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Was bedeutet die Indexumstellung für ETFs? - ETF-News


02.10.18 10:30
Ginmon GmbH

Frankfurt am Main (www.fondscheck.de) - Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen, so Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters Ginmon.

Für diese Binsenweisheit erst einmal einen Fünfer ins Phrasenschwein. Aber ernsthaft: Wem würden Kalendersprüche schon weiter helfen? Bei der Geldanlage lasse sich auf Aphorismen prima verzichten.

Am Beispiel der neuen Indexzusammenstellung in MDAX, SDAX und TecDAX lasse sich sehr gut veranschaulichen, warum dunkle Prognosen im Rahmen der Index-Umstellung irreführend gewesen seien. Auguren hätten steigende Bewertungen bei Aktien und steigende Preise bei ETFs vorausgesagt. Nichts davon sei eingetroffen.

Seit dem 24. September entfalle die gewohnte Trennung zwischen Tech und Classic-Segment der Deutschen Börse. Bedeute: Der Mittelstandsindex MDAX und das Technologiebarometer TecDAX hätten Zuwachs durch neue Titel erhalten. Zusätzlich seien MDAX und SDAX vergrößert worden. Zehn neue Mitglieder seien es für den MDAX, der so auf 60 Konzerne komme. Der SDAX sei sogar um 20 Werte gewachsen und zähle seither 70 Mitglieder. Damit aber nicht genug. Denn fortan seien auch Doppelmitgliedschaften möglich. So seien beispielsweise die DAX-Konzerne Deutsche Telekom und SAP fortan auch im TecDAX zu finden.

Einige Prognosen hätten nun stark steigende und fallende Aktienkurse vorausgesehen. Die Annahme: Da sich die Indices verändern würden, müssten Anbieter von ETFs verstärkt nachkaufen und umschichten, um die Portfolios der neuen Realität anzupassen. So hätten Titel der Commerzbank verkauft werden müssen, da sie den DAX verlassen habe und Positionen in Wirecard aufgebaut würden, die wiederum ihren Platz in Deutschlands Leitbarometer einnehme. Aufgrund der hohen Volumina der Index-Anbieter würden diese die Aktiennotierungen der Aufsteiger rasant ankurbeln. Das sei nur bedingt zutreffend. Fakt sei: Allein in den sechs größten DAX-ETFs würden mehr als 16 Milliarden Euro an Kundengeld stecken. Das sei eine Menge Geld. Vergleichsweise allerdings "lediglich" 1,5 Prozent aller 30-DAX-Aktien in Summe.

Zudem sei es längst nicht so, dass mit dem Datumswechsel auf den 24. September, also dem Tag der Umstellung, alle ETF-Anbieter ihre Kauf- und Verkauf-Orders platziert hätten. Etwa seit Mitte August habe die Deutsche Börse sogenannte Schattenindices veröffentlicht. Darin sei bereits die Zusammensetzung der Indices öffentlich zugänglich gewesen. Auf diese Weise hätten alle Marktteilnehmer die Chance gehabt, sich auf den großen Tag vorzubereiten. Und das taten und tun insbesondere alle Investmenthäuser gewissenhaft, so die Experten der Ginmon GmbH. Dabei würden die Gesellschaften eng mit Brokern zusammenarbeiten, um größere Marktverwerfungen zu vermeiden.

Zudem seien vom Gesamtvolumen, welches die ETF-Anbieter halten würden, jene abzuziehen, die den Index nicht physisch replizieren würden. Also ETFs die keine Aktien kaufen und halten, sondern die Entwicklung mittels eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps, nachvollziehen würden. So gesehen sei es einfach vorherzusehen gewesen, dass die Prognosen, die von Kursverwerfungen ausgegangen seien, falsch sein müssten.

Auch die Preise von ETFs würden sich - zumindest in Folge der Indexumstellung – nicht verändern. Schließlich bleibe der Wert des Produkts selbst unberührt. Lediglich das investierte Kapital werde folglich in einem anderen Verhältnis auf die enthaltenen Titel verteilt und angelegt. Dies passiere übrigens bei jeder unterjährigen Indexanpassung. Anleger könnten also beruhigt sein, weder würden die Preise steigen, noch würden die Aktienkurse explodieren. Man sollte merken: There ain't no such thing as a free lunch. Sinngemäß: Es gebe nichts geschenkt. Schon gar nicht an der Börse. Dafür einen Fünfer ins Phrasenschwein. (News vom 28.09.2018) (02.10.2018/fc/n/e)