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So entwickelten sich Vermögensverwaltende Fonds in 2018


22.10.18 11:30
Asset Standard

Arnsberg (www.fondscheck.de) - Nach einem erfolgreichen Start der Aktienmärkte in das Jahr 2018 folgte Ende Januar bereits die Ernüchterung, so die Experten der Asset Standard GmbH.

Dafür seien erste Anzeichen anziehender Inflation und die damit einhergehende Angst vor steigenden Zinsen verantwortlich gewesen. Diese Befürchtungen hätten im Februar weiteren Nährboden bekommen, nachdem in den USA die Arbeitsmarktzahlen überdurchschnittlich gut ausgefallen seien. Die Folge seien der sogenannte "Flash Crash" gewesen, bei dem die Aktienmärkte kurzzeitig eingebrochen seien. Dieser Marktbewegung sei eine Verkaufswelle gefolgt, die durch systematische und quantitative Verkaufssignale ausgelöst worden sei und dadurch den Abwärtstrend zusätzlich verstärkt hätten.

Nach diesem Ereignis sei die Skepsis der Anleger bestehen geblieben, was auch an der zunehmenden Volatilität festzumachen gewesen sei. Trotz der Befürchtung steigender Zinsen hätten diese in den USA auf einem - zwar relativ hohen - konstanten Niveau verharrt. Grundlegend für das Niveau seien hauptsächlich die Erhöhungen der US-Leitzinsen aufgrund der wirtschaftlich stabilen Konjunkturdaten gewesen. In Europa hingegen sei das Zinsniveau gefallen. Insgesamt hätten sich die Aktienmärkte aber wieder etwas erholen können nach dem "Flash Crash", da die positiven Wirtschaftsfaktoren die Anlegerängste vorerst gemindert hätten.

Im März habe Donald Trump ein weiteres umstrittenes Wahlversprechen umgesetzt und damit erneut Ängste an den Aktienmärkten geschürt. Dabei habe die Einführung von Importzöllen auf Stahl und Aluminium und die Androhung von Gegenmaßnahmen seitens der EU und China für fallende Aktienmärkte gesorgt, die dadurch erneut die Tiefstände vom Februar erreicht hätten. Etwas mildere Töne aus dem weißen Haus hätten im April eine zwischenzeitliche Erholung der Märkte zugelassen. Diese sei aber durch den Anstieg der Ölpreise wieder gedämpft worden. Zudem seien in den USA Sorgen um die Quartalszahlen hinzugekommen, nicht zuletzt wegen der relativen Stärke des US-Dollars.

In Europa habe neben dem schwächelnden Euro vor allem die Politik eine entscheidende Rolle gespielt. Die unsichere politische Lage in Italien nach den Neuwahlen und die schwierige Regierungsbildung hätten für Ängste bei den Anlegern gesorgt. Erschwerend sei für die Eurozone hinzugekommen, dass der spanische Regierungschef zur Amtsaufgabe durch ein Misstrauensvotum gezwungen gewesen sei. Die Situation in Italien habe sich zwischenzeitlich beruhigt und es sei wieder der Handelsstreit in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. Dabei habe im Juni eine weitere Stufe der Eskalation zwischen den USA und China bzw. der EU für Kursrückgänge an den globalen Aktienmärkten gesorgt. Insbesondere davon betroffen seien die Schwellenländeraktien gewesen, welche zusätzlich noch unter dem starken US-Dollar gelitten hätten.

Im dritten Quartal 2018 hätten sich die weltweiten Aktienmärkte, gemessen an dem MSCI World-Index, kontinuierlich verbessern können. Dies sei hauptsächlich auf die gute wirtschaftliche Entwicklung in den USA zurückzuführen gewesen, wo die Berichtssaison der US-Unternehmen die Erwartungen deutlich übertroffen habe und weiterhin gute Konjunkturdaten und Aktienrückkäufe unterstützend hinzugekommen seien. Auch in Europa hätten die Unternehmen die Gewinn- und Umsatzerwartungen übertreffen können und hätten - dadurch bedingt - im Juli flächendeckende Kursgewinne an den Aktienmärkten erreicht. Der europäische Aufwärtstrend sei aber nur von kurzer Dauer gewesen und sei schon im August wieder ins Negative umgekehrt worden.

Parallel hätten weiterhin die bestehenden Unruheherde geköchelt, wie die US-Inflationssorgen, der italienische Haushaltsplan, die schleppenden Brexit-Verhandlungen und der Handelsstreit zwischen den USA und China. Zudem hätten noch die Währungskrisen in der Türkei und Argentinien für die Aktien- und Anleihemärkte an Bedeutung gewonnen. Letztere hätten im September für etwas Beruhigung gesorgt, nachdem die Türkische Zentralbank - gegen den Wunsch von Präsident Erdogan - Maßnahmen zur geldpolitischen Straffung ergriffen habe und der IWF das Rettungspaket für Argentinien ausgeweitet habe. Hingegen habe die italienische Regierung - nach vermeintlichem Konsens im Haushaltsstreit mit der EU - mit dem Plan eines höheren Defizits und langsameren Abbau von Staatsschulden für Unruhen gesorgt.

Dies habe an den Märkten verschiedene Reaktionen hervorgerufen. So hätten die US-Aktienmärkte - trotz Ausweitung der Importzölle auf chinesische Güter - von der zunehmenden Risikobereitschaft der Anleger profitieren und neue Bestmarken erreichen können. Der europäische Aktienmarkt habe ebenfalls leicht gewonnen, nur deutsche Werte hätten deutlich verloren. An den Anleihemärkten sei zuletzt - ebenfalls als Reaktion auf die steigende Risikobereitschaft - Verschiebungen der Nachfrage von den sicheren Häfen (Deutschland, USA) hin zu den Peripherie- und Schwellenländeranleihen beobachtet worden.

"Die Vermögensverwaltenden Fonds hatten mit den schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen", so Nicolai Bräutigam von der MMD Analyse & Advisory GmbH. Mit einer eigenen Datenbank und seinem Analyse-Instrumentarium sei das Arnsberger Research-und Beratungshaus seit Jahren auf das Produktsegment spezialisiert. Die Wertentwicklung der VV-Fonds, gemessen am MMD-Index All Fund, liege für das Jahr 2018 (bis zum 30.09) bei -0,87%. Die durchschnittliche Performance der einzelnen Anlagestrategien liege ebenfalls jeweils negativ. Dennoch hätten sich die VV-Fonds durch aktives Risikomanagement auszeichnen und Verluste im Vergleich zur Benchmark minimieren können.

"Die maximalen Draw-Downs, also der maximale Verlust in diesem Zeitraum, fällt bei allen vier Anlagestrategien - relativ gesehen - niedrig aus", so Bräutigam. Zum Vergleich: Der maximale Draw-Down bei den offensiven Anlagestrategien liege im Schnitt bei -4,58%, während der Aktienindex DAX Verluste in Höhe von -8,28% habe hinnehmen müssen.

Die Bandbreiten in den Anlagestrategien würden einen tieferen Eindruck über die Wertentwicklungen vermitteln. Während die beste Performance unter den defensiven Fonds +5,35% betrage, habe der schlechteste Fonds einen Verlust von -7,82% verbuchen müssen. Der Medianwert liege bei -1,39%. Dieser zeige den Mittelwert (50%-Punkt) in der Vergleichsgruppe an, d.h. 50% der defensiven Fonds hätten eine höhere Wertentwicklung als der Medianwert und 50% würden eine niedrigere Wertentwicklung ausweisen. Der Anteil der Fonds, die ein positives Ergebnis erzielt hätten, liege insgesamt niedrig: Nur knapp über 13% der defensiven Fonds könnten positive Ergebnisse für 2018 ausweisen.

Defensive VV-Fonds - Die besten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
PTAM Defensiv Portfolio/ 5,35%/ 5,52%/ -3,47%/ 0,53
AB - All Market Income Portfolio A2x/ 3,04%/ 6,63%/ -4,88%/ 0,19
Loomis Sayles Multisector Income Fund R/A/ 2,96%/ 5,12%/ 2,60%/ 0,19
Fidelity Funds - MA Tactic Defensive A acc/ 2,30%/ 7,54%/ -3,99%/ 0,18
Nordlux Pro Fondsmanagement - Bürgerstiftungsfonds/ 1,99%/ 3,02%/ -1,18%/ 0,64

Defensive VV-Fonds - Die schlechtesten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
Sparda München Vermögensverwaltung/ -4,09%/ 3,93%/ -5,26%/ neg.
DWS Concept ARTS Conservative/ -4,43%/ 2,81%/ -5,43%/ neg.
BFI(Lux) - BFI C-QUADRAT ARTS Conservative R/ -4,73%/ 2,84%/ -5,79%/ neg.
MARS-5 MultiAsset-lNVEST/ -5,04%/ 2,56%/ -5,56%/ neg.
Degussa Bank Universal Renten-Fonds/ 7,82%/ 13,23%/ -12,99%/ neg.

Besser abschneiden können hätten hingegen die Anlagestrategien Ausgewogen und Offensiv. So liege der Anteil positiv performender VV-Fonds bei der ausgewogenen Kategorie doppelt und bei der offensiven Kategorie mehr als dreimal so hoch. Dabei seien die jeweils höheren Aktienquoten in diesen Klassen ausschlaggebend für die besseren Ergebnisse. Bei den ausgewogenen Fonds könnten 29% und bei den offensiven Fonds sogar 48% positiv performen. Die Medianwerte lägen bei -1,07% und -0,11%. Auffällig sei, dass von den schwächsten ausgewogenen VV-Fonds hinsichtlich Performance vier von fünf VV-Fonds ihren Fokus auf Schwellenländer legen würden. Auch bei der offensiven Kategorie würden sich zwei Emerging Markets Fonds unter den schwächsten Fünf befinden.

Ausgewogene VV-Fonds - Die besten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
Global Allocation UI/ 6,24%/ 5,52%/ -2,74%/ 0,46
J.Henderson Balanced Fund A acc/ 4,55%/ 6,57%/ -4,23%/ 0,26
Phaidros Funds Balanced A/ 4,38%/ 6,07%/ -3,72%/ 0,33
DWS Garant 80 Dynamic/ 3,99%/ 9,02%/ -6,57%/ 0,28
apo Medical Balance R/ 3,84%/ 3,77%/ 2,68%/ 0,71

Ausgewogene VV-Fonds - Die schlechtesten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
UB5 Emerging Markets Income (USD) (EUR hedged) P-acc/ -8,36%/ 10,10%/ -12,92%/ neg.
Allianz Global Fundamental Strategy D H2/ -8,78%/ 3,03%/ -8,78%/ neg.
Schroder ISF Emerging Multi-Asset income A Hedged/ -11,05%/ 11,98%/ -16,10%/ neg.
Templeton - Emerging Markets Balanced Fund A(Ydis) -Hl/ -11,31%/ 9,49%/ -14,60%/ neg.
Carmignac PF Emerging Patrimoine A acc/ -11,92%/ 6,67%/ -13,75%/ neg.

Offensive VV-Fonds - Die besten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
FU Mult Asset Fonds P/ 9,44%/ 10,33%/ -4,25%/ 0,34
BNY Mellon Global Opportunities Fund A/ 8,90%/ 8,83%/ -4,98%/ 0,27
Favorit Invest offensiv/ 7,76%/ 7,73%/ -3,53%/ 0,40
MFS Meridian Prudent Wealth Fund A1/ 7,71%/ 5,65%/ -1,30%/ 0,31
ÖkoWorld Rock n Roll Fonds C/ 7,08%/ 8,99%/ -3,67%/ 0,40

Offensive VV-Fonds - Die schlechtesten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
Value Opportunity Fund P/ -6,67%/ 4,32%/ -6,87%/ neg.
B&B Fonds - Dynamisch/ -6,97%/ 8,16%/ -8,75%/ neg.
AvH Emerging Markets Fonds Ul B/ -7,28%/ 7,66%/ -10,07%/ neg.
Friedrich & Weik Wertefonds R/ -7,39%/ 5,53%/ -7,39%/ neg.
AB - Emerging Markets Multi Asset Portfolio A H/ -10,03%/ 14,10%/ -16,92%/ neg.

Bei der flexiblen Anlagestrategie liege der Anteil positiv performender Fonds leicht unter dem der ausgewogenen VV-Fonds. Hier könnten 26% der Fonds einen positiven Ertrag generieren und der Medianwert liege bei -1,57%. Die Bandbreite der flexiblen Fonds reiche von -13,40% bis +11,38%. Damit stelle die flexible Kategorie, im Hinblick auf die Performance, sowohl den besten als auch den schlechtesten VV-Fonds im MMD-Index All Fund Basis. Diese großen Unterschiede in der Performance würden die Selektion eines flexiblen VV-Fonds erschweren und daher eine sehr genaue Analyse im Vorfeld benötigen.

Flexible VV-Fonds - Die besten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
Seilern Global Trust T/ 11,38%/ 6,38%/ -2,36%/ 0,47
Varios Flex Fonds Ul/ 9,15%/ 8,41%/ -3,64%/ 0,51
ÖKOBASIS One World Protect R/ 7,93%/ 7,23%/ -2,81%/ 1,09
Global Markets Growth/ 7,44%/ 13,36%/ -8,38%/ 0,55
Böhke & Compagnie Vermögensverwaltungsfonds/ 7,02%/ 4,89%/ -1,96%/ 1,43

Flexible VV-Fonds - Die schlechtesten Performanceergebnisse in 2018

Fondsname/ Performance YTD/ Volatilität YTD/ DrawDown YTD/ Sharpe Ratio YTD
D&R Best-of-Two Classic/ -7,94%/ 7,01%/ -8,92%/ neg.
Incrementum Inflation Diversifier Fund R/ -8,45%/ 5,58%/ -8,69%/ neg.
Kapital multiflex B/ -11,73%/ 5,26%/ -11,72%/ neg.
Degussa Bank Portfolio Privat Aktiv/ -12,81%/ 24,34%/ -20,75%/ neg.
M&W PRIVAT/ -13,40%/ 13,29%/ -15,38%/ neg.

Die Entwicklung der VV-Fonds in 2018 reflektiere die gesamtwirtschaftliche Situation und sollte nicht als Grundlage für eine Investmententscheidung genutzt werden, warne Bräutigam. Für eine leistungsgerechte Bewertung des Fondsmanagers müssten vielmehr die Produkte im Detail und über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet werden. Dabei könnten in einem ersten Schritt quantitative Rankings helfen, eine entsprechende Vorauswahl zu treffen. Um sich ein gutes Gesamtbild zu verschaffen, müssten zudem Anlageprozess und Fondsmanagement qualitativ untersucht werden. Nur so würden sich die Ergebnisse einordnen und die Managerleistung bewerten lassen. (Stand vom 30.09.2018) (22.10.2018/fc/a/f)