Jahresüberblick Liquid Alternatives 2019: Wachstum bei Smart-Beta, gemischte Ergebnisse bei Long/Short-Strategien


11.02.20 10:30
Absolut Research

Hamburg (www.fondscheck.de) - 2019 war für traditionell Beta-orientierte Anlagen ein gutes Jahr, so die Experten von Absolut Research.

Die Aktienmärkte seien kräftig angestiegen und hätten dabei teilweise neue Höchststände erreicht. Auch im Rentenbereich hätten hohe Wertzuwächse realisiert werden können. Diese Entwicklung sei so zunächst nicht erwartet worden. In derartigen Marktphasen sei es grundsätzlich schwer, die Stärken liquider alternativer Strategien auszuspielen - vor allem relativ zum Aktienmarkt betrachtet. Das gelte vornehmlich für Long/Short-Strategien mit ihrem deutlich geringeren Marktbeta, betreffe jedoch auch Faktor- und Smart-Beta-Strategien, die in Haussephasen kapitalisierungsgewichteten Konzepten hinterherlaufen würden. Absolut betrachtet seien die Strategien profitabel gewesen und es habe sich einmal mehr gezeigt, dass eine Diversifizierung über unterschiedliche Regionen und Strategien die Performance stabilisieren könne.

Nach einer längeren Schwächephase, insbesondere 2018, habe die grundsätzlich gute Performance von Long/Short-Strategien eine anhaltende Konsolidierung in diesem Segment nicht verhindern können, die sich in Mittelabflüssen gezeigt habe. Zum Jahresende hätten positive Zuflüsse einen Silberstreif am Horizont markiert.

Nach Jahren des Produktbooms sei es zwar auch bei Faktorstrategien ruhiger geworden, dennoch sei das verwaltete Vermögen dieser Fonds weiter angestiegen. Dabei sei nicht nur der globale Smart-Beta-Markt gewachsen, auch in Europa habe das Segment zulegen können.

"Angesichts der hohen Bewertungen von Aktien und Anleihen bieten liquide Alternative Strategien Anlegern interessante Möglichkeiten, um Risiken zu reduzieren, ohne dabei gänzlich auf Performance verzichten zu müssen", so Michael Busack, geschäftsführender Gesellschafter der Absolut Research GmbH.

Im vergangenen Jahr hätten die Fonds analog zu den Marktentwicklungen hohe Wertzuwächse erzielt. Die höchsten Renditen seien bei US-Strategien angefallen, die niedrigsten tendenziell bei Schwellenländer-Fonds. Dennoch hätten die Renditen auf Eurobasis in der Breite häufig zwischen 20% und 30% gelegen. Mit einem Zuwachs von knapp 32% hätten Momentum-Strategien am US-Markt die höchsten Renditen erzielt. Die geringsten Wertzuwächse seien bei Low-Risk-Strategien in Schwellenländern angefallen, deren Rendite 11,9% betragen habe. Quality-Strategien hätten insgesamt ein gutes Jahr gehabt, sie hätten in jeder regionalen Vergleichsgruppe den zweiten Platz belegt.

Die Faktor-Performance habe sich je nach Region teilweise deutlich unterschieden und das Abschneiden der Fonds in den einzelnen Quartalen zeige, dass die Performance der Faktoren sehr variabel gewesen sei. Insgesamt sei es den Fonds gelungen im Jahr 2019 jedoch nur in vier Faktorgruppen eine höhere Rendite zu erzielen als der jeweilige Marktindex. Dies liege auch an der teilweise hohen Renditespreizung der Fonds innerhalb einer Vergleichsgruppe. Demnach habe der Renditeabstand zwischen den besten 25% und den schlechtesten 25% der europäischen Quality-Fonds 9,5% betragen. Während hier beispielsweise der BNP Paribas Easy Equity Quality Europe ETF um 21,4% zugelegt habe, sei der iShares Edge MSCI Europe Quality Factor ETF um 30,8% gestiegen. So würden sich zwar Anlageregion und Strategie decken, die Indices würden die Aktien jedoch nach unterschiedlichen Kriterien auswählen. Während also der BNP-Index hinter dem MSCI Europe zurückgeblieben sei, habe der MSCI-Quality-Index besser abgeschnitten als der breitere Marktindex.

Gemessen an der Entwicklung der Fondsvolumina sei das Jahr 2019 für das Segment der Smart-Beta- und Faktorfonds überaus positiv verlaufen. Seien Ende 2018 noch gut 1.000 Mrd. Euro verwaltet worden, seien es Ende 2019 knapp 1.370 Mrd. Euro gewesen. Großen Anteil daran hätten die positiven Entwicklungen der Aktienmärkte gehabt, die in Euro gerechnet, je nach Region 20% bis 30% zugelegt hätten. Rechne man die marktbedingten Wertzuwächse heraus, würden die Fonds Zuflüsse von ca. 47 Mrd. Euro aufweisen.

Der europäische Smart-Beta-Markt sei, gemessen an der Fondsanzahl, mit knapp 690 Produkten etwas größer gewesen als der US-Markt (ca. 480 Fonds), bei den Volumina liege er jedoch deutlich hinter dem US-Markt (171 Mrd. Euro vs. 1.200 Mrd. Euro). Allerdings habe im vergangenen Jahr auch der europäische Smart-Beta-Markt wachsen können. Nachdem die Volumina im Jahr 2018 leicht rückläufig gewesen seien, seien die Assets von 135 Mrd. Euro um gut 35 Mrd. Euro angestiegen. Rechne man auch hier die Wertentwicklung der Märkte heraus, hätten sich die Mittelzuflüsse immerhin noch auf ca. 7,5 Mrd. Euro belaufen. Mit einem Plus von 4,3 Mrd. Euro seien Low-Risk-Fonds im vergangenen Jahr auch in Europa die gefragteste Strategie gewesen. Value-Fonds, die besonders im zweiten Halbjahr einen Aufschwung erlebt hätten, hätten Zuflüsse von knapp 2 Mrd. Euro aufgewiesen.

Bei den liquiden Long/Short-Strategien hätten 17 der 20 analysierten Gruppen im Jahr 2019 eine positive Rendite aufgewiesen. Durchschnittlich die höchsten Renditen hätten Equity Long/Short-Fonds mit Fokus auf den britischen Aktienmarkt (+10,7%) erzielt, gefolgt von Equity Long/Short-Fonds mit Fokus auf Asien, Schwellenländer und die USA. Nach vielen schwierigen Jahren hätten auch Managed-Futures-Strategien zu den Top-Performern 2019 gehört. Fonds dieser Strategiegruppe hätten im Mittel eine Rendite von 6,3% erzielt. Verluste hätten Rohstofffonds (-3,1%) und Equity Market Neutral (-2,7%) aufgewiesen. Zu Letzteren würden auch die Equity-Long/Short-Risk-Premia-Fonds zählen, die durchschnittlich 3,7% ihres Wertes eingebüßt hätten. Nach 2018 sei dies bereits das zweite negative Jahr dieser recht jungen Vergleichsgruppe gewesen.

Die Anzahl der Fonds mit liquiden Long/Short-Strategien sei erstmals in zwei aufeinander folgenden Jahren rückläufig gewesen. 2019 seien 70 neu aufgelegte Fonds in die Analysen für den Absolut|alternative aufgenommen worden. Eine derart geringe Anzahl an Neuauflagen sei bisher nur in den Jahren vor der Finanzkrise verzeichnet worden, die letztlich ein Auslöser des starken Wachstums liquider Long/Short-Strategien gewesen sei. Auf der anderen Seite seien 190 Fonds aus den Analysen herausgefallen, nur im Jahr 2013 habe es mehr Fondsschließungen gegeben (209). Aktuell würden 1.120 Fonds mit Long/Short-Strategie analysiert.

Parallel zur Entwicklung der Fonds sei auch die Entwicklung der Volumina verlaufen. Mit 355 Mrd. Euro seien das knapp 25 Mrd. Euro weniger als Ende 2018 gewesen. Werde die insgesamt positive Wertentwicklung der Fonds herausgerechnet, würden sich die geschätzten Mittelabflüsse auf ca. 42 Mrd. Euro belaufen. Allerdings habe sich im Dezember 2019 eine leichte Stabilisierung gezeigt. Mit einem Plus von ca. 3,4 Mrd. Euro seien die Mittelflüsse erstmals seit Juli 2018 wieder positiv gewesen. (News vom 10.02.2020) (11.02.2020/fc/n/s)





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