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Nachhaltige Fonds knacken Marke von 100 Milliarden Euro - Fondsnews


10.09.20 14:00
BVI

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der ESG-Fondsmarkt in Deutschland wächst dynamisch: Das in nachhaltigen Fonds angelegte Vermögen hat inzwischen die Marke von 100 Milliarden Euro überschritten, so die Experten von BVI.

Rund die Hälfte davon liege in Publikumsfonds. Auch das Neugeschäft habe kräftig zugelegt. Im ersten Halbjahr 2020 hätten nachhaltige Fonds Nettozuflüsse von 7,2 Milliarden Euro verzeichnet. Davon hätten allein nachhaltige Publikumsfonds 7,7 Milliarden Euro beigesteuert; im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 sei das eine Steigerung um 160 Prozent. Gleichzeitig seien aus nicht nachhaltigen Fonds 3,4 Milliarden Euro abgeflossen.

Die im BVI bereits 2012 formulierten "Leitlinien zum verantwortlichen Investieren" hätten in der Branche eine Entwicklung in Gang gesetzt, die inzwischen beeindruckende Ergebnisse liefere: Über 96 Prozent des Wertpapierfondsbestandes werde heute von BVI-Mitgliedern verwaltet, die die Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UN PRI) anwenden würden.

Eine Analyse von ausgewählten, reifen ESG-Märkten in der EU auf Basis von Morningstar-Daten zeige zudem, dass einige Länder offenbar strengere Maßstäbe an ihre nachhaltigen Fonds setzen würden als andere. Zum Beispiel gebe es nur in Deutschland, Schweden und Norwegen Fonds, die unter gleichzeitiger Anwendung der fünf Ausschlusskriterien wie Kernkraft, Kohle, geächtete Waffen, Tabak und schwerwiegende Verstöße gegen die UN-PRI investieren würden. Holland, Frankreich und England hingegen würden keine solchen Nachhaltigkeitsfonds ausweisen. Das sei das Teil-Ergebnis einer BVI-Studie, die demnächst erscheinen werde.

"Der Trend zu nachhaltigen Anlagen ist in Deutschland ungebrochen. Damit das weiter so bleibt, setzen wir uns für eine Regulierung ein, die diese Entwicklung stärkt statt schwächt", sage Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI. "Nachhaltigkeitsregulierung muss klare Standards schaffen und Grünwäscherei unterbinden." Ein stures Festhalten am Fahrplan der Offenlegungsverordnung könne es daher aus Sicht des BVI nicht geben.

Richter weiter: "Die Marktakteure in manchen EU-Mitgliedstaaten scheinen zu glauben, dass sie sich mit den Aufsehern auf einen "comply or explain"-Ansatz verständigen und Anlegern Informationen nur häppchenweise zur Verfügung stellen können. Das ist nicht unser Rechtsverständnis, es verhindert ein Level Playing Field innerhalb der EU und es verwirrt die Anleger." Damit würde letztlich Vertrauen verspielt.

Zum Hintergrund: Fonds müssten bis zum Inkrafttreten der Verordnung am 10. März 2021 Vorlagen für Informationen zur Nachhaltigkeit in ihre Verkaufsprospekte aufnehmen. Die Vorlagen würden von den ESAs entwickelt und frühestens Ende Januar 2021 vorliegen. Den Fondsgesellschaften würden damit gerade einmal fünf Wochen Zeit bleiben, die Anlegerinformationen anzupassen. Um europaweit einheitliche Standards zu etablieren, fordere der BVI, den Start der Offenlegungsverordnung auf Anfang 2022 zu verschieben, auch um einen Gleichlauf mit dem Inkrafttreten weiterer Taxonomie-Informationspflichten zu ermöglichen und den Vertrieb der Produkte nicht zu behindern. (10.09.2020/fc/n/s)