US-Arbeitsmarktbericht im Mittelpunkt des Interesses


03.09.10 10:51
Postbank Research

Bonn (aktiencheck.de AG) - Auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz im Anschluss an die Entscheidung, die Leitzinsen unverändert zu lassen, hat Ratspräsident Trichet die neue bzw. ergänzte Verfahrensweise im Hinblick auf die Refinanzierungsgeschäfte unterschiedlicher Laufzeiten bekannt gegeben, berichten die Analysten von Postbank Research.

Demnach werde es bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften ebenso wie bei den 1-Monatstendern weiterhin eine volle Zuteilung der gewünschten Liquidität zum Festzinssatz geben, und dies bis mindestens Januar 2011. Darüber hinaus werde die EZB auch die Durchführung von 3-Monatstendern zunächst noch aufrechterhalten. Im Oktober, November und Dezember werde es jeweils 3-Monatstender mit voller Zuteilung der gewünschten Liquidität geben.

Im Prinzip neu dabei sei, dass sich der Zinssatz bei diesen Geschäften nach dem durchschnittlichen Zinssatz der wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäfte richten werde. Aller Voraussicht nach werde dieser Satz aber noch eine ganze Weile bei 1% verharren, so dass es sich hierbei eher um eine kosmetische Anpassung handle. Trichet habe außerdem durchblicken lassen, dass die EZB bei einer fortschreitenden Normalisierung des Geldmarktes weitere Schritte hin zu einem Exit ansteuern werde.

Hinsichtlich der Inflationsaussichten sei die EZB bei der Erwartung insgesamt moderater Inflationsraten und fest verankerter Inflationserwartungen geblieben. Ihre Wachstumsprojektionen habe sie angesichts der zuletzt besser als erwarteten Konjunkturdaten nach oben revidiert. Die Inflationsprojektionen seien ebenfalls leicht nach oben revidiert worden.

Die Risiken für diese Erwartung sehe die EZB mittlerweile leicht auf der Oberseite, während sie für die Wachstumsprojektionen eher ein leichtes Abwärtsrisiko nahe lege. Die Analysten hätten keinen Anlass, ihre bisherigen Erwartungen zu revidieren. Zwar dürfte es auf Sicht von zwölf Monaten eine weitere Rückführung der Sondermaßnahmen geben, doch würden sie weiterhin noch nicht mit einer ersten Leitzinserhöhung für diesen Zeitraum rechnen.

Heute stehe der US-Arbeitsmarktbericht im Mittelpunkt des Interesses. Auch im August dürften noch Ausläufer des Volkszählungseffektes das Bild verzerren. Nachdem über die Frühjahrsmonate von staatlicher Seite verstärkt für die Volkszählung Stellen geschaffen worden seien, würden diese jetzt wieder verloren gehen. Für August rechne man mit einem Rückgang der Beschäftigungszahl um 90.000 gegenüber dem Vormonat.

Abseits dieses Sondereffektes seien zwar durchaus in den letzen Monaten Stellen im privaten Sektor geschaffen worden, doch mit einer sehr mäßigen Dynamik. Die gestiegene Zahl von geleisteten Arbeitsstunden mache einerseits Hoffnung auf einen stärkeren Stellenaufbau, andererseits hätten die vor einigen Tagen veröffentlichten ADP-Beschäftigungsdaten einen leichten Stellenabbau im Privaten Sektor ausgewiesen. Die Arbeitslosenquote dürfte leicht von 9,5% auf 9,6% gestiegen sein.

Des Weiteren stehe heute der US-Serviceindex für August auf dem Programm, für den man eine weitgehend stabile Entwicklung erwarte (54,0 nach 54,3 Punkten).

Auch für die Eurozone würden heute die Serviceindices - in endgültiger Fassung - für den Monat August veröffentlicht. Würden sich die vorläufigen Daten bestätigen, habe sich die Situation im deutschen Dienstleistungssektor weiter aufgehellt, während sich für die gesamte Eurozone eine nicht ganz so dynamische Entwicklung abzeichne. (03.09.2010/ac/a/m)




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