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Was der Brexit für Fondsanleger bedeutet - Fondsnews


12.02.20 13:30
BVI

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Briten haben sich für den Austritt entschieden und am 31. Januar 2020 die EU verlassen, berichten die Experten vom BVI.

Das Vereinigte Königreich sei nun aus Sicht der EU Drittstaat. Anleger von britischen Fonds würden sich fragen, ob sich für sie mit einem Brexit rechtlich etwas ändere. Mit dem Austritt habe eine Übergangszeit begonnen, die sich bis zum 31. Dezember 2020 erstrecke. Bis dahin gelte das EU-Recht im Vereinigten Königreich. Es gebe aber zusätzlich die Möglichkeit einer einmaligen Verlängerung der Übergangsfrist um bis zu zwei Jahre. Darüber müsse die Regierung in London aber vor dem 1. Juli 2020 entscheiden. Für deutsche Anleger, die bereits in Fonds investiert seien, die in Großbritannien aufgelegt worden seien, würden sich keine Änderungen abzeichnen. Darauf weise die Aktion "Finanzwissen für alle" der im BVI organisierten Fondsgesellschaften hin.

Was bedeute der Brexit für Neuanleger? Während des Übergangszeitraums bleibe alles beim Alten. Wie es danach weitergehen werde, hänge von den Ergebnissen der Verhandlungen während des Übergangszeitraums ab. Wenn sich die Parteien bis zu dessen Ablauf nicht auf Sonderregelungen einigen würden, würden Fonds, die in Großbritannien aufgelegt worden seien, anschließend ein besonderes Anzeigeverfahren bei der nationalen Aufsichtsbehörde BaFin durchlaufen müssen. Der Prozess sei aufwändiger und komplexer als derzeit im europäischen Binnenmarkt, aber nicht unmöglich.

Eine Einschränkung des Vertriebs britischer Fonds sollte die Auswahlmöglichkeiten für deutsche Anleger kaum beeinträchtigen, denn in Großbritannien domizilierte Fonds würden in Deutschland derzeit nur eine geringe Rolle spielen. Lediglich 117 der rund 10.800 EU-(Teil-)Fonds, die in Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zugelassen seien, würden aus Großbritannien stammen. Zudem könnten britische Anbieter auch Niederlassungen in der EU nutzen oder gründen und dann deren Produkte mit einem "EU-Pass" verkaufen. Nach dem Brexit würden sich steuerlich weder für Alt- noch für Neuanleger Änderungen ergeben.

Auch für britische Anleger, die bereits in Fonds investiert seien, die in einem europäischen Land (außer UK) aufgelegt worden seien, zeichne sich während des Übergangszeitraums keine Änderung ab. Anders dagegen für britische Neuanleger. Wenn sich die Parteien bis zu dem Ablauf der Übergangsfrist nicht auf Sonderregelungen einigen würden, gäbe es für das Land anschließend keine Verpflichtung mehr, den Vertrieb von EU-Fonds zuzulassen. Freiwillig wäre das jedoch ohne weiteres möglich. (12.02.2020/fc/n/s)