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Offenlegungsverordnung: Vorsicht vor nachhaltig falschem Marketing - Fondsnews


07.04.21 14:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - "FONDS professionell"-Chefredakteur Bernd Mikosch warnt davor, den Eindruck zu erwecken, die Transparenzpflichten für ESG-Fonds seien ein Gütesiegel, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Mitte März scharf gestellte EU-Offenlegungsverordnung verpflichte Fondsanbieter darzulegen, wie sie mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen würden. Diese Transparenz sei wichtig, ohne sie lasse sich das vielfach vermutete Greenwashing nicht bekämpfen. Doch leider würden Teile der Asset-Management-Branche mit der Verordnung so umgehen, dass sie diesem Greenwashing-Verdacht womöglich neue Nahrung geben würden.

Der Grund: Die Verordnung schaffe de facto neue Produktkategorien. Für Fonds, die eine ESG-Strategie oder konkrete Nachhaltigkeitsziele verfolgen würden, schreibe das Regelwerk in Artikel 8 und 9 umfangreiche Offenlegungspflichten vor. Einige Anbieter würden nun stolz via Pressemitteilung verkünden, wie viele ihrer Fonds unter einen dieser Artikel fallen würden. Zu lesen seien Formulierungen à la "qualifizieren sich für Artikel 8" oder "erhalten eine Artikel-9-Einstufung" - ganz so, als handle es sich um ein Gütesiegel, das die EU vergeben würde. Doch das sei nicht der Fall.

Die Anbieter würden ihre Fonds vielmehr selbst einstufen. Mit Artikel 8 und 9 seien außerdem keinerlei qualitative Vorgaben verbunden. Ein entsprechender Fonds dürfe beispielsweise weiterhin in Unternehmen investieren, die eifrig Kohlendioxid ausstoßen würden. Er müsse diese Emissionen nur ausweisen. Der Name der Verordnung sei an dieser Stelle Programm: Es gehe um Offenlegung, nicht um ein Urteil über ökologisch oder ethisch korrekte Investments. Daher sollten sich die Anbieter davor hüten, ihr Marketing zu überreizen. (07.04.2021/fc/n/s)