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Großer Rückblick: Das goldene Jahrzehnt für Europas Fondsbranche - Fondsnews


01.11.18 14:08
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die vergangenen Börsenwochen fühlten sich schon schwer nach Krise an, Fondsanbieter berichten von herben Mittelabflüssen, so die Experten von "FONDS professionell".

Dabei gerate leicht in Vergessenheit, wie sensationell gut die vergangenen Jahre für die Branche gewesen seien.

Zehn Jahre sei es her, dass die US-Investmentbank Lehman Brothers kollabiert sei - und das Finanzsystem beinahe zum Zusammenbruch gebracht habe. Die zahlreichen Rückblicke der zurückliegenden Wochen hätten diese dramatischen Monaten noch einmal in Erinnerung gerufen.

Auch für die Asset-Management-Branche sei Lehman eine Zäsur gewesen. Mit etwas Abstand lasse sich aber feststellen, dass die Finanzkrise das Wachstum der Fondswelt nur kurz gebremst, keinesfalls aber abgewürgt habe: Mittlerweile würden europäische Investmentfonds fast doppelt so viel Geld wie im Vorkrisenjahr 2007 verwalten, würden Zahlen des Brüsseler Branchenverbands EFAMA zeigen. Seit 2008 habe es kein Jahr mehr mit Mittelabflüssen gegeben.

Wie stark sei das Vermögen europäischer Investmentfonds gewachsen? In welchen Assetklassen stecke es? Und von welchen Anlegergruppen stamme das Geld?

1. Erstmals würden europäische Investmentfonds mehr als 15 Billionen Euro verwalten. 62 Prozent davon würden auf UCITS entfallen, der Rest auf AIF. Seit dem Jahr 2007 sei das Vermögen um 95 Prozent gestiegen. Das entspreche einem jährlichen Zuwachs von sieben Prozent.

2. Im Jahr der Lehman-Pleite habe Europas Asset-Management-Branche große Abflüsse hinnehmen müssen. Seitdem habe die Industrie mit UCITS und AIF unter dem Strich jedes Jahr Geld eingesammelt. 2017 sei gemessen an den Zuflüssen ein absolutes Rekordjahr gewesen.

3. Die meisten in Europa aufgelegten Investmentfonds würden in Aktien, dicht gefolgt von Anleihen investieren. Multi-Asset-Portfolios seien auf dem Vormarsch. Geldmarktfonds würden keine große Rolle mehr spielen, was angesichts der niedrigen Zinsen wenig erstaunen dürfte.

4. Mittlerweile würden 42 Prozent der europäischen Investmentfonds grenzüberschreitend vertrieben, deutlich mehr als noch vor zehn Jahren. Die starke Marke UCITS habe der europäischen Fondsindustrie bei der Globalisierung geholfen, meine die EFAMA.

5. Das meiste Geld, das in Investmentfonds aus der Eurozone stecke, komme von Privatanlegern - entweder direkt oder über den Umweg von Versicherern und Pensionsfonds. Zusammen stünden diese drei Gruppen für 61,4 Prozent der Fondsanlagen.

6. Mittlerweile würden 11,4 Prozent des Finanzvermögens der Haushalte in der Eurozone auf Investmentfonds entfallen. Das sei zwar mehr als vor zehn Jahren, reiche aber noch lange nicht an die Milliarden heran, die meist unverzinst auf Konten lägen. (01.11.2018/fc/n/s)