Geopolitische Risiken lenken ETP-Kapitalströme


16.05.18 11:31
ETF Securities

London (www.fondscheck.de) - Bei Long-Rohöl-ETPs (ISIN DE000A1N49P6 / WKN A1N49P) kam es zu Abflüssen in Höhe von 39,5 Mio. USD, da Anleger nach dem Anstieg der Rohölpreise um 3,2 Prozent Gewinne mitnahmen, berichten die Experten von ETF Securities.

Der Anstieg auf das Dreieinhalbjahreshoch sei der Ankündigung der USA gefolgt, sie würden die Sanktionen gegen den Iran wiedereinführen. Dabei seien die globalen Rohölmärkte infolge der Produktionsausfälle in Venezuela und der Vertragstreue der OPEC-Staaten, die die vereinbarten Förderkürzungen weitgehend einhalten würden, bereits sehr angespannt.

Die Experten von ETF Securities rechnen allerdings damit, dass sich die extraterritorialen Vorschriften der USA nur geringfügig auswirken werden, da die USA kein iranisches Rohöl importieren und die erdölimportierenden Länder die Haltung der USA nicht zu übernehmen scheinen. Die Sanktionen würden, kurz gesagt, iranisches Rohöl wohl nicht vom Markt jagen. Lediglich die geopolitische Prämie dürfte nicht so bald verschwinden. Da einige andere Länder die Förderung steigern würden, dürften die jüngsten Zugewinne zum Teil aufgezehrt werden. Letztere wirken in dieser Höhe nicht nachhaltig, und die Anleger scheinen Gewinne mitzunehmen, so die Experten von ETF Securities.

Angesichts des erhöhten politischen Risikos hätten Gold-ETPs an Attraktivität gewonnen. Der politische Kalender sei gut gefüllt. Im kommenden Monat stehe das Treffen zwischen Präsident Trump und Kim Jong-un auf dem Programm, und die Risiken, dass die Atommächte aneinander geraten würden, statt einen Friedensplan zu entwickeln, seien nicht unerheblich. Darüber hinaus sei die Maßnahme gegen den Iran ein Zeichen, dass die USA ihre diplomatische Präsenz im Nahen Osten wiederherstellen möchten. Ob dies die Stabilität in der Region fördere oder behindere, lasse sich bislang nicht sagen. Sollte sich der Iran aus dem gemeinsamen umfassenden Aktionsplan zurückziehen, könnte die Region unserer Ansicht nach ins Chaos stürzen und der Stellvertreterkrieg mit Saudi-Arabien eskalieren, so die Experten von ETF Securities. Long-Gold-ETPs hätten Zuflüsse in Höhe von 16,7 Mio. USD verzeichnet, während in die eng korrelierten Silber-ETPs 3,1 Mio. USD geflossen seien.

Short-FTSE-MIB-Aktien-ETPs hätten die höchsten Zuflüssen seit Juni 2017 verzeichnet, da die Anleger eine Koalitionsregierung der Anti-Establishment-Parteien in Italien fürchten würden. Dabei hätten Short-FTSE-MIB-ETPs um 3,6 Mio. USD zugelegt, während es bei Long-FTSE-MIB-ETPs zu Abflüssen in Höhe von 4,5 Mio. USD gekommen sei. Als der Termin für die Regierungsbildung gestern verstrichen sei, seien die Anleihe- und Aktienmärkte überraschend ruhig geblieben. Die Experten von ETF Securities sind der Überzeugung, dass sich ETP-Anleger für eine Krise in dieser Woche positioniert haben.

Anleger seien sich über die Richtung von Aluminium (ISIN DE000A0KRJS4 / WKN A0KRJS) offenbar uneinig. Bei Long-Aluminium-ETPs sei es mit 1,9 Mio. USD zu den höchsten wöchentlichen Zuflüssen seit Februar 2018 gekommen. Zugleich seien in Short-Aluminium-ETPs 1,1 Mio. USD geflossen - soviel wie zuletzt im Mai 2016. Auch wenn die Preise ausgehend von den Hochs des letzten Monats gesunken seien, als die USA Sanktionen gegen den Großaktionär einer russischen Bergbaugesellschaft verhängt hätten, dürften sie wieder ansteigen, sobald die Sanktionen (und die Handelsbeschränkungen gegen China) in Kraft treten würden.

Die Anleger nähmen hinsichtlich des Euro gegenüber dem US-Dollar wieder eine optimistischere Haltung ein. In der letzten Woche seien Long-EUR-Short-USD-ETPs im Wert von 9,7 Mio. USD ge- und Long-USD-Short-EUR-ETPs im Wert von 8,3 Mio. USD verkauft worden. Anleger scheinen nicht überzeugt, dass die jüngste moderate Aufwertung des US-Dollar nachhaltig ist, so die Experten von ETF Securities. Obwohl sich die wirtschaftlichen Daten in Europa weiter abschwächen würden und es kaum Anzeichen gebe, dass sich die FED von weiteren Zinsanhebungen in diesem Jahr abbringen lasse, seien die Experten der Überzeugung, dass die Zinsdifferenz den US-Dollar höher treiben könnte. (Ausgabe vom 15.05.2018) (16.05.2018/fc/a/e)





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