Morningstar: So entlarven Sie "Untergangs-Propheten in eigener Sache" - Fondsnews


10.02.20 14:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Ali Masarwah, Chefredakteur von Morningstar Deutschland, warnt eindringlich vor prominenten Crash-Propheten, die mit immer wiederkehrenden Untergangs-Szenarien zuvorderst ihr eigenes Geschäftsmodell vorantreiben wollen, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Stiftung Warentest habe mit ihrer harten Kritik an dem auf Ideen der beiden Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik basierenden Friedrich & Weik Wertefonds erneut eine Debatte über sogenannte "Crash-Propheten" losgetreten. Dies nehme Ali Marsawah, Chefredakteur von Morningstar Deutschland, zum Anlass, via Twitter auf seinen Artikel "Obacht vor den Crash Propheten!" hinzuweisen.

"Das Problem an der Sache ist, dass Marc Friedrich mit seinen Thesen so gezielt seine Geschäftsmodelle befeuert, dass man nicht umhinkommt, ihm einen handfesten Interessenkonflikt zu bescheinigen", schreibe Masarwah. Wer mit solchem Serien-Alarmismus vor allem Handelsreisender in eigener Sache sei, komme als Retter der Anlegerschaft kaum in Frage. "Da die Warnungen der Untergangs-Propheten drastisch sind, müssen folglich auch ihre Rezepte von teufelsaustreibender Wirkung sein", so der Experte. Das führe zu "einseitigen Empfehlungen, die Anleger-Portfolios schlimmstenfalls in Schieflage bringen können".

Fünf Merkmale, wie man windige Crash-Propheten durchschaue:

1. Die Argumente seien simpel und auf den ersten Blick logisch, würden aber zu fragwürdigen Schlussfolgerungen führen

Crash-Propheten würden ihren Rundumschlag oft mit Fakten starten. Und würden aus diesen Fakten ihre abstrusen Thesen ableiten. Besonders oft stehe die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank am Anfang der Crash-Propheten-Legende. Dass die EZB den Zins auf null gesenkt habe, lasse sich nicht bestreiten. Ab jetzt könnten die Crash-Propheten ihr Oma-Blatt ausspielen, da die Deutschen Zinsen fast über alles andere schätzen würden. Da werde "dem Italiener" Mario Draghi vorgeworfen, "den deutschen Sparer" zu enteignen und dafür die "Euro-Schuldenländer" hochzupäppeln. Das sei natürlich Unfug. Die Deutschen würden wahrlich nicht als Opfer der EZB taugen, auch wenn negative Zinsen für Sparer unangenehm seien. (Die Realzinsen seien übrigen schon häufiger in der Vergangenheit, zu Bundesbankzeiten, negativ gewesen!).

Auf der Habenseite steht, dass wir Immobilien heute sehr günstig (re-)finanzieren können, dass wir von der Eurozone enorm profitieren, weil unsere Exportwirtschaft dank des unterbewerteten Euros boomt, dass die Beschäftigungslage in Deutschland hervorragend ist - alles das auch wegen der Geldpolitik der EZB, so die Experten von "FONDS professionell". Um nur ein paar Punkte zu nennen. Man solle merken: Bei Crash-Prophezeiungen stünden am Anfang einer abstrusen Argumentationskette oft unbestreitbare Fakten. Das mache sie für ein Laienpublikum schwer durchschaubar.

2. Die Prophezeiungen seien Teil ihres Geschäftsmodells

Doomsday-Propheten seien unterwegs in eigener Mission. Doch während ihre Bücher und Fonds für sie ein gutes Geschäft seien, würden ihre Kunden mitunter deutlich schlechter fahren. Auch hier lasse sich eine gängige Masche an der Kritik an der EZB-Geldpolitik festmachen. Die Argumentationskette: "Die Geldpolitik verzerrt die Märkte, sie führt in die Schuldenkrise und ultimativ zur Mega-Inflation, weshalb nur Sachwerte helfen". Nicht rein zufällig hätten viele Crash-Propheten auch den "passenden" Fonds zur Hand. Man solle merken: Wer sich die Frage "Cui bono?" ("Wem nützt es?") stelle, entlarve sehr schnell die scheinbar einfachen Lösungen der Doomsday-Propheten als potenzielle Bumerangs.

3. Viele Doomsday-Propheten seien Medienstars

Viele Medien würden die fragwürdigen Geschäftsmodelle der Crash-Propheten powern, weil sie leider die Qualität der Quote opfern und den Vertretern bedenklicher Thesen daher viel Publizität verschaffen würden. Nicht jede Talk-Runde im Fernsehen, leider auch nicht in den öffentlich-rechtlichen Sendern, habe den Anspruch, zu informieren. Hier laute das Zauberwort "Infotainment". Nur habe Infotainment leider oft nichts mit Information zu tun. Das mache solche Sendungen im Kontext von Geldanlagefragen höchst bedenklich, da viele uninformierte Bürger, die dringend effizient vorsorgen müssten, so aufs Eis gelockt würden. Merke: Traue nur den seriösen Medien und halte Dich von den Quoten-Hengsten fern, so die Experten von "FONDS professionell". (Es sei denn, man habe Lust auf Klamauk und wisse, wie man die Dauerquaselsendungen einzuordnen habe.)

4. In Fachkreisen würden Doomsday-Propheten eine Minderheiten-Meinung vertreten

Crash-Propheten würden von vielen seriösen Ökonomen nicht ernst genommen. Zu Recht. Ernsthafte Wissenschaftler könnten für komplexe volkswirtschaftliche Probleme selten einfache Lösungen präsentieren - eben weil sie komplex seien. Auch in der Asset-Management-Industrie hätten Doomsday-Propheten selten einen guten Leumund. Die allermeisten Vermögensverwalter würden ihren Auftrag nehmen, die bestmögliche Rendite für Anleger zu erzielen, durchaus ernst, weshalb sie dem Prinzip der Diversifikation verpflichtet seien. Das verbiete "Top oder Flop"-Strategien. Merke: Es sollte Sie bedenklich stimmen, wenn jemand zunächst ein Monster-Problemszenario aufbaut, das er dann mit den einfachsten Mitteln vorgibt, lösen zu können, so die Experten von "FONDS professionell". Am Ende sei das Problem da draußen gar nicht so groß, und die angebliche Lösung sei in Wahrheit das Problem?

5. Doomsday-Propheten würden auf die kurzen Aufmerksamkeitsspannen der Anleger bauen

Der Crash komme 2023. Ganz sicher. Und was, wenn er dann nicht käme? Dann werde sich im Zweifel kaum jemand daran erinnern, dass im Jahr 2020 die Krise für 2023 ausgerufen worden sei. Und wenn doch, dann gebe es hervorragende Ausreden: Eine Verschwörung der EZB mit der korrupten politischen Klasse habe den "todsicheren" Crash doch verhindert. Und natürlich sei aufgeschoben nicht aufgehoben. Welche Meldung im Internet würden Anleger eher anklicken: "Der Markt crasht - so retten Sie Ihr Geld!" oder "Bleiben Sie investiert, langfristig ermöglichen breit gestreute Aktienportfolios ordentliche Renditen"? Eben! Merke: Menschen neigen dazu, Grusel-Stories zu bevorstehenden Crashs eher Glauben zu schenken als Hausse-Prognosen, auch wenn letztere die Regel und erstere die Ausnahme sind, so die Experten von "FONDS professionell". (News vom 07.02.2020) (10.02.2020/fc/n/s)





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