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Fondsgebühren: Nichts gibt's umsonst - Fondsnews


07.01.19 11:46
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - In den USA ist das Tabu gebrochen: Die Fondsgesellschaft Fidelity hatte im Sommer 2018 zwei Indexfonds zum Nulltarif auf den Markt gebracht, so die Experten von "FONDS professionell".

Angesichts des anhaltenden Preiskampfes in der Branche erschien es manchen Beobachtern nur eine Frage der Zeit, bis auch in Europa kostenlose Produkte auf den Markt kommen, so die Experten von "FONDS professionell".

Doch solche Gratis-Portfolios würden wohl nur Exoten bleiben. Zu diesem Ergebnis komme eine Analyse des auf die Asset-Management-Industrie spezialisierten Researchhauses Cerulli Associates. "Kostenlose Fonds werden in Europa die Ausnahme und nicht die Regel sein", sage André Schnurrenberger, Europa-Geschäftsführer von Cerulli.

Denn gänzlich gebührenfreie Portfolios ließen sich praktisch nicht wirtschaftlich betreiben, führe der Experte weiter aus. Immerhin würden Kosten für die Anbieter anfallen, die es zu stemmen gelte. Diese hätten sich zwar durch Nebengeschäfte wie die Wertpapierleihe teilweise decken lassen. Die Rechnung gehe Schnurrenberger zufolge aber meist nur auf, wenn keine Lizenzgebühren für den abzubildenden Index anfallen würden. Die Fondsgesellschaft müsse also ein eigenes Börsenbarometer entwerfen und berechnen. Dies sei bislang selten der Fall, nehme aber langsam zu.

Für die Finanzierung der Umsonst-Fonds bleibe andernfalls nur eine Quersubventionierung durch andere Produkte. Solche Praktiken würden die Aufseher aber nicht gerne sehen, meine der Cerulli-Experte. Zumindest müsste dann der zahlenden Kundschaft offengelegt werden, dass sie mit den Gebühren für "ihren" Fonds auch die kostenlosen Portfolios mitfinanziere - was auf wenig Begeisterung stoßen dürfte.

Produkte ohne Verwaltungsgebühr habe es in Europa bislang vor einigen Jahren zwar schon einmal gegeben - aber nur als befristete Marketingaktion für einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf den DAX. Auch "Gratis-Pionier" Fidelity übertrage die Strategie bislang nicht nach Europa. Das hier aktive Unternehmen Fidelity International habe bislang lediglich institutionellen Investoren vorbehaltene Indexfonds für Privatanleger geöffnet und für seine aktive Palette die so genannte Fulcrum-Fee eingeführe. Neben einem festen Basis-Satz würden Anleger hierbei eine variable Gebühr zahlen. Deren Höhe richte sich danach, inwieweit der Portfoliomanager seinen Vergleichsindex übertreffe.

Dieses Modell werde Nachahmer finden, meine Schnurrenberger. "Statt kostenloser Fonds wird es zu anderen Neuerungen kommen. Ein Beispiel wäre eine Kombination aus Null-Prozent jährlicher Verwaltungsgebühr und einer erfolgsabhängigen Vergütung." Dies wäre ein machbares und nachhaltiges Preismodell, so der Analyst.

Denn grundsätzlich halte der Druck auf die Fondsgebühren an, gebe der Cerulli-Experte zu bedenken. Die starke Konkurrenz in dem Geschäft, das Streben nach größerem Volumen, um Skaleneffekte einzufahren und nicht zuletzt die Attacke durch günstige passive Produkte lasse der Industrie kaum eine Wahl, als sich neue Preismodelle einfallen zu lassen. (07.01.2019/fc/n/s)