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Schroders Global Investor Study 2019: 20 Prozent deutscher Anleger fürchten, nicht genug für den Ruhestand zu sparen


12.02.20 13:00
Schroders

London (www.fondscheck.de) - Es ist ein kognitives Rätsel: Zwar sind viele Menschen - weltweit rund 24 Prozent der Investoren im erwerbsfähigen Alter - besorgt, nicht genug für den Ruhestand zu sparen, gleichzeitig gehen die Anleger weltweit im Durchschnitt davon aus, im Ruhestand jedes Jahr 10,3 Prozent ihrer Ersparnisse ausgeben zu können, ohne dass ihnen das Geld ausgeht, so die Experten von Schroders.

Zu diesem Ergebnis komme die Schroders Global Investor Study 2019, für die mehr als 25.000 Anleger aus allen Teilen der Welt befragt worden seien.

Am größten sei diese Sorge bei den Babyboomern. Im Gegensatz zu den Millennials, von denen sich 21 Prozent mit der Höhe der eigenen Ersparnisse nicht ganz wohl fühlen würden, bezweifle ein Drittel der Babyboomer (34 Prozent), die noch nicht im Ruhestand seien, dass sie nicht ausreichend für den Lebensabend gespart hätten.

Geographisch betrachtet sei die Sorge, nicht genug zu sparen, bei nicht im Ruhestand befindlichen Anlegern in Asien und Europa am stärksten ausgeprägt. Von diesen seien 26 Prozent bzw. 25 Prozent beunruhigt, wenn sie auf die Höhe ihrer Ruhestandsersparnisse blicken würden. Niedriger seien die Zahlen auf dem amerikanischen Doppelkontinent, wo 22 Prozent der Anleger anzweifeln würden, ob sie genug sparen würden. Die höchste Besorgnis bestehe in Japan. 53 Prozent der dortigen Investoren, die ihren Ruhestand noch vor sich hätten, hätten diese Sorge geäußert. In Indien betrage dieser Prozentsatz dagegen lediglich 6 Prozent. Damit seien die Anleger in diesem Land am wenigsten besorgt.

Deutschland und Österreich lägen hier mit 20 Prozent bzw. 22 Prozent im europäischen Mittel (25 Prozent), wobei sich Österreich dadurch abhebe, dass hier ein überwältigender Großteil (96 Prozent) der Investoren im Ruhestand keinen Zweifel daran habe, für den Lebensabend ausreichend Mittel gespart zu haben. In Deutschland betrage der Anteil der Investoren, die dieser Ansicht seien, dagegen lediglich 76 Prozent. Österreicher, die noch nicht im Ruhestand seien, seien pessimistischer gewesen. 22 Prozent von ihnen hätten angegeben, sich um die Höhe ihrer Ersparnisse zu sorgen.

Angesichts dieser Sorgen würden die Erwartungen der Anleger an ihre finanziellen Möglichkeiten in der Ruhestandsphase überraschen. Anleger weltweit würden im Durchschnitt davon ausgehen, jedes Jahr 10,3 Prozent ihrer Ruhestandsersparnisse ausgeben zu können, ohne dass ihnen das Geld ausgeht. Ein Viertel glaube sogar, jedes Jahr mindestens 15 Prozent ausgeben zu können. Im Durchschnitt seien Anleger in Indien am zuversichtlichsten. Sie würden davon ausgehen, dass sie jedes Jahr 15 Prozent ihrer Ruhestandsersparnisse verbrauchen könnten. Anleger in Japan, wo auch die Sorge um die Höhe der Ersparnisse am größten sei, würden dagegen mit lediglich 7,3 Prozent rechnen.

Mit 9,5 Prozent bzw. 10,5 Prozent befänden sich die Deutschen und die Österreicher ungefähr im weltweiten Durchschnitt. Dabei seien Investoren in Deutschland, die sich im Ruhestand befänden, weitaus realistischer im Hinblick auf ihre finanziellen Möglichkeiten als Anleger, deren Ruhestand noch bevorstehe. Während Letztere glauben würden, jährlich 9,9 Prozent ihrer Ersparnisse ausgeben zu können, betrage dieser Wert für Ruheständler nur 6,8 Prozent.

Doch seien Bedenken gerechtfertigt oder würden Anleger zur Schwarzmalerei neigen? Und bestehe ein Missverhältnis zwischen der derzeitigen Altersvorsorge und den im Ruhestand geplanten Ausgaben? Die Studie zeige: Die Beiträge, die weltweit gespart würden, seien durchaus beachtlich. Weltweit würden Investoren im erwerbsfähigen Alter durchschnittlich 15,3 Prozent ihres monatlichen Einkommens für ihre Altersvorsorge sparen. Am meisten spare man im Durchschnitt in Asien mit 15,9 Prozent. Am wenigsten würden die Investoren auf dem amerikanischen Doppelkontinent mit 14,5 Prozent ihres Jahreseinkommens auf die Seite legen. Dazwischen liege Europa mit 14,9 Prozent.

Den höchsten Einkommensanteil der Personen im erwerbsfähigen Alter weltweit würden Anleger in Österreich und der Schweiz mit 21,6 Prozent bzw. 21,3 Prozent sparen. Die Sparquote deutscher Anleger liege ebenfalls über dem europäischen Durchschnitt und betrage 18,2 Prozent.

Obwohl sie noch weiter vom Ruhestand entfernt seien, würden "Millennials", oder auch die Generation Y genannt, weltweit mit 15,9 Prozent am meisten von ihrem Jahreseinkommen zurücklegen, verglichen mit 14,7 Prozent bei der Generation X, 13,7 Prozent bei den Babyboomern und 13,1 Prozent bei der "stillen Generation"4. Das deute darauf hin, dass sich jüngere Menschen dessen zunehmend bewusst seien, dass sie aufgrund der demographischen Entwicklung niedrigere staatliche Renten beziehen dürften und ihr Erspartes für längere Zeiträume ausreichen müsse, weil die Lebenserwartung steige.

Außerdem seien jüngere Generationen im Allgemeinen risikofreudiger und nähmen mit Blick auf den Ruhestand eine längerfristige Perspektive ein, was auf ein besseres Verständnis der Renditeentwicklung und der Erfordernisse an Geldanlagen in der Ansparphase hindeute. Bei den älteren Generationen (10 Prozent der Babyboomer und 16 Prozent der stillen Generation) sei dagegen die Wahrscheinlichkeit am größten, dass sie die Risiken nicht kennen würden, denen ihre Ruhestandsersparnisse im Vergleich zu ihren persönlichen Ersparnissen ausgesetzt seien.

Erfreulich sei: Menschen seien offen, sich zu mehr Sparen überzeugen zu lassen. So würden fast alle noch nicht im Ruhestand befindlichen Investoren weltweit (94 Prozent) glauben, dass bestimmte Faktoren sie dazu bringen würden, mehr fürs Alter zurückzulegen. Mehr als jeder Dritte würde sich von zusätzlichen Informationen darüber, wie viel Geld sie brauchen würden, um den von ihnen im Ruhestand gewünschten Lebensstandard zu erreichen, zu höheren Sparquoten bewegen lassen. Für Deutschland und Österreich sei die Zahl jener, die sich vorstellen könnten, mehr zurückzulegen, mit jeweils 88 Prozent etwas niedriger. Noch geringer seien diese Werte nur in Kanada und Dänemark (jeweils 86 Prozent).

Achim Küssner, Country Head Deutschland/Österreich/CEE-Med: "Diesen Ergebnissen zufolge besteht ein deutliches Missverhältnis zwischen der Zuversicht der Anleger in Bezug auf ihre Ruhestandsersparnisse und dem Prozentsatz davon, den sie nach Eintritt in den Ruhestand ausgeben wollen. Die Menschen leben nach Eintritt in den Ruhestand immer länger und sollten ihr Leben dann in der Gewissheit genießen können, dass ihre Ruhestandsersparnisse reichen werden. Unsere Studie zeigt aber, dass das bei vielen möglicherweise nicht so sein wird. Aus diesem Grund ist es dringend geboten, möglichst früh im Arbeitsleben damit zu beginnen, beständig und in ausreichendem Umfang zu sparen, und vor dem Eintritt in den Ruhestand ernsthaft darüber nachzudenken, welches Einkommensniveau man in seinem wohlverdienten Ruhestand dauerhaft aufrechterhalten kann."

Charles Neus, Leiter für Altersvorsorgelösungen bei Schroders in Frankfurt: "Die unrealistischen Erwartungen an die finanziellen Möglichkeiten im Ruhestand decken sich mit den Ergebnissen der Schroders Global Investor Study zu den Renditeerwartungen der Investoren. Laut der Studie übersteigen die Erwartungen der Investoren an die Erträge ihrer Investments die tatsächliche und auch von Experten prognostizierte zukünftige Performance der Märkte bei weitem. Nehmen wir die Diskrepanz zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Ausgaben im Ruhestand hinzu, die die Schroders Global Investor Study 2018 zutage gelegt hat, zeigt sich ein bedenkliches Bild: Vielen Anlegern könnte im Ruhestand ein böses Erwachen drohen, denn die angesparten Mittel und die tatsächliche Rendite könnten zu niedrig sein, um den Lebensstandard nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben aufrechtzuerhalten.

Als Vermögensverwalter ist es unsere Aufgabe, Menschen für diese Problematik zu sensibilisieren und ihnen passende Anlagelösungen zu bieten, die ihnen einen finanziell sorgenfreien Ruhestand ermöglichen. Hierbei sollten Investmentfonds nicht fehlen. Sie können eine interessante Möglichkeit für Wertzuwächse bei überschaubarem Risiko bieten und sind sowohl in der Ansparphase als auch im Ruhestand von höchster Bedeutung." (12.02.2020/fc/n/s)