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DWS-Chef kündigt Sparmaßnahmen an - Fondsnews


11.02.19 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Wie der neue Vorstandschef der Fondsgesellschaft, Asoka Wöhrmann, in einem Interview mit dem "Handelsblatt" sagt, mindern Doppelstrukturen und Überschneidungen bei Produkten sowie Standorten, aber auch in der eigenen Führungsstruktur die Schlagkraft der DWS, so die Experten von "FONDS professionell".

Wöhrmann wolle "festgefahrene Strukturen aufbrechen", um den Asset Manager effizienter aufzustellen. Dabei deute er insbesondere in der Führungsstruktur Umbauten an. "Die Treppe wird von oben gekehrt", stelle der Manager klar.

Wöhrmann habe im Oktober 2018 Nicolas Moreau an der Spitze der Fondsablegers der Deutschen Bank abgelöst. Moreau habe die DWS fit für die Börse gemacht und im vergangenen März aufs Parkett gebracht. Bereits kurz nach dem Stabwechsel habe Wöhrmann den Vertriebsleiter Thorsten Michalik sowie den fürs operative Geschäft zuständigen Jon Eilbeck durch enge Vertraute ersetzt. Kurz vor Weihnachten habe Wöhrmann dann neue Regionenchefs ernannt, die mehr Einfluss erhalten hätten.

Diesen Kurs wolle der neue DWS-Chef fortsetzen, der vom Mutterhaus zurück zur Fondstochter gewechselt sei. "Einen globalen Vertriebsapparat können Sie nicht einfach zentral aus Frankfurt oder London steuern", erkläre Wöhrmann, und werde konkret: "Als Nächstes sind die einzelnen Länderchefs dran. Die leitenden Manager vor Ort sollen viel stärker für ihre Produktpalette und ihre Kundenbasis verantwortlich sein."

Auch beim Vertrieb selbst wolle Wöhrmann ansetzen. "Es reicht bei keinem Kundentyp mehr, einfach ein tolles Produkt anzupreisen", so der frühere Investmentchef der DWS. "Sie müssen die richtigen Lösungen für individuelle Kundenherausforderungen parat haben." Der Vertrieb müsse noch sehr viel näher an die Kunden und deren Bedürfnisse heranrücken.

Eher zurückhaltend kommentiere der Leiter des Asset Managers die von seinem Vorgänger gesetzten Ziele. "Im vergangenen Jahr hatten wir ein Erwartungsproblem", so Wöhrmann in dem Zeitungsinterview. Der Börsengang im März 2018 und die damit verbundene größere Freiheit habe die Mitarbeiter durchaus angespornt. "Aber wenn man fliegen will, dann muss man auch kräftig mit den Flügeln schlagen - man kann nicht nur gleiten, sonst verliert man an Momentum."

Selbst Moreau habe bereits nach kurzer Zeit das ursprünglich ausgerufene Ziel einkassiert, jährlich neue Kundengelder in Höhe von drei bis fünf Prozent des verwalteten Vermögens einzusammeln. Zumindest 2018 sei die Reise in die entgegengesetzte Richtung gegangen: Über das Jahr verteilt hätten Anleger unterm Strich 22 Milliarden Euro vor allem aus aktiv gemanagten DWS-Fonds abgezogen. Angesichts des fortgeschrittenen Börsenzyklus habe es Wöhrmann dann auch "gefährlich, solche statischen Vorgaben in einer späten und immer dynamischeren Phase des Zyklus einfach auf die Zukunft zu übertragen" genannt.

Die Vorgaben von Wöhrmann würden dann auch nüchterner klingen. "Unsere Ziele gelten, aber sie sind angesichts der Realität an den Märkten ehrgeizig", habe es der Manager diplomatisch formuliert. Stattdessen wolle der neue Chef weiter sparen. Zwar sei die Aufstellung des Hauses als Vollsortimenter gerade in schwierigen Börsenphasen vorteilhaft. "Doch die Margen atmen mit dem Marktzyklus. Und wenn die Margen sinken, muss man noch ehrgeiziger bei den Kosten werden", habe Wöhrmann dem "Handelsblatt" gesagt.

An einer Stelle wolle der neue Firmenlenker aber offenbar auf dem Gaspedal bleiben: Bei den Portfoliomanagern. "Wir werden natürlich weiter in Fondsmanager investieren. Wir werden noch gute Leute einstellen, und wir müssen unsere jüngere Riege stärker in die Verantwortung nehmen", so der Konzernchef, der 17 Jahre bei der DWS gearbeitet habe. Zudem sei es "ein großes Glück", dass Tim Albrecht bei der DWS geblieben sei. "Unser Geschäft lebt von der Qualität unserer Fondsmanager - und auch von Stars. Davon können wir nie genug haben." (11.02.2019/fc/n/s)