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iShares-Vertriebschef Scharl: "Neue Ära in der Beratung bricht an" - ETF-News


06.03.18 14:54
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Peter Scharl, Regionenleiter bei der ETF-Tochter des Fondsriesen BlackRock, skizziert die Veränderungen, die auf Finanzberater zukommen, so die Experten von "FONDS professionell".

Zudem erläutere er, warum die ETF-Branche von Mifid II profitiere - und weise Kritik an den Indexfolgern zurück.

Die Rolle der Finanzberater sei in einem grundlegenden Wandel begriffen. Dies sage Peter Scharl, Leiter für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei iShares, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Wir stehen vor einer neuen Ära in der Beratungswelt", so Scharl.

Veränderungen sehe der Vertriebschef der zum Vermögensverwaltungsriesen BlackRock gehörenden Gesellschaft auf mehreren Ebenen. "Der Dialog mit dem Kunden ergibt sich künftig aus dem Zusammenspiel von digitaler und persönlicher Beratung", erläutere Scharl. Demnach würden digitale Elemente wie Robo Advice an Bedeutung gewinnen. Doch der Kontakt von Mensch zu Mensch werde weiterhin eine wichtige Rolle spielen, die persönliche Beratung nicht aussterben.

Dennoch würden Beratern künftig andere Aufgaben zuteil. "Bislang sind Berater es gewohnt, selbst Wertpapiere auszuwählen. Dies wird sich ändern", habe Scharl prophezeit. Berater würden zu ganzheitlichen Wealth Managern, die ihren Kunden komplette Anlagelösungen vermitteln würden. "Es geht in Richtung einer holistischen Beratung, die nicht mehr nur Investmentfragen abdeckt, sondern die gesamte finanzielle Situation der Kunden erfasst", habe der BlackRock-Mann ergänzt.

Die Markteinschätzung und Asset Allocation erfolge dagegen immer häufiger aus einem Guss. "Diese Einschätzung wird dann in Form von Rund-um-Anlagelösungen über die Berater an die Kunden weitergereicht", erläutere Scharl. Hintergrund dieser Entwicklung sei die verschärfte Regulierung. Im Zuge derer erscheine eine regelkonforme Portfoliokonstruktion nunmehr aus zentraler Hand gewährleistet und wirtschaftlich betreibbar.

Die neue Regulierung durch die Finanzmarktrichtlinie Mifid II sehe Scharl für sein eigenes Haus und die ETF-Branche insgesamt hingegen als Chance. "Mifid II eröffnet eine enorme Opportunität für ETF-Anbieter." Transparenz und Kosten eines Investments würden aufgrund der Richtlinie noch stärker im Vorderrund stehen. "Dies ist das perfekte Umfeld für kostengünstige und transparente ETFs", zeige sich der Manager überzeugt.

Bereits im vergangenen Jahr habe die Indexfolger-Industrie ein neues Rekordjahr verbucht. Das in den passiven Produkten verwaltete Vermögen sei weltweit auf mehr als 4,5 Billionen US-Dollar (rund 3,7 Billionen Euro) geklettert. Die BlackRock-Tochter wiederum sei so stark wie noch nie gewachsen. Das Haus habe unter dem Strich ein Mittelaufkommen von 246 Milliarden Dollar verbucht. "2017 war in punkto Wachstum ein herausragendes Jahr für uns und die gesamte ETF-Branche", kommentiere Scharl.

Kritik an passiven Produkten, die im Zuge der Börsenkorrektur wiederaufgeflammt sei, weise der iShares-Mann hingegen zurück. "Das Argument, dass ETFs eins zu eins den Markt abbilden und damit auch im Abschwung voll dabei sind, lasse ich nicht als Nachteil gelten", so Scharl. "Denn auch ein aktiver Aktienfonds ist üblicherweise voll im Markt investiert - und nimmt daher Abschwünge mit." Die Erfahrung der vergangenen Jahre und auch der jüngste Marktrücksetzer würden vielmehr zeigen, dass Anleger in schwierigen Marktphasen sogar vermehrt auf ETFs setzen würden, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können.

So betone Scharl, dass ETFs nicht eine Konkurrenzrolle zu aktivem Management einnähmen, sondern als Instrument vielmehr Teil dessen sein könnten. "Aktives Management und passive Produkte schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich vielmehr", habe Scharl erläutert. "So dienen ETFs etwa in Indexportfolios oder anderen, standardisierten Investmentlösungen als effiziente Bausteine." (06.03.2018/fc/n/e)