mindestens beizubehalten. Demnach würde das Kurspotenzial der Aktie eigentlich unterschätzt.

Innerhalb desselben Bezugsrahmens komme man bei Tesla auf einen geschätzten Free Cashflow-Multiplikator von 61x - aber erst im Jahr 2025. Hier müssten Anleger sich eine Industrie im Umbruch fünf Jahre im Voraus denken, dabei zahlreiche Variablen rund um die Elektromobilität schätzen würden und eine Meinung zu den Produktionsmargen hätten, um ein Bewertungsmodell anzuwenden. Gleichwohl handle es sich um den bedeutendsten Herausforderer der traditionellen Autoindustrie, der die etablierten Konzerne schon seit Jahren vor sich hertreibe.

Es möge derzeit bessere Investments als Tesla geben, aber die Beurteilung der Wachstumsperspektiven nach der Höhe des freien, reinvestierbaren Cashflows biete einen bewährten Bezugsrahmen für eine Einordnung auch solcher Unternehmen, die Teil komplexer Transformationsprozesse seien. Es würden derzeit viele neue Anwendungen für den digitalen Übergang existieren, wie beispielsweise Applikationen in die Cloud zu verlagern, Milliarden von Objekten zu verbinden, sie um Künstliche Intelligenz zu erweitern usw. Eine kurzfristig eintretende Sättigung der Gewinndynamik erscheine wenig wahrscheinlich. Anleger sollten in dieser Phase nicht auf eine Rückkehr zu historischen Durchschnitten warten, sondern sich an einer differenzierten Analyse des Free Cashflow, also dem Ertragsüberschuss über die Kapitalkosten, orientieren. (16.10.2020/fc/a/f)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
106,26 $ 106,30 $ -0,04 $ -0,04% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LU2079399270 A2PU33 108,46 $ 70,09 $